Case-Manager helfen Langzeitarbeitslosen wieder auf die Beine

„Das Ding ist voll“

Imke Colshorn (v.l.), Mareen Engel, Hermann Luttmann, Thomas Hempel, Beatrix Meier und Gregor Stein stellen das Projekt „Case-Manager“ vor. 100 000 Euro stellt der Landkreis dafür zur Verfügung. Foto: Menker

Rotenburg – Die ersten Erfahrungen sind vielversprechend, sagt Gregor Stein als Leiter des Rotenburger Jobcenters. „Das Ding ist voll“, bringt es seine Kollegin Mareen Engel auf den Punkt. Die beiden sprechen über das Projekt „Case-Manager“, das das Jobcenter entwickelt hat. Der Auftrag für die Durchführung ist an den Verein „Therapiehilfe“ gegangen. Der Startschuss erfolgte im Dezember – und schon jetzt sind alle 16 zur Verfügung stehenden Plätze belegt.

„Fördern und fordern“ – das sei das Credo des Jobcenters in seinem Bemühen, arbeitslose Hartz-IV-Empfänger wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzubringen. Das ist nicht immer leicht. Deshalb, so Stein, gehe es in diesem Projekt vornehmlich ums Fördern. Ziel sei es, Hemmnisse im psychosozialen Bereich abzubauen. „Manche unserer Kunden sind regelrecht down, das alles schlägt ihnen aufs Gemüt. Ihnen fehlt das Selbstbewusstsein.“ Auf Flyer und Telefonnummern hinzuweisen, damit sie sich Hilfe holen, fruchte nur selten. Deshalb geht man jetzt einen anderen Weg: Die Arbeitsvermittler haben von Fall zu Fall die Möglichkeit, die Kunden an die Hand zu nehmen, um einen direkten Kontakt mit einem der drei Case-Manager herzustellen. Denn: Diese drei Sozialpädagogen sitzen in den drei Jobcentern in Rotenburg, Zeven und Bremervörde. Das übliche System basiere auf Pflichten, aber in diesem Fall sei es anders: Die Kunden entscheiden sich freiwillig für oder gegen einen Besuch beim Case-Manager, unterstreicht Engel. Diese übernähmen eine Lotsen-Funktion, erklärt Beatrix Meier, als Leiterin der Rotenburger Fachstelle Therapiehilfe. Die Betroffenen kommen also bei der Hilfe an. Die Case-Manager hätten ausreichend Zeit, um zu helfen, wenn erst einmal der Bedarf festgestellt worden ist. „Und dann kommen oft die eigentlichen Probleme auf den Tisch.“ Probleme, die zum Teil von Scham besetzt sind, sagt Meier. Themen also, die im Jobcenter eben nicht in der Beratung mal eben so angesprochen werden. Dabei könne es um Existenz-Nöte gehen, um Sucht- oder Gesundheitsprobleme, um den drohenden Wohnungsverlust. Der Case-Manager könne da ein großes Netzwerk öffnen, um Hilfe zu verschaffen.

Thomas Hempel, geschäftsführender Vorstand der Therapiehilfe, spricht lieber von „Teilhabe“ am gesellschaftlichen und am Arbeitsleben. Da sei zu klären, welche Ressourcen es jeweils gibt. Die Case-Manager bilden also eine Brücke hin zu den bestehenden Angeboten, die im Landkreis vorhanden sind, um diese besser zu nutzen. Durch das breite Spektrum an Hilfeleistungen, das bereits existiert, werde mit den Kunden eine auf sie abgestimmte Lösungsstrategie erarbeitet und bestenfalls auch umgesetzt.

Diese Beratung und Hilfe kann im Büro des Case-Managers, aber auch bei den Kunden zu Hause erfolgen. Man ist flexibel, hat Zeit und ein großes Netzwerk im Rücken. Imke Colshorn als Sozialdezernentin des Landkreises betont: „Wir können mit diesem System Vertraulichkeit herstellen.“ Das Projekt passe sehr gut in die Zeit, denn im Jobcenter habe man aktuell den dafür erforderlichen Spielraum.

Daher arbeite es konzeptionell mit dem Personenkreis, der schon länger zu den Kunden zählt. Die individuelle Betreuung könne bis zu sechs Monate mit maximal vier Stunden pro Woche erfolgen. Das Projekt werde evaluiert, um festzustellen, wie erfolgreich es ist.

„Der Landkreis Rotenburg schafft mit diesem Angebot eine einmalige und individuell abgestimmte Unterstützungsleistung für Menschen, die häufig schon sehr lange im SGB-II-Leistungsbezug sind“, sagt Landrat Hermann Luttmann, der das Projekt sehr begrüßt, für das der Landkreis eine Summe von 100 000 Euro locker gemacht hat. Es ist zunächst auf ein Jahr befristet – verbunden mit der Option, es um ein weiteres Jahr zu verlängern.

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