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„Fallzahlen nur die Spitze des Eisbergs“

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Von: Dennis Bartz

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Laden gemeinsam zum Fachtag ein: Katja Weße (v.l.), Dörte Schnackenberg, Kerstin Blome und Angela Hesse.
Laden gemeinsam zum Fachtag ein: Katja Weße (v.l.), Dörte Schnackenberg, Kerstin Blome und Angela Hesse. © Bartz

Rotenburg – Viele Frauen erleben Gewalt durch Männer. Jeden dritten Tag stirbt im Schnitt eine Frau in Deutschland durch einen sogenannten Femizid. Täter sind oft ausgerechnet der eigene Ehemann oder Ex-Partner. „Gewalt gegen Frauen ist in jeder Form kein Kavaliersdelikt“, betont Angela Hesse vom Diakonischen Werk und lädt für Montag, 14. Februar, in der Zeit von 9 bis 15 Uhr zum digitalen Fachtag „Gewaltschutz geht uns alle an“ ein – ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Landkreis Rotenburg und der Stadt Rotenburg.

Gewalt an Frauen ist ein Problem von nebenan, denn auch im Landkreis Rotenburg gibt es zahlreiche Fälle: Im Jahr 2020 haben 43 Frauen und 34 Kinder Zuflucht im Frauenhaus gesucht, teilt Katja Weße, Gleichstellungsbeauftragte beim Landkreis Rotenburg mit. Im selben Zeitraum hat die Beratungsstelle „BISS“ 343 Fälle häuslicher Gewalt bearbeitet. „Laut Mitteilung des Bundes nehmen nur 20 Prozent aller von Gewalt betroffenen Frauen und Mädchen eine Beratung an, sodass die Fallzahlen nur als Spitze eines Eisbergs zu betrachten sind“, so Weße weiter.

Anlass des Fachtages ist die Istanbul-Konvention zum Schutz von Frauen, die vor elf Jahren 45 Staaten unterschrieben haben – darunter auch Deutschland. „Aber erst einige Jahre später, im Februar 2018, trat sie hier auch offiziell in Kraft“, betont Hesse. Ebenfalls am 14. Februar finden weltweit Aktionen im Rahmen der Kampagne „One Billion Rising“ statt, die sich auch dem Problem Gewalt an Frauen widmet.

Beim digitalen Fachtag sind nach einleitenden Worten von Landrat Marco Prietz (CDU), Rotenburgs Bürgermeister Torsten Oestmann und Superintendent Michael Blömer verschiedene Fachvorträge und Workshops geplant. Zielgruppe sind in erster Linie Menschen, die sich auch beruflich mit dem Thema Gewalt an Frauen beschäftigen. „Aber wir freuen uns auch über alle anderen, die sich dafür interessieren. So können auch Betroffene anonym daran teilnehmen“, betont Angela Hesse.

Im ersten Fachvortrag spricht Nora Stein von der Landeskoordinierungsstelle Häusliche Gewalt in Niedersachsen über Gewalttaten innerhalb von Partnerschaften. Nach einem weiteren Fachvortrag, dessen Thema kurzfristig vergeben wird, können die Teilnehmer aus einem von vier Workshops wählen. Die Polizei Rotenburg und die Beratungsstelle BISS laden zum Austausch über „Intervention bei häuslicher Gewalt“ ein.

Welche Schutzkonzepte gibt es gegen sexualisierte Gewalt? Dieser Frage widmen sich die Teilnehmer während des Workshops der Beratungsstelle Wildwasser des Kirchenkreises mit dem Diakonischen Werk.

Titel des Workshops von Verena Wilkening vom Männerbüro Hannover ist „Täterarbeit Häusliche Gewalt: Von Aufgaben bis Zusammenarbeit“. Nora Stein vertieft außerdem den Inhalt ihres Fachvortrags und will dabei die Frage klären, welche Ansätze es zur Prävention gibt, um häusliche Gewalt zu verhindern.

Viele Frauen haben das Gefühl, ihren Partner zu verraten. Auch weil dieser sich nach der Tat häufig entschuldigt – es ist dennoch wichtig, sich Hilfe zu holen.

Dörte Schnackenberg

Es sei wichtig, frühzeitig zu handeln und bereits bei ersten Anzeichen, dass etwas nicht stimmt, zu reagieren. „Die Kontrolle des Handys der Partnerin beispielsweise kann eine erste Vorstufe von Gewalt sein“, warnt Hesse. Ihre Kollegin Dörte Schnackenberg, die lange Zeit im Frauenhaus gearbeitet hat, ergänzt: „Viele Frauen haben das Gefühl, ihren Partner zu verraten. Auch weil dieser sich nach der Tat häufig entschuldigt – es ist dennoch wichtig, sich Hilfe zu holen. Das geht auch zusammen, wenn der Partner bereit ist.“ Es sei ein Irrtum, zu hoffen, dass sich die Situation verbessert, wenn erst ein Kind geboren wird: „Oft wird es dann sogar noch schlimmer.“

Anmeldungen sind noch bis Freitag, 28. Januar, per E-Mail an fachtag@rotenburg-wuemme.de möglich. Die Teilnahmegebühr in Höhe von 20 Euro muss bis zum 4. Februar auf das Konto mit der IBAN DE21 2415 1235 0026 1038 04 und dem Verwendungszweck „111-03 Gleichstellung-Entgelte“ überwiesen werden.

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