Corona wirkt sich auf Zugverkehr aus

Weniger Fahrgäste im Metronom

Ein Metronom steht am Bahnhof in Rotenbur. Auch hier ist die tägliche Zahl der Fahrgäste zurzeit deutlich geringer als vor Corona.
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Der Metronom steuert den Bahnhof in Rotenburg an. Am Fahrplan wird sich nichts ändern, aber die Zahl der Fahrgäste ist zurzeit deutlich geringer als vor Corona.

Allein ein Blick auf die Parkplätze sowie auf die Fahrradständer am Rotenburger Bahnhof – in beiden Fällen ist mehr frei als üblich – macht jetzt im zweiten, verlängerten Corona-Lockdown deutlich: Zugfahren ist zurzeit alles andere als en vogue.

  • Zurzeit weniger Pendler zwischen Bremen und Hamburg.
  • Fürs Zugfahren fehlen die Reiseanlässe.
  • Fahrgast-Rückgang liegt bei 60 bis 70 Prozent.

Rotenburg – Björn Pamperin, Sprecher der Metronom Eisenbahngesellschaft, widerspricht aber Äußerungen, wonach der Rückgang der Fahrgastzahlen in den Nahverkehrszügen vor allem mit der Angst der Menschen vor einem Ansteckungsrisiko zu begründen sei. „Das Risiko, sich in einem unserer Züge zu infizieren, ist nicht höher als in der Apotheke oder im Supermarkt“, sagt er. Im ÖPNV sei schon im vergangenen Jahr sehr früh reagiert worden, um hilfreiche Maßnahmen zu ergreifen. Pamperin spricht von Hygienemaßnahmen, die sich auch in hohen Reinigungsintervallen widerspiegelten. Hinzu komme der Luftaustausch über die Klimaanlagen in den Zügen.

Darüber hinaus sei anzumerken, dass die Verweildauer in den Nahverkehrszügen verhältnismäßig kurz sei. „Sie liegt durchschnittlich bei nur 20 bis 25 Minuten.“ Allein dadurch sei die Infektionswahrscheinlichkeit entsprechend geringer. Und: Gerade jetzt, da die Fahrgastzahlen niedriger sind, habe man in den Zügen weitaus mehr Platz. Pamperin: „Vor der Pandemie hatten wir alles andere als Abstand.“

Es fehlen die Anlässe fürs Zugfahren

Die Gründe für die stark rückläufigen Fahrgastzahlen sind also andere: „Es fehlen die Reiseanlässe“, so Pamperin. Da sei einerseits der Trend zum Homeoffice. Andererseits gebe es derzeit keine großen und vor allem publikumswirksamen Fußballspiele in Bremen und Hamburg, keine großen Konzerte, keine großen Veranstaltungen, keine Urlauber, die die Flughäfen in den beiden Hansestädten ansteuern, zwischen denen der Metronom pendelt. Vor dem Hintergrund der sich immer wieder ändernden Bestimmungen habe sich bei der Nutzung der Züge während der Pandemie ein uneinheitliches Bild ergeben, heißt es.

Obwohl es die Metronom Eisenbahngesellschaft bereits seit mehr als einem Dreivierteljahr mit zum Teil erheblichen Rückgängen bei den Fahrgastzahlen zu tun hat, sieht sie keinen Grund, am Fahrplan zu rütteln, erklärt ihr Sprecher. „Wir haben seit Beginn der Pandemie konsequent unseren Fahrplan gehalten. Andere Anbieter haben reduziert. Wir nicht, und wir haben das auch nicht vor“, sagt er.

Viele Züge sorgen für großes Platzangebot

In die gleiche Kerbe schlägt Dirk Altwig als Sprecher der Landesnahverkehrsgesellschaft in Hannover: „Wir möchten, dass alle Züge rollen – das sehen auch die Bahnunternehmen so. Wir wollen, dass Pendler in wichtigen Berufen, etwa Ärzte, Pflegepersonal oder Polizisten, ihren Arbeitsplatz verlässlich erreichen können.“ Wegen Corona sei es wichtig, dass möglichst viele Züge mit einem möglichst großen Platzangebot unterwegs sind, damit Fahrgäste Abstand halten können – zusätzlich zum Tragen des vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutzes.

Die Züge fahren also auch weiterhin zu den gewohnten Zeiten. Pamperin spricht von Daseinsvorsorge und auch die Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter an. Bei den rund 800 Beschäftigten habe es bislang nur sehr wenige Infektionsfälle gegeben – und die, so Pamperin, hätten ihren Ursprung nicht in den Zügen gehabt, sondern nachweislich im privaten Bereich. Mehr als 550 Beschäftigte sind als Lokführer oder Begleitpersonal auf den Strecken unterwegs. Für sie ist die Arbeit in gewisser Weise ruhiger geworden. Im März waren die Fahrgastzahlen um bis zu 90 Prozent, im April und Mai immerhin noch um 50 Prozent gesunken. Aktuell habe man es mit einem Minus von 60 bis 70 Prozent zu tun. Und genau das ist allein schon an den Parkplätzen und Fahrradständern am Rotenburger Bahnhof zu sehen. Da ist derzeit mehr Platz vorhanden als vor Corona.

Normalerweise rund 4000 Fahrgäste am Tag

Die Metronom Eisenbahngesellschaft bedient ein Streckennetz mit einer Länge von 470 Kilometern – dazu gehört eben auch die Verbindung zwischen Bremen und Hamburg. An dieser Strecke ist Rotenburg einer von mehreren größeren Pendlerbahnhöfen. Viele Menschen aus der Kreisstadt und umzu fahren morgens mit dem Zug zur Arbeit oder auch zu den Universitäten nach Bremen oder Hamburg und am späten Nachmittag wieder zurück. In Rotenburg waren es vor Corona montags bis freitags rund 4 000, an den Wochenenden etwa 3 000 Fahrgäste pro Tag, heißt es auf Anfrage.

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