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DLRG Rotenburg rüstet technisch auf: Vorbereitet für den Ernstfall

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Von: Ann-Christin Beims

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Die Rettungsschwimmer bereiten das Sonargerät für eine Übung vor.
Die Rettungsschwimmer bereiten das Sonargerät für eine Übung vor. © DLRG Rotenburg

Nachdem eine junge Frau im Sommer 2020 im Bullensee ertrunken ist, hat die DLRG Ortsgruppe Rotenburg im vergangenen Jahr technisch aufgerüstet.

Rotenburg – Im kommenden Sommer ist es zwei Jahre her, dass es im Großen Bullensee zu einem Unfall kam: Es war ein warmer Tag, viele Badegäste haben einen Ausflug an den See gemacht. Doch eine junge Frau, die vermutlich nicht gut schwimmen konnte, ist im tiefen Teil ertrunken. Ihr Begleiter wurde dank des mutigen Einsatzes des damals 15-jährigen Micha Ortlieb aus Verden gerettet, der den Mann sofort aus dem Wasser gezogen hatte. Das Ereignis hatte zur Folge, dass die Ortsgruppe Rotenburg der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) technisch aufgerüstet hat.

„Wir haben jetzt ein Sonargerät“, erklärt Jürgen Meyer, Leiter der Verbandskommunikation. Damit können die Helfer mittels ausgesandter Schallimpulse Gegenstände oder Personen unter Wasser noch besser orten. Das erfordert allerdings einige Übung: Auf dem Monitor zu erkennen, was dort aus der Tiefe übertragen wird, ist mitunter nicht einfach. Meyer zeigt einige Aufnahmen, die sie bereits gemacht haben: Da ist das versenkte Tretboot, das tief im Schlamm liegt, oder auch der Rettungschwimmer der DLRG, der für einen Gerätetest einen Tauchgang absolviert. Klare Konturen wie Boote sind gut zu erkennen, bei Personen wird es schon schwieriger, sagt Meyer.

DLRG-Übung bei Nacht, um den Umgang mit dem neuen Gerät zu lernen.
Auch Übungen bei Nacht sind wichtig, um den Umgang mit dem neuen Gerät zu lernen. © DLRG Rotenburg

Zwar passieren solche schlimmen Unfälle in Rotenburg zum Glück nur selten, dennoch sei die verbesserte Ausrüstung für den Ernstfall ein Gewinn. Als nächstes möchte sich die DLRG zudem eine Tauch-Drohne anschaffen – aber die ist teuer. „Das ist noch Zukunftsmusik“, bedauert Meyer. „Doch die Bilder sind noch klarer, als mit dem Sonar.“ Entsprechend wäre sie bei Sucheinsätzen eine große Hilfe. Und: An besonders schwierigen Stellen müsste nicht immer gleich ein Taucher runter, sondern man könnte anhand der technischen Hilfsmittel erst die genaue Lage der gesuchten Person bestimmen.

Es sind Anschaffungen, die schon vor dem Unglück geplant waren. „Aber das hat es noch einmal beschleunigt“, so Meyer. Auch ein zweites Fahrzeug wäre ein großer Wunsch für die Rettungshelfer. Aktuell haben sie zwei Boote, aber nur ein Fahrzeug mit Anhänger. Mit einem weiteren könnten sie im Notfall mit beiden Booten gleichzeitig los und müssten nicht erst abwägen, welches vermutlich gebraucht wird.

Ein DLRG-Mitglied sitzt in einem Boot und blickt auf den Monitor des Sonargerätes.
Auf dem See testen die Rettungsschwimmer das neue Sonargerät. © DLRG Rotenburg

Meyer ist einer, der die Tücken verschiedener Gewässer ganz genau kennt. Er macht auch regelmäßig auf die Gefahren an Badestellen aufmerksam. Denn nicht immer und überall sind die Rettungsschwimmer vor Ort. Und selbst wenn sie da sind, wie am Bullensee vor allem an den Wochenenden im Sommer: „Wir können nicht permanent den ganzen See im Blick haben“, merkt er an Gerade an unbewachten Badestellen passieren die meisten Unfälle. Denn es gibt immer jene, die ihre Fähigkeiten überschätzen, und zunehmend Nichtschwimmer, gerade unter Kindern. Die Pandemie hat ihr Übriges dazu getan, da viele Schwimmkurse ausfallen mussten. „Und wenn es weniger Schwimmer gibt, gibt es weniger Rettungsschwimmer“, erklärt Meyer. „Das wird eine Lücke geben, die kann sich über Jahre ziehen.“

Zwar bilden sie jährlich zwischen 20 und 30 Rettungsschwimmer aus, einige sind aber „Wiederholungstäter“. Die meisten kommen aus den Reihen des Vereins, nur wenige von außerhalb, die den Schein zum Beispiel beruflich brauchen. Über mangelnden Nachwuchs kann sich das DLRG hingegen noch nicht beschweren, ist Meyer froh. „Aber es könnten natürlich immer gerne mehr sein!“

Rettungsschwimmkurse in Bronze und Silber

Die DLRG-Ortsgruppe Rotenburg bietet wieder Kurse an, um das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Bronze oder Silber zu erwerben. Jeweils freitags vom 25. März bis zum 29. April trainieren Interessierte jeweils freitags von 20 bis 21.30 Uhr im Ronolulu. Die theoretische Ausbildung ist am Samstag, 9. April, von 9 bis 15 Uhr. Teilnehmen kann jeder Freischwimmer, eine Mitgliedschaft in der DLRG ist dafür nicht erforderlich. Das Rettungsschwimmabzeichen in Bronze ist ab zwölf Jahren möglich, in Silber ab 14 Jahren. Für Silber ist auch ein Erste-Hilfe-Kurs nicht älter als zwei Jahre erforderlich. Die Kosten betragen 20 Euro für Nichtmitglieder (ohne Eintritt ins Ronolulu) und beinhalten eine Teilnehmerbroschüre, die Ausbildung, Prüfung, Urkunde und Abzeichen. Weitere Informationen und Anmeldung gibt es auf der Website der DLRG Rotenburg.

Auch wenn die Pandemie ihnen wie so vielen anderen ebenfalls eine Bremse verpasst hat: Aktuell versuchen sie, aufzuholen, was nicht möglich war. Vereinsintern konnten sie zwar trainieren, aber mit Einschränkungen. „Über sieben Monate war bei uns alles komplett zu. Das war ein Einbruch, auch für unser eigenes Training“, sagt Meyer. Und wenn es erlaubt war, wurden Übungen unter Einhaltung der Abstandsregeln durchgeführt, Schleppen war nicht möglich, außer mit der Übungspuppe.

Die richtige Praxis fehlt, auch bei der Wiederbelebung, meint Meyer. Dennoch sieht er die Gruppe gut auf die kommende Badesaison vorbereitet. Aktuell nutzen sie die Zeit, in der sie noch ins Ronolulu können, bevor es wieder für die Bauarbeiten schließt. So haben sie noch eine tiefe Stelle, die für Übungen besser geeignet ist, als in einem Freibad. Einmal die Woche wird für gewöhnlich trainiert, im Sommer wieder zwei- bis dreimal. Damit sie vorbereitet sind, denn: „Wir müssen immer damit rechnen, das etwas passiert.“

Auch der Bullensee ist wieder bereit für Badegäste: Die Regenfälle der vergangenen Wochen haben ihn gut gefüllt. „Da fehlen nur etwa 40 Zentimeter“, so Meyer. Aber: Die Egel sind immer noch da, gerade im Flachwasserbereich. „Man muss sich keine Sorgen beim Schwimmen machen, aber wenn sich einer festbeißt, sollte man ihn nicht abreißen.“

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