Feierabend in Lauenbrück: Was sagen die Schützenvereine?

Die Zukunft im Visier

Wird es in diesem Jahr wieder Schützenfeste geben? Die Schützen würden vor Freude ganz bestimmt darauf anstoßen. Entsprechend das Warnschild am Straßenrand mit der Aufschrift: Achtung Schützenfest.
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Wird es in diesem Jahr wieder Schützenfeste geben? Die Schützen würden vor Freude ganz bestimmt drauf anstoßen.

Rotenburg – Die Nachricht aus Lauenbrück hat mächtig eingeschlagen. Da stellt sich eine zentrale Frage: Ist die Auflösung des dortigen Schützenvereins ein Einzelfall, oder ist sie ein Indiz für den Zustand des Schützenwesens in Folge der Corona-Pandemie? Wir haben bei einigen Schützen-Chefs nachgehakt.

„Es gibt uns noch, und es wird uns weiterhin geben“, sagt Hans-Hinrich Bruns, Kommandeur des Rotenburger Schützenkorps. Am 21. Mai 1818 gegründet, zählten seinerzeit 65 Rotenburger zu den Mitgliedern. Heute, 203 Jahre später, sind es noch mehr als 200, darunter nach wie vor Kinder und Jugendliche. „Es ist natürlich schwer geworden, Nachwuchs zu finden“, sagt Bruns, „aber bisher gelingt uns das.“ Dennoch: Die jetzige Situation mache es allen Vereinen schwer – auch dem Schützenkorps. „Wir können nichts mehr machen – außer zu warten.“ Das Schützenfest im vergangenen Jahr – ausgefallen. Und 2021? „Wir geben die Hoffnung nicht auf, aber sicher ist das alles noch nicht.“

„Das Schützenwesen ist auch heute noch zeitgemäß.“ 

Hans-Hinrich Bruns

Die Teilnahme hat in den vergangenen Jahren abgenommen. Aber der Kommandeur ist überzeugt: „Das Schützenwesen ist auch heute noch zeitgemäß.“ Einerseits wolle man die Tradition weiterleben, andererseits gehe es auch um das sportliche Schießen selbst. Immerhin habe der Verein seine Anlage modernisiert und digitalisiert. Eine Investition in die Zukunft also. „Wir sind damit auf dem neuesten Stand und zugleich auch attraktiv.“

Bruns, seit 16 Jahren Kommandeur, macht die aktuelle Lage keine Angst, aber er sei nachdenklicher geworden. Zugleich wisse er, dass die Mitglieder hinter dem Vorstand stehen. Und bislang seien alle bei der Stange geblieben. „Es geht um Zusammenhalt, um das gemeinsame Durchstehen der Krise.“ Von Auflösungserscheinungen sei nichts zu spüren. Obwohl nichts geht – kein Anschießen, kein Schützenfest, keine Übungsabende. Außer, die Mitglieder auf dem Laufenden und mit den Kontakt zu halten. Das klappt. Trotz der Krise. Mit Blick auf die Freunde in Lauenbrück stellt Bruns fest: „Dort hatte es auch schon vor Corona geknistert. Unser Schützenkorps aber ist relativ gut aufgestellt.“

In Scheeßel ist eine Auflösung nicht in Sicht

Dass seinem Verein in absehbarer Zeit die Auflösung drohen könnte, davon will Manfred Küppers, Vorsitzender des Schützenvereins Scheeßel, nicht sprechen. „Aber wer weiß, was die Zukunft bringen wird“, sagt der 69-Jährige. Zwar habe es 2020 keinen Austritt gegeben, angesichts einer vergleichsweise eher mauen Mitgliederzahl – rund 100 Leute, von denen gut 70 Prozent 70 Jahre und älter seien, weitere 34 im Spielmannszug – sei die Situation aber schwieriger geworden. „Von den 280 Mitgliedern, die wir früher mal in der Spitze hatten, sind wir heute weit entfernt.“

Dabei verfügen die Scheeßeler immerhin noch über eine eigene Jugendgruppe – mit sechs Kindern. „Die sind beim Schießen gerne dabei – nur auf das ganze Trallala drumherum, also die Schützenfeste und die Rumrennerei, haben die keinen Bock“, weiß Küppers, dessen Verein es 2016 zum ersten und vorerst letzten Mal nicht gelungen war, einen neuen König zu proklamieren, ausgerechnet zum 100. Jubiläum.

Bisher sei der Nachwuchs stets über persönliche Verbindungen hinzugestoßen. „Nur werden die Lütten ja auch älter, die Interessenlagen wechseln.“ Ob es wohl dieses Jahr möglich sein wird, Schützenfeste auszurichten? Küppers hofft es. „Corona ist nicht der Grund, warum es mit vielen Vereinen bergab geht – aber nachher sicher das Pünktchen auf dem I.“

Bereitschaft, sich zu engagieren, nimmt ab

Achim Figgen, Vorsitzender des Sottrumer Schützenvereins, glaubt nicht, dass Lauenbrück ein Einzelfall bleiben wird. Angesichts der Entwicklung von Mitgliederzahl und -struktur war deren Schritt wohl „folgerichtig und unumgänglich“. Die Bereitschaft, sich langfristig zu engagieren, nehme spürbar ab, nicht nur in Schützenvereinen. Gerade in größeren Kommunen gebe es viele Angebote, die um eine sinkende Zahl von Interessenten konkurrierten. „Natürlich bekommt das auch Sottrum zu spüren. Die ,gute alte Zeit‘ mit mehr als 300 Vereinsmitgliedern – allerdings inklusive Spielmannszug – ist längst Geschichte.“

Figgen ist Schütze durch und durch. Er kommt aus dem Sauerland, wo das Schützenwesen so fest verankert ist, dass sich die Frage nach einer Auflösung nicht stelle. Angesichts der Lage im Norden wird er nachdenklich: „Traditionen und mit ihnen die Vereine, in denen diese gepflegt werden, haben vermutlich nur eine Zukunft, wenn sie in den jeweiligen Dörfern von einer Mehrheit der Einwohner getragen und gelebt werden.“ Insofern werde es für Schützenvereine sicherlich nicht leichter, zumal viele Jüngere mit traditionellen Elementen wie Uniformen und Umzügen wenig anfangen könnten.

Einen Automatismus gibt es nicht mehr

Auch beim Schützenverein Wittorf bekommen die 220 Mitglieder die „Auswirkungen der demografischen Entwicklung zu spüren“, betont Vorsitzender Volker Kettenburg. „Einen Automatismus, als junger Mensch in den Schützenverein zu gehen, wie es vielleicht in der guten alten Zeit mal üblich war, gibt es hier schon lange nicht mehr.“ Kettenburg ist aber froh, dass er „eine stabile bis leicht positive Entwicklung“ der Mitgliederzahlen verzeichnen kann. In den vergangenen Jahren seien es besonders jüngere Leute gewesen, die neu mitmachen. „Überhaupt pflegen wir seit Jahren eine sehr gute und enge Zusammenarbeit mit anderen Vereinen im Ort, insbesondere mit unserer Dorfjugend, den Eiersuchern.“

Kreisschützen-Chef sieht Zukunft der Vereine nicht in Gefahr

Dennoch legt der Vorstand die Hände nicht in den Schoß. „Wir investieren aktuell in die Entwicklung des Vereins, sehr stark unter dem Oberbegriff Jugendarbeit.“ Beim Thema Digitalisierung würden weitere Schritte und Maßnahmen umgesetzt, um die Themenwelten mit denen sich stetig verändernden gesellschaftlichen Realitäten zusammenzuführen.

„Wir verlieren an Mitgliedern unter einem Prozent pro Jahr.“

Olaf Rautenberg

Bislang sieht Olaf Rautenberg als Präsident des Kreisschützenverbands die Zukunft der Schützenvereine nicht in Gefahr. „Wir verlieren an Mitgliedern unter einem Prozent pro Jahr“, rechnet er vor. Austritte aufgrund von Corona habe es nicht gegeben – Schwund aufgrund des Verlusts älterer Mitglieder schon. „Viele Vereine gewinnen aber auch Mitglieder, schaffen ein breites Angebot.“ Wie Bothel mit einer starken Jugendarbeit. Dennoch tue die Krise nicht gut. Das Miteinander fehlt, die Wettkämpfe, „elementare Bestandteile“. Aber auch das Werben um Mitglieder ist schwierig ohne Veranstaltungen. Diese könnten vielleicht ab Herbst möglich sein, sagt er, Training vielleicht früher. Damit ist auch unsicher, ob das Kreisschützenfest stattfinden kann. Absagen wolle er das noch nicht, halte es aber für unwahrscheinlich. Dass sich in der Zukunft viel an den Vereinsstrukturen ändern wird, glaubt er nicht. Training muss auf dem Schießstand stattfinden, Seminare könnten aber verstärkt online stattfinden.

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