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Die Sprache der Musik: Rotenburger textete für Mickie Krause

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Von: Nina Baucke

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Marie-Jeannette Lubba mit den Platten von Songs aus der Feder ihres Vaters
Marie-Jeannette Lubba mit den Platten von Songs aus der Feder ihres Vaters: Das Cover der Fritz-Brause-LP hat der gelernte Werbegrafiker selbst gestaltet. © Baucke

Schlagerbarde Mickie Krause kommt am Himmelfahrtstag für die Party im Strandgold nach Rotenburg - und die Rotenburgerin Marie-Jeannette Lubba hofft, dass er dies mit einem ganz bestimmten Song im Gepäck tut: „Mambo Ballermann No. 6“. Dessen Text stammt nämlich aus der Feder ihres Vaters Horst Lubba.

Rotenburg – Wenn Mickie Krause am Donnerstag gegen 13.30 Uhr bei der Party im Strandgold auftritt, wird auch Marie-Jeannette Lubba im Publikum sein. Sie hofft dann vor allem auf einen Song: „Mambo Ballermann No. 6“. Denn dessen Texter ist Horst Lubba, der bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr einige Zeit in Rotenburg gelebt hatte – und ihr Vater. „Es wäre daher doch schön, wenn Mickie Krause hier in Rotenburg auch diesen Song singen würde“, sagt die 53-Jährige.

„Mambo Ballermann No. 6“ gehört zu mehreren Partyschlagern der Sorte, „die man eher im betrunkenen Zustand mitsingt“, so Lubba mit einem Lachen. Indes, darauf reduzieren lässt sich das Werk Horst Lubbas nicht, wie beim Blättern in der Plattensammlung deutlich wird. Dort finden sich Songs, die er für die Gruppe Medium Terzett, die eher im volkstümlichen Bereich unterwegs ist, verfasst hat. Einmal weiter umgeblättert und zum Vorschein kommt „Shilly Shally“, für die deutsche Jazz-Pop-Band Fritz Brause geschrieben – und wohl einer seiner größten Erfolge: Die gleichnamige LP erreichte 1985 den fünften Platz der deutschen Album-Charts, die Single selbst gehörte in dem Jahr zu den meistgespieltesten Songs im Radio – Fernsehauftritt bei „Formel Eins“ inklusive.

Auch Beiträge Fritz Brauses für den Soundtrack des Schimanski-Tatorts „Blutspur“ stammen aus Horst Lubbas Feder. „Er war sehr vielseitig: Schlager, Pop, italienische Songs, Volkstümliches, Jazz, Funk, Rock’n’Roll, Discopop – er hat alles bedient und für jeden Künstler das Passende geschrieben.“ Für gut 120 verschiedene Künstler textete Horst Lubba von Mitte der 70er-Jahre an bis er 2021 mit 72 Jahren stirbt. In Zusammenarbeit mit Songwriter Roland Häring sogar für Schlagergrößen wie Roy Black.

Gelernter Werbetexter und -grafiker

Den Umgang mit Worten hat Horst Lubba gelernt, denn beruflich arbeitete er als Werbetexter und -grafiker und baute nach Stationen in London und Wien seine eigene Werbeagentur in Düsseldorf auf – bevor ihm 1974 über Kontakte der Einstieg in die Musikbranche gelang, „auch, wenn er kein Instrument selber gespielt hat“, erinnert sich seine Tochter, die selber Geige, Klavier und Mandoline spielt.

Seit seinem Tod verwaltet Marie-Jeannette Lubba die Hinterlassenschaften ihres Vaters: Heftordner mit Texten, darunter etliche noch unveröffentlicht, Mappen mit Schallplatten-Singles, Zeitungsartikel und Fotografien. Und den von ihm gegründeten Musikverlag LocoMotion. „Ich will jetzt den Verlag weiterführen“, erklärt die Rotenburgerin, die zuvor in Hamburg gelebt hat. Sie bringt bereits Erfahrung in der Musikbranche mit – als Rechtsfachwirtin in der Rechtsabteilung bei Edel Records. „Ich habe da Verträge gemacht, und mit Plagiaten und Urheberrechten zu tun gehabt“, sagt sie. „Aber auch immer wieder Künstler kennenzulernen, fand ich schon immer spannend.“ Da spielen auch einige Kontakte ihres Vaters eine Rolle.

Marie-Jeannette Lubba plant, den Musikverlag ihres Vaters weiterzuführen.
Marie-Jeannette Lubba plant, den Musikverlag ihres Vaters weiterzuführen. © Baucke

Dessen Werk fortzuführen und den Verlag wieder zum Leben zu erwecken, ist jetzt die Herausforderung für Marie-Jeannette Lubba: „Es bedeutet, viele Netzwerke zu knüpfen und eine neue Akquise“, weiß sie. „Aber da bin ich gerade dran, ich will selber noch dazulernen.“ Dafür hat sie inzwischen Kontakte zu Verbänden aufgenommen, auch, um von dem Austausch dort zu profitieren und um neue Impulse zu bekommen. „Es ist sehr viel Arbeit, aber es ist auch sehr spannend“, betont Marie-Jeannette Lubba.

Ideen hat sie auch bereits, unter anderem denkt sie darüber nach, „Shilly Shally“ in einem DJ-Remix neu aufzulegen. Und in einem weiteren Punkt will sie in seine Fußstapfen treten und doch ein wenig eine andere Richtung einschlagen: „Ich will selber auch texten, allerdings weniger Schlagerlieder, stattdessen mehr, was in Richtung tiefgründige Balladen geht. Einfach meinen eigenen Stil einbringen.“

Es wäre eine schöne Erinnerung an meinen Vater.

Marie-Jeannette Lubba

Wichtig sei es, dass die Chemie zwischen Texter und Künstler stimmt. „Und natürlich ist es wichtig, von Anfang an ein gutes Bauchgefühl zu haben, zu wissen, was ich mit dem Text ausdrücken will und Emotionen zu erzeugen.“ Ein perfektes Beispiel dafür ist für sie „Was ich dir sagen will“ von Udo Jürgens: „Das Lied ist einfach so wunderschön!“, schwärmt sie. Grundsätzlich ist der Anfang immer die Geschichte im Kopf, erst dann entstehen die einzelnen Zeilen, erklärt Marie-Jeannette Lubba und zitiert Hans-Christian Andersen: „Musik spricht dort, wo Worte fehlen.“

Ganz so emotional ist „Mambo Ballermann No. 6“ nicht ausgefallen, und dennoch wäre es für Marie-Jeannette Lubba ein ganz besonderer Moment, sollte an Himmelfahrt dieser Song auf Mickie Krauses Rotenburg-Setlist rutschen: „Es wäre eine schöne Erinnerung an meinen Vater.“

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