Entwurf fürs Regionale Raumordnungsprogramm: Stadt bereitet Stellungnahme vor

Die Diskussion kann starten

Bürgermeister Andreas Weber (r., SPD) und Stadtplaner Clemens Bumann studieren den Entwurf für die Fortschreibung des Regionalen Raumordnungsprogramms. Der sieht unter anderem ein Vorranggebiet für Windenergieanlagen auch in Rotenburg vor. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Der vom Landkreis Rotenburg vorgelegte Entwurf zur Fortschreibung des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) beinhaltet vor allem weitere Potenzialflächen für die Erzeugung von Windenergie. Davon betroffen ist allen voran der Nordkreis, aber auch im südlichen Teil des Landkreises sind solche zusätzlichen Flächen vorgesehen.

Die Stadt Rotenburg als Mittelzentrum kommt allerdings relativ glimpflich davon. Wie Stadtplaner Clemens Bumann mitteilt, gehe es um eine 97 Hektar große Fläche im Bereich Rotenburg / Wohlsdorf, auf der sechs bis acht raumbedeutsame Windenergieanlagen möglich werden.

Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) ist gefordert, bis zum 31. Mai eine Stellungnahme zum RROP für die Stadt abzugeben. Vor diesem Hintergrund plant er zusammen mit Vertretern des Landkreises für den 25. April von 19 Uhr an eine öffentliche Präsentation der vorgesehenen Fortschreibung. „Die Politik, aber auch alle interessierten Rotenburger sind eingeladen, dabei zu sein“, so Weber. Die Diskussion kann also starten, und Weber erhofft sich von diesem Prozess Anregungen und Hinweise, die unter Umständen dann auch in die Stellungnahme einfließen könnten.

Nach dem Entwurf für das Regionale Raumordnungsprogramm sind 1,16 Prozent der Kreisfläche, 2407 Hektar, als Vorrangfläche für Windenergie vorgesehen. Die Fläche hat sich damit nach den Vorgaben von 2005 verdoppelt. Bislang gab es 16 Vorrangstandorte. Teilweise wurden diese nun erweitert, neue kamen hinzu. Kreisweit lieferten 2014 insgesamt 161 Windräder 44 Prozent der hier eingespeisten Bio-Energie. 48 Potenzialflächen sind neu berechnet worden, übrig blieben 18 Vorranggebiete, die nicht gegen Ausschlusskriterien wie Mindestabstände zu Wohnbebauung oder Naturschutzgebiete verstoßen. Das größte Gebiet liegt in Wilstedt mit 317 Hektar, es folgen Ostervesede (267 Hektar), Bartelsdorf/Brockel (260), Weertzen/Langenfelde/Boitzen (185), Alfstedt/Ebersdorf (176) und Wohnste (165).

Im Altkreis gibt es zudem „Vorranggebiete Windenergienutzung“ in Fintel und Kirchwalsede. Aber eben auch in Wohlsdorf / Rotenburg. Wenn von raumbedeutsamen Anlagen die Rede ist, geht es um Windräder mit einer Nabenhöhe von 200 Metern sowie 60 Meter großen Rotoren. Es wären die ersten Windräder dieser Dimension in der Kreisstadt. Bumann: „Die Folgen für Rotenburg wären in erster Linie visueller Art, die Auswirkungen sind, was diese Fläche angeht, auf die Baugebiete an der Brockeler Straße begrenzt.“

Wie der Stadtplaner weiter berichtet, gebe es in Dirk Trochelmann auch schon einen Interessenten für die Realisierung solcher Anlagen. Er ist Gesellschafter der Capcerta GmbH in Wohlsdorf, die das Projekt zusammen mit der Reon AG aus Lilienthal realisieren möchte und sich auch schon sämtliche notwendigen Flächen gesichert hat. Die Reon AG ist seit Anfang der 90er Jahre im Windenergie--Geschäft unterwegs. Für das neue Projekt seien Anlagen mit einer Leistung von jeweils 4,2 Megawatt vorgesehen, wie Trochelmanns Geschäftspartner Tom Becker von der Reon AG auf Anfrage der Kreiszeitung mitteilt.

80 Prozent der Fläche auf Rotenburger Gebiet

Etwa 80 Prozent der 97 Hektar großen Fläche liegen übrigens auf dem Gebiet der Stadt Rotenburg. Die Flächen gehören mehreren Landwirten. Wenn in der Fortschreibung des RROP von Vorranggebieten wie im Fall von Wohlsdorf / Rotenburg die Rede ist, seien übrigens die wesentlichen öffentlichen und privaten sowie städtebaulichen Belange bereits geprüft. Weber: „Wir tun uns also schwer damit, Einschränkungen vorzunehmen.“ Dennoch setzt der Bürgermeister auf eine Diskussion, der zunächst aber eine detaillierte Information vorangehen soll. Bumann lässt in diesem Zuammenhang nicht unerwähnt, dass der Landkreis unter Druck stehe, weil er erst etwa die Hälfte der Landesvorgabe in Sachen Windkraft erreicht habe.

In den Plan für das RROP ist übrigens auch ein Passus aufgenommen worden, der sich auf die Trinkwassergebiete bezieht. Darin heißt es: „Zur Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas und Erdöl (...) dürfen nur Verfahren eingesetzt werden, die nachweislich keine Gefährdung (...) der als Vorranggebiete Trinkwassergewinnung festgelegten Grundwasservorkommen hervorrufen können.“ Ferner seien die Verläufe der Rotenburger Rinne bezogen auf eine Tiefe von 100 Metern in dem Entwurf dargestellt, so Bumann.

Enthalten in diesem RROP-Entwurf ist vor dem Hintergrund der Alpha-Variante für den Bahnausbau im Hafenhinterland die sogenannte Rotenburger Spange für die Strecke zwischen Verden und Bremervörde – und zwar zur Umfahrung des Rotenburger Bahnhofes.

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