Vor dem Fest: Die Ungewissheit ist zurück

Kirchengemeinden stochern wieder im Nebel

Superintendent Michael Blömer
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Superintendent Michael Blömer

Rotenburg – Die Hoffnung auf ein zumindest halbwegs unbeschwertes Weihnachtsfest in den Gotteshäusern des evangelischen Kirchenkreises Rotenburg hält sich zurzeit in Grenzen. Das macht Superintendent Michael Blömer in einem Gespräch mit der Kreiszeitung deutlich. Die vierte Corona-Welle und die sich daraus ergebenden Vorschriften sorgen bei den Verantwortlichen in den Gemeinden wieder für viele Fragen.

Was geht in der Adventszeit, was ist an Heiligabend sowie an den beiden Weihnachtsfeiertagen möglich? Und was nicht? Sie ist also zurück, diese Ungewissheit, mit der sie es bereits vor einem Jahr zu tun hatten. „Wir sind auf allen Ebenen damit beschäftigt, zu gucken, was wir unter welchen Bedingungen machen können“, sagt Blömer. Dabei schwinge immer auch die Erkenntnis aus dem bisherigen Verlauf der Pandemie mit, „dass da noch was kommen kann“. 2G, 3G oder 2G-plus – es gibt schon jetzt Handlungsempfehlungen der Landeskirche, die sich in den kommenden drei Wochen noch ändern könnten.

Es sind Empfehlungen. Die Entscheidung treffe jeder Kirchenvorstand für sich und seine Gemeinde, erklärt der Superintendent das Dilemma. „Denn die Ehrenamtlichen tragen die große Last der Verantwortung.“ Die Sorgen seien daher groß, auch wenn es dem Anschein nach in diesem Jahr vielleicht etwas weniger dramatisch sei als noch vor einem Jahr. Damals gab es einen Lockdown – soweit sind wir jetzt noch nicht. „Aber der könnte ja noch kommen“, zeigt sich auch der Chef des Kirchenkreises unsicher.

Alles klar, keiner weiß Bescheid: So lässt sich die aktuelle Situation am besten umschreiben. Eine Phase zudem, in der eigentlich die Vorbereitungen für Weihnachten, aber damit auch für die gesamte Adventszeit auf Hochtouren laufen. Krippenspiele, Konzerte, musikalische Programmpunkte für die Gottesdienste. „Das alles ist derzeit sehr kompliziert“, findet Blömer und zeigt Verständnis für die Situation bei seinen Pastoren-Kollegen sowie bei den Kirchenvorständen.

Erinnerungen an den Spätherbst 2020 werden wach. Damals war jede zweite Sitzreihe in der Stadtkirche abgesperrt. Wie es in diesem Jahr mit der Weihnachtszeit in der Kirche wird, ist noch offen.

Nicht zuletzt deshalb treffen sich die Pastoren und Diakone in der kommenden Woche zu einer Kirchenkreis-Konferenz. „Ein Austausch“, sagt Blömer. Entscheidungen fielen dort nicht. Am Tisch nehmen ebenfalls die Kirchenmusiker Platz. Auch sie sind in besonderem Maße betroffen. „Wir fühlen uns an 2020 erinnert“, unterstreicht der Superintendent die Ernsthaftigkeit der Lage.

Dabei seien die Überlegungen schon wieder sehr vielfältig. Die ein oder andere Gemeinde etwa überlege, was vielleicht ins Freie verlegt werden kann. „In den Dörfern ist so etwas natürlich viel einfacher als in der Stadt.“ Damit macht Blömer deutlich, wie unterschiedlich man an die Fragen herangehe, um die es in diesen Tagen geht. Etwa die nach dem Gesang: Darf die Gemeinde singen? Und wenn ja: mit oder ohne Maske? Blömer ist sich nur in einem Punkt relativ sicher: Man werde in den Gotteshäusern nicht mehr jeden Platz besetzen können, also wieder deutlich auf Abstand setzen. „Es geht in diese Richtung“, sagt er.

Zugleich ist in diesen Tagen die nächste Kirchenkreis-Synode vorzubereiten. Eine, die es inhaltlich in sich hat. Im Fokus stehe der Finanz- und Personaplan des Kirchenkreises für die kommenden Jahre von 2023 bis 2028. Nach der Beratung sei ein Beschluss erforderlich. Fakt sei: Für 2023 werde der Kirchenkreis von der Landeskirche Mittel in Höhe von fünf Millionen Euro erhalten. In den dann folgenden Jahren gehe dieser Etat jeweils deutlich zurück. „2028 sind es nur noch 4,5 Millionen Euro“, erklärt Blömer. Dieses Geld müsse reichen für die Finanzierung der Pfarr- und Diakonstellen, für die Verwaltung und auch für das Diakonische Werk. „Wir werden aus Rücklagen Geld schöpfen, um den Rückbau von Stellen zumindest aufzuhalten“, versichert Blömer.

Geht der erarbeitete Plan durch, sei aller Voraussicht nach erst 2029 mit einem weiteren Stellenabbau zu rechnen. Das sei aktuell die Diskussionsgrundlage für die Synode am 10. Dezember – die in digitaler Form über die Bühne gehen werde. Corona eben.

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