Ein Amt für Digitalisierung

Landkreis Rotenburg stellt zwei neue Amtsleiterinnen vor

+
Zwei neue Amtsleiterinnen im Kreishaus: Emese Stauke (l.) leitet das neue Amt für Digitalisierung und IT, Frauke Brummund-Gischow das Rechtsamt.

Rotenburg – Der Landkreis Rotenburg nimmt die Digitalisierung ernst. So ernst, dass er dafür zu Beginn dieses Jahres das neue Amt für Digitalisierung und IT geschaffen hat. „So ein Amt ist mir aus anderen Landkreisen in Niedersachsen bisher nicht bekannt“, sagt Kreisrat Sven Höhl. Aus seiner Sicht nehme der Landkreis Rotenburg damit eine Vorreiterrolle ein. Und das sehr zur Freude von Emese Stauke. Die 43-Jährige übernimmt in eben diesem neuen Fachamt die Leitung. Höhl hat sie zusammen mit Landrat Hermann Luttmann (CDU) am Montag der Presse vorgestellt.

„Der Landkreis hat es genau richtig gemacht, dieses Amt aus den vorhandenen Strukturen herauszuheben“, sagt Stauke. 24 Bewerbungen hat es für die Amtsleiterstelle gegeben – am Ende hatte sie die Nase vorn. „In den letzten Jahren haben wir uns schon viel mit der Digitalisierung der Verwaltung beschäftigt“, unterstreicht Sven Höhl das Anliegen des Landkreises. Es sei auch schon viel auf den Weg gebracht worden. Aber: „Es gab verschiedene Ansprechpartner und damit auch unterschiedliche Entscheidungswege.“ Mit der Bündelung der Aufgaben wolle man nun zu einer schlankeren Struktur kommen, die Themen im Projektmanagement bündeln und den Ämtern hilfreich zur Seite stehen, so der zuständige Dezernent. Dabei wird die gebürtige Ungarin nun die Fäden in die Hand nehmen. Sie arbeitete zuletzt an der Uni Bremen im Fachbereich „Mathematik und Informatik“. Sie forschte zu Bildungstechnologien und „eGovernment“ und lehrte zum Thema IT-Management. Für ihre Promotion ging sie der Frage nach, welche Daten für die Leistungsbeurteilung von Lernenden notwendig sind und wie man diese Daten auf den unterschiedlichen Ebenen des Schulsystems aufbereiten und zur Verfügung stellen kann.

Stauke hält es für wichtig, dass die Fachämter beim Entfalten der Potenziale mit dem neuen Amt auf Augenhöhe diskutieren und es nicht nur als Dienstleister betrachten. „Es geht darum, den Prozess gemeinsam zu gestalten“, sagt die 43-Jährige. Es gehe aber nicht nur um die interne Digitalisierung, sondern auch um ein Miteinander mit den Bürgern sowie anderen „Partnern“, mit denen die Verwaltung zu tun habe. 52 Prozent der Bürger seien mit der Erreichbarkeit der Verwaltung unzufrieden, 48 Prozent mit der Bearbeitungsgeschwindigkeit und 50 Prozent mit dem digitalen Angebot. 87 Prozent der Bürger wünschten sich laut einer Umfrage kreative Problemlösungen statt „Dienst nach Vorschrift“, 65 Prozent grundsätzlich mehr Digitalisierung. Allerdings, so Stauke, vertraue nur ein Viertel der Bevölkerung der Verwaltung beim Umgang mit digitalen Daten. Die neue Amtsleiterin: „Der Landkreis hat schon eine sehr sichere Infrastruktur aufgebaut“, und es habe auch noch keine Vorfälle gegeben in den letzten Jahren, bei denen die Sicherheit durchbrochen worden sei. „Ich denke, wir sind sicher und sollten daran arbeiten, dass es auch so bleibt.“ Laut Höhl kämen auf die Verwaltungen bis 2022 genau 574 zu digitalisierende Leistungen zu. Das sei nur machbar, wenn man dort, wo es geht, gemeinschaftlich an der Umsetzung arbeitet – mit Portalen, die dafür geschaffen werden. Nicht zu unterschätzen sei, dass auch die Kommunen in den Landkreisen gerade beim Dokumentenmanagement-System (DMS) aufholen müssten. In Kooperation mit ihnen strebe man ebenfalls eine Portallösung an.

Ein Stichwort in der Kreisverwaltung ist auch die digitale Akte: Das Jobcenter und der Abfallwirtschaftsbetrieb arbeiten bereits damit, als Nächstes wird sie im Amt für Finanzen eingeführt. Berührungsängste seien stellenweise spürbar. Aber die Kollegen sehen auch die Vorteile, sagt Stauke. Schließlich gehe es auch um komplexe Verfahren, beispielsweise im Bauamt, an denen mehrere Fachverfahren dranhängen. Daher gelte es, den Workflow hausintern zu gestalten. Schulungen seien dabei ebenfalls erforderlich. Sorgen um einen Stellenabbau müsse sich niemand machen, versichert der Landrat. Ohnehin seien schon jetzt mehr als 50 Stellen nicht besetzt.

Mit ihren 19 Mitarbeitern arbeitet Stauke nun also an der Optimierung der Arbeitsprozesse. In den vergangenen Jahren sei innerhalb der Verwaltung schon viel umgesetzt und angestoßen worden. So seien Kreisverwaltung Gemeinden mit Land und Bund über das Landesnetz NVN verbunden, die IT-Struktur sei 2014 mit der Errichtung eines Ausfallrechenzentrums zukunftssicher ausgebaut worden, und es seien schon 63 softwaregestützte Fachverfahren im Einsatz, die politischen Gremien arbeiteten vollständig digital. Das DMS sei ebenfalls in Betrieb wie auch das elektronische Vergabeportal und die e-Rechnung. Hinsichtlich der Digitalisierung, die die Bürger erreicht, spricht Stauke von einer „Vertrauensarbeit“, aber sie ist sich sicher: „Wir schaffen das.“ Und dabei sei zu berücksichtigen, dass es dem Bürger erst einmal egal ist, wer zuständig ist, wenn es um die Mülltonne, die KFZ-Zulassung oder die Hundesteuer geht. Er will vieles digital von zu Hause aus erledigen.

Als neue Leiterin des Rechtsamtes beim Landkreis ist seit Beginn des Jahres Frauke Brummund-Gischow tätig. Die 37-jährige hat in Bremen studiert und lebt in der Kreisstadt. Seit 2011 ist sie beim Landkreis beschäftigt. Nach Jura-Studium und Referendariat startete sie ihre Karriere im Jobcenter und war seit 2014 auch im Rechtsamt beschäftigt. Nach dem Weggang des langjährigen Amtsleiter Jürgen Meyer hat sie nun das personell kleinste Fachamt übernommen. Sie hat nur zwei Kolleginnen und kümmert sich um die jährlich rund 250 neuen Klageverfahren. Außerdem bearbeitet sie noch nicht abgeschlossene Verfahren aus den Vorjahren. Dabei geht es vielfach um Fragen des Bau-, Wasser- oder Sozialrechts, um Naturschutzbelange oder auch um Führerscheinverfahren. Von den 19 Ämtern in der Kreisverwaltung werden zurzeit zwölf von Frauen geleitet, berichtet Landrat Hermann Luttmann.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Bundesweite Bauernproteste: Tausende Traktoren unterwegs

Bundesweite Bauernproteste: Tausende Traktoren unterwegs

EU startet vor Libyen-Gipfel Diskussion über Militäreinsatz

EU startet vor Libyen-Gipfel Diskussion über Militäreinsatz

Bundestag debattiert über Sicherheit für Radler

Bundestag debattiert über Sicherheit für Radler

Neue Maßnahmen gegen "Sauf-Tourismus" auf Mallorca und Ibiza

Neue Maßnahmen gegen "Sauf-Tourismus" auf Mallorca und Ibiza

Meistgelesene Artikel

Trecker-Demo am Freitag: Staus und Blockaden zum Feierabend

Trecker-Demo am Freitag: Staus und Blockaden zum Feierabend

Suche nach Vermisstem erfolglos: Nachbarn finden Mann tot im Garten

Suche nach Vermisstem erfolglos: Nachbarn finden Mann tot im Garten

Autoschrauber auf Abwegen: „Berufskriminelle“ auf der Jagd nach teurer Technik

Autoschrauber auf Abwegen: „Berufskriminelle“ auf der Jagd nach teurer Technik

Das Maß ist voll: Landwirte aus dem Landkreis Rotenburg protestieren in Bremen

Das Maß ist voll: Landwirte aus dem Landkreis Rotenburg protestieren in Bremen

Kommentare