Sorge um Schwimmkurse

DLRG-Bezirksjugend überbrückt die Pandemie online

Um auch in Zukunft Einsätze wie beim Eisvergnügen auf dem Bullensee sichern zu können, braucht der DLRG neue Nachwuchsmitglieder.
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Um auch in Zukunft Einsätze wie beim Eisvergnügen auf dem Bullensee sichern zu können, braucht der DLRG neue Nachwuchsmitglieder.

Rotenburg – Ein knappes Dutzend Kinder und Jugendliche der DLRG-Bezirksjugend Aller-Oste sitzen zusammen und knoten Paracords. Unter Anleitung von Niels Rademacher wird Schnur über Schnur gelegt, der Knoten wächst. Die geschäftige Stille wird nur von gelegentlichen Nachfragen von Michi Thies, Vorstandsmitglied der DLRG-Ortsjugend Rotenburg unterbrochen:

„Klappt bei dir alles, Mara?“ „Was geht bei euch so, Leni und Jan?“ – „Nicht viel“, meinen die Geschwister aus Bremervörde, „außer das hier“, und halten stolz das hoch, was 20 Minuten später zwei zweifarbige Schlüsselanhänger werden.

Das gemeinsame Basteln der sogenannten Paracords: ein Dauerbrenner bei den Veranstaltungen der DLRG-Bezirksjugend. Doch etwas ist anders heute: statt im Zeltlager beim Bezirksjugendtreffen sitzen die Teilnehmer im heimischen Wohn- oder Kinderzimmer. Gemeinsamkeit findet in Zeiten der Pandemie höchstens am Bildschirm statt.

„Etwas Farbe in den grauen Corona-Alltag bringen“, das ist laut Mara Krause auch das Credo der ersten Zusammenkunft für die Jüngeren. Die beiden Online-Kochkurse fanden eher bei den älteren Jugendlichen Anklang. Nicht umsonst haben die meisten der mehr als 30 Kinder, die den „Bastelbrief“ mit den Materialien und Anleitung angefordert hatten, die Schnüre in DRLG-Farben erhalten. „Mit dem Schlüsselanhänger zeigt ihr, dass ihr auch weiter dabei und aktiv seid“, meint die 27-jährige Sottrumerin, die sich für das Online-Meeting eine DLRG-Flagge als Hintergrund an die Wand gehängt hat.

Sie gehört zu den rund 60 von rund 600 aktiven DLRG-Mitgliedern bis 27, die als Planer in normalen Zeiten mit dem jährlichen Zeltlager, aber auch anderen gemeinsamen Aktionen wie Schlittschuhlaufen, Geocaching oder Kanutour die Mitglieder bei der Stange halten. Das ist laut Niels Rademacher wichtig, um die Zeit zwischen den eigenen Schwimmkursen bis zu der Zeit zu überbrücken, wo die dann jungen Erwachsenen selbst ihre Ausbildung zum Rettungsschwimmer absolvieren können. Dass in dieser Zeit viele Schüler abspringen, ist kein Geheimnis, „damit kämpfen wohl alle Vereine“, bringt es Niels Rademacher vom DLRG-Ressort Politik auf den Punkt.

Michi Thies zeigte den Teilnehmern am Bildschirm, wie aus zwei Schnüren ein Schlüsselanhänger wird.

Im vergangenen Jahr fielen die meisten der wechselnden Aktionen flach. Gerade ein gemeinsames Bowling war im Spätsommer zwischen zwei Lockdowns in Kleingruppen möglich. Noch härter trafen die Einschränkungen die Ortsgruppen, fiel doch vor allem das wöchentliche Schwimmtraining ins Wasser.

Auch sie sind bemüht, den Kontakt zu „ihren“ Jugendlichen zu halten, „einige machen sogar online Theorie, zum Beispiel die Baderegeln – die Kondition geht dabei natürlich flöten.“ Auch ihr bereitet die gegenwärtige Situation Sorgen. Zwar hielten sich in den Ortsgruppen die Austritte im üblichen Rahmen, „aber es kommen durch die fehlenden Schwimmkurse eben auch keine neuen Mitglieder hinzu.“ Dabei sei Rotenburg vergleichsweise noch gut dran, konstatiert Thies, der in Hannover studiert: „Dort waren die Schwimmkurse schon vor Corona ein bis zwei Jahre im Voraus ausgebucht – entsprechend dürfte sich die Wartezeit nun noch mehr verlängern.“

Sorgen macht sich auch Jürgen Meyer, Leiter Verbandskommunikation der Ortsgruppe Rotenburg – nicht nur um die Schwimmfähigkeit der Kinder, die nun schon beim zweiten Jahrgang in Folge auf der Strecke bleibe, sondern auch um den Rettungsschwimmer-Nachwuchs: „In ein paar Jahren fehlen die dann zum Beispiel an Nord- und Ostsee.“

Nach einer halben Stunde sind alle Knoten fertiggestellt. „Braucht Ihr noch Hilfe?“, fragt Rademacher in die Kamera. Zum Abflammen des Knotens wollen Nele und Jan dann doch lieber mit dem Vater in die Werkstatt im Keller gehen. Auch wenn die meisten Kinder dann doch allein zuhause gebastelt haben, ist Krause zufrieden. „Dafür, dass die Kids mit Homeschooling schon viele Stunden digital unterwegs sind“, findet sie die Resonanz gut. Schon am selben Abend geht es für die Älteren weiter: Dann steht ein digitaler Spieleabend mit Stille Post und Montagsmalern auf dem Programm.

Den „Bastelbrief“ erhalten die Kinder und Jugendliche der DLRG-Bezirksgruppe per Post.

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