Apotheken bereit

Digitaler Impfpass bei den Rotenburgern sehr gefragt

René Große
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René Große ruft per Tablet den QR-Code für den digitalen Impfpass ab.

Der digitale Impfpass ist da. Apotheken müssen für die Einführung aber viel improvisieren.

Rotenburg – Dass sich vor den Apotheken immer wieder lange Schlangen bilden, kennen wir seit Beginn der Pandemie. Am Montagmorgen war genau das erneut der Fall. Denn das Interesse am digitalen Impfpass ist groß. Mit dem Startschuss dieses kostenlosen Angebotes haben sich gleich morgens schon die ersten Kunden auf den Weg gemacht. „Nach und nach haben wir es nun mit den Anfragen zu tun“, sagt der Rotenburger Apotheker René Große.

Der erste Kunde stand um 8 Uhr bei ihm im Laden an der Verdener Straße. Und dann das: „Der Server war offline. Eine gute Stunde lang ging gar nichts“, sagt Große. Ähnlich holprig verlief am Vormittag die Suchabfrage zu den an diesem Angebot beteiligten Apotheken auf der Internetseite www.mein-apothekenmanager.de. „Momentan werden Wartungsarbeiten durchgeführt. Bitte warten Sie einen Moment“, lautete Bildschirmhinweis. Zwei Stunden später spuckt der Manager zwar die gewünschten Informationen aus, aber beim Klicken auf die nächste Seite kommt es zu einem „internen Fehler“.

Apotheker fühlen sich überrumpelt

Umso besser klappt es mit der Ausstellung des digitalen Impfpasses selbst – eine Sache von drei Minuten. Wesentlich größer waren die Vorbereitungen, meint Große. „Das hat mich schon ein paar Tage gefordert.“ Das Improvisieren, sagt der Apotheker, seien er und seine Kollegen ja inzwischen seit anderthalb Jahren gewohnt. Die Vorbereitungen für den digitalen Impfpass seien vergleichbar mit denen für die Ausgabe der Masken und für die Organisation der Corona-Tests. „Keiner wusste, wie das gehen soll.“ Intensive Recherchen und viele Überlegungen waren erforderlich, um den Plan zu realisieren.

Doch das alles übe und mache gelassen. Für Große habe daher sich die Frage nicht gestellt. „Klar, dass wir dabei sind.“ Der Umgang mit dem digitalen Impfnachweis sei einfach. Immer den gelben Papierausweis dabei haben zu müssen, hingegen nicht schön – und das Mobiltelefon habe inzwischen doch eh jeder in der Tasche.

Hilka Heyen, angestellte Apothekerin in der Markt-Apotheke, spricht gar von einer „super Aktion“ beim digitalen Impfnachweis. Auch diese Apotheke bietet den Service an – obwohl sie bis Montagmittag noch gar nicht im Apothekenmanager gelistet worden ist. Und weil es am Vormittag noch zu technischen Problemen gekommen sei, habe Hilka Heyen die ersten Anfragen zunächst gesammelt – in der Hoffnung, diese bis zum Nachmittag bearbeiten zu können. Grundsätzlich glaubt sie, dass der Apothekerverband und in diesem Zuge eben auch die Kollegen vor Ort mit dieser Service-Leistung „überrumpelt“ worden sind. Zu einem rechtzeitigen Informationsfluss sei es nicht gekommen.

Landkreis bietet Service ab Mittwoch an

Das Impfzentrum des Landkreises kann von Mittwoch an ein digitales Covid-19-Impfzertifikat ausstellen. Rückwirkend werden keine Nachweise ausgestellt, teilt der Landkreis mit. Der Nachweis werde direkt nach der Impfung generiert und den Geimpften über einen Barcode zur Verfügung gestellt. Diesen kann man entweder direkt vor Ort abscannen oder auf einem Papierausdruck mitnehmen und ihn zu einem späteren Zeitpunkt einscannen. Alle bereits Geimpften, die in den Impfzentren geimpft worden sind, könnten ihr digitales Impfzertifikat demnächst online auf dem Impfportal des Landes abrufen. Daneben bieten seit Montag die Apotheken diesen Dienst an. In Kürze sollen auch die niedergelassenen Ärzte die Zertifikate ausstellen können. Genutzt werden können die Corona-Warn-App sowie die CovPass-App.

Sauer ist Hilka Heyen deshalb aber nicht, wenngleich es natürlich hilfreich gewesen wäre, rechtzeitiger informiert zu werden. „Es ist in der Pandemie viel Neues für uns dazugekommen, aber das macht unseren Beruf so interessant.“ Kreative Lösungen zu suchen und zu finden, mache ihr Spaß.

Für die ist auch René Große bekannt. Er betreibt in der Kreisstadt seit mehreren Wochen drei Testzentren. Mit den sinkenden Infektionszahlen ist die Zahl der Tests allerdings deutlich zurückgegangen. Zurzeit sind es etwa 1 000 pro Woche – in der Spitze waren es hingegen bis zu 4 000 Tests. „Das ist nicht gut“, sagt er. Zwar freue auch er sich über neue Freiheiten. Doch sei nach wie vor nicht klar, ob Geimpfte das Virus noch weitergeben können. Daher entbinde uns alle das Impfen nicht von den Vorsichtsmaßnahmen – und dazu gehörten auch Tests.

Umsatzeinbußen in der Pandemie

Dennoch: Nicht nur die Testzentren, sondern auch die Tatsache, dass Apotheker Große in all den Monaten immer lieferfähig gewesen ist, wenn es um Desinfektionsmittel und Masken ging, sowie die Testzentren hätten geholfen, die vier Filialen – drei in Rotenburg sowie eine in Gnarrenburg – auf sicheren Beinen zu halten. Denn Große spricht von „großen Rückgängen bei den Kunden- und Umsatzzahlen im normalen Geschäft“. Ein Beispiel dafür seien die ausgebliebenen Wellen von Erkältungskrankheiten. Außerdem habe sich vieles in den Versandhandel verlagert. „Daher sind die erforderlichen Umsätze und Erträge aus anderen Quellen zu schöpfen.“ Mehr als 30 Prozent der Apotheken klagten über große Probleme.

Geld bekommen die Apotheken nun auch für die Ausstellung des digitalen Impfnachweises. Von 18 Euro ist die Rede. Die Kunden benötigen dafür nicht nur ihren (gelben) Impfpass, sondern auch den Personalausweis. Und: Sie müssen persönlich erscheinen. Vor der Ausgabe des QR-Codes, über den sich die App auf dem Smartphone mit dem Nachweis „laden“ lässt, lässt sich Große eine Zustimmung hinsichtlich des Umgangs mit den Daten geben. Das war’s dann auch.

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