Kreislandwirt Jörn Ehlers spricht über die laufende Ernte

„Die Preise sind erfreulich“

Schön sieht’s aus, wenn das Getreide wächst und zumindest ein wenig Blau am Himmel das Bild rahmt.
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Schön sieht’s aus, wenn das Getreide wächst und zumindest ein wenig Blau am Himmel das Bild rahmt.

Rotenburg – Der August grüßt – ganz so, wie es in der vergangenen Woche Kreiszeitung-Wetterexperte Reinhard Zakrzewski vorhergesagt hatte – mit eher durchwachsenem Sommerwetter. Das macht es für die Landwirte in diesen Tagen nicht gerade einfach, ihre Ernte einzufahren. Die nämlich hat inzwischen begonnen. Viele Rundballen auf den Feldern dokumentieren die Arbeit der Bauern, über die wir mit Kreislandwirt Jörn Ehlers gesprochen haben.

Herr Ehlers,wie läuft die Ernte in diesem Jahr?

Die Getreideernte läuft derzeit noch auf vielen Betrieben und wird immer wieder durch Niederschläge unterbrochen. In den drei vorherigen Jahren haben wir vor allem mit sehr trockenen Bedingungen klar kommen müssen. Dieses Jahr zeichnet sich durch ausreichend Niederschläge und moderatere Temperaturen aus.

Was genau wird zurzeit geerntet?

Die Gerste ist geerntet und vielerorts auch der Raps. Roggen und Weizen stehen jetzt in den nächsten Tagen an, sobald es das Wetter wieder zulässt. Am häufigsten wird als Getreide in Rotenburg Roggen mit 13 000 Hektar angebaut.

Wie sind die Ertragserwartungen für dieses Jahr?

Gerste und Raps waren im Ertrag vielerorts durchschnittlich oder leicht darunter. Ähnliche Ergebnisse erwarte ich auch von den anderen Kulturen. Sehr erfreulich für den Ackerbau sind die aktuellen Preise, die vom Handel bezahlt werden. Insbesondere der Raps wird extrem teuer gehandelt. Hier spielen Einflüsse des Welthandels eine große Rolle.

Der Mais hat ja noch etwas Zeit, und er sieht für Laien schon recht gut aus. Würden Sie zustimmen?

Der Mais hatte einen schwierigen Start, da die Temperaturen lange zu niedrig waren. Es ist eine sehr Wärme liebende Pflanze mit anderem Stoffwechsel. Als es dann bei ausreichender Wasserversorgung etwas wärmer wurde, hat der Mais sehr schnell aufgeholt und steht mittlerweile wieder prächtig dar.

Welche Rolle spielt der immer noch in der Kritik stehende Mais im Landkreis Rotenburg?

Die knapp 2 000 landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis Rotenburg bauen etwa 53 000 Hektar Mais an. Dies entspricht mit 62 Prozent der Ackerfläche, auch dem Anteil der vergangenen Jahre. Die geäußerte Kritik am Maisanbau ist mir zu oberflächlich und verkennt die tollen Möglichkeiten dieser Pflanze. Mais mit Untersaat ist gut für den Trinkwasserschutz, Mais mit Bohnen gibt Insekten Lebensraum, Mais benötigt kaum Pflanzenschutzmittel, Mais ist in der Nutzung flexibel für Biogas, Rind oder Schwein einsetzbar. Außerdem hat sich der Mais als sichere Kulturpflanze bei schwieriger Witterung ausgezeichnet.

Jörn Ehlers: „Der Mais hatte einen schwierigen Start.“

In diesem Jahr hat die Debatte in Sachen Klimawandel und Klimaschutz erheblich an Fahrt aufgenommen. An welchen Stellen kann und sollte die Landwirtschaft kurzfristig mehr dafür tun?

Landwirtschaft ist sehr vom Klima abhängig, allerdings gibt es auch Abhängigkeiten des Klimas von der Landwirtschaft. Die von der EU Kommission vor kurzem festgelegten Ziele, verlangen von der Landnutzung, Forstwirtschaft und Landwirtschaft eine Klimaneutralität bis zum Jahr 2035. Dieses Ziel ist nur zu erreichen durch Änderung der Landnutzung, insbesondere von organischen Böden, Aufforstungen und Intensivierung der Produktion, insbesondere der Tierhaltung. Die Landwirtschaft hat im Bereich Klimaschutz auch in der Vergangenheit einiges erreicht. Wir leisten einen erheblichen Beitrag bei den erneuerbaren Energien und wir produzieren Kraftstoffe auf unseren Flächen. Beides wird in der Bilanzierung bisher jedoch nicht unserer Branche zugesprochen, sondern der Energiewirtschaft und dem Verkehrssektor.

Welchen Wandel erwarten Sie vor diesem Hintergrund mittel- und langfristig?

Bei aller Bedeutung des Klimathemas, dürfen wir als Landwirtschaft andere wichtige Punkte nicht vernachlässigen. An erster Stelle steht hier für mich die zuverlässige Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln, wenn möglich weltweit bei immer noch ansteigender Bevölkerungszahl.

An welchen Stellen bekommen die Landwirte in unserem Landkreis eigentlich das sich ändernde Verbraucherverhalten zu spüren?

Für mich ist der Trend hin zu Regionalität und Direktvermarktungen weiterhin ungebrochen. Dies haben auch viele Berufskollegen genutzt und machen Angebote, die vom Verbraucher angenommen werden. Umstellungen auf Biolandwirtschaft finden dort, wo eine Vermarktung der Produkte möglich ist, ebenfalls statt. Für viele Konsumenten spielt aber nach wie vor der Preis von Lebensmitteln eine entscheidende Rolle. Jedem muss jedoch klar sein, dass dieser Preisdruck auch beim Landwirt ankommt und auf unseren Höfen für große Probleme sorgt.

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