Jugendherberge in Rotenburg wartet weiter auf Gäste

Die Planungssicherheit fehlt

Rita Toll leitet die Jugendherberge in Rotenburg.
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Rita Toll leitet die Jugendherberge in Rotenburg.

Rotenburg – Der Landesverband Unterweser-Ems im Deutschen Jugendherbergswerk bringt seine Freude zum Ausdruck – in Form einer Pressemitteilung, in der er die Öffnung weiterer Jugendherbergen verkündet. Nach monatelanger Schließung kann es also wieder losgehen. Vier Häuser waren zu Pfingsten an den Start gegangen, zwölf weitere sollen in dieser Woche folgen. Laut Pressemitteilung auch die Jugendherberge in Rotenburg. Deren Leiterin Rita Toll jedoch rechnet noch lange nicht mit einem Ansturm.

„Wir haben so gut wie keine touristischen Gäste“, sagt Toll. Im Helmut-Tietje-Haus an der Verdener Straße kümmert sich das bis zu 27-köpfige Mitarbeiter-Team vor allem um Gruppen und Schulklassen. Bis dieses Geschäft wieder anläuft, werde noch einige Zeit ins Land gehen, sagt die Frau, die schon seit März 1993 in der Rotenburger Jugendherberge die Fäden in der Hand hat. „Wenn es gut läuft“, sagt Toll, „dann erreichen wir bis Ende des Jahres 30 Prozent dessen, was wir sonst erwirtschaften.“ Wenn es gut läuft, also dann, wenn im September tatsächlich wieder Klassenfahrten auf dem Stundenplan in den Schulen stehen. Die nämlich machen in normalen Jahren etwa 40 Prozent der jährlichen Einnahmen aus.

Seit Ende Oktober ist die Jugendherberge dicht. Dennoch sei die Einrichtung nicht in ihrem Bestand gefährdet. Eigentlich muss sich das Haus zwar komplett selbst tragen, und daran ist zurzeit natürlich nicht zu denken. Aber über den Landesverband sei zunächst für Sicherheit gesorgt. Das allerdings auf Kosten von Investitionen, Sanierungen, Umbauten und Maßnahmen zur Instandhaltung – „alles ist erst einmal gestoppt“, sagt Toll. Das werde nicht ohne Folgen bleiben: Die Jugendherbergsleiterin spricht von einem Investitionsstau, mit dem man wahrscheinlich noch lange zu tun haben werde.

Die Mitarbeiter seien zu unterschiedlichen Anteilen in Kurzarbeit. Rita Toll geht zurzeit noch davon aus, dass das bis Ende des Jahres so bleiben werde. Die wenigen Stunden nutzt das Team, um das Haus an sich am Laufen zu halten und sich mit den Stornierungen von Buchungen zu befassen, die nach und nach eintrudeln, weil die Gruppen trotz der vorsichtigen Lockerungen noch abwarten. „Viele Termine verlegen wir schon ins kommende Jahr“, sagt die Chefin. Bis zu 14 Tage vor der geplanten Anreise, können die Gäste ihre Termine absagen oder verlegen. Und damit ist klar: „Wir haben einfach keine Planungssicherheit.“

Aber hier und da keimt dann doch ein wenig Hoffnung auf. Für den 10. Juni ist nun im vierten Anlauf die Anreise einer beruflichen Weiterbildungsgruppe vorgesehen. Damit kehrt also wieder ein wenig Leben in das Haus zurück. Dabei betont Rita Toll, dass sie und ihre Mannschaft gute, ja perfekte Gastgeber sein wollen. „Es ist alles vorbereitet, das Hygienekonzept und die Teststrategie stehen“, sagt sie. Schon jetzt sei das Büro täglich von 9 bis 13 Uhr besetzt und damit telefonisch erreichbar.

„Welche Inzidenz habt Ihr denn heute?“ – Das sei die Frage, die immer als Erstes gestellt werde, wenn Rita Toll mit Kollegen aus anderen Jugendherbergen telefoniert. Denn nicht zuletzt dieser Wert ist ganz maßgebliche Grundlage für das weitere Vorgehen. Im Fall von Rotenburg sieht es zurzeit ganz gut aus. Toll: „Bleiben wir weiterhin unter 35, können wir schon bald mit Anfragen für den Herbst rechnen.“ Es wären Anfragen von Gruppen aus Universitäten und Hochschulen, von Verbänden, Bildungsträgern, Schulen und Projektgruppen. Das ist die wesentliche Klientel der Jugendherberge in Rotenburg.

Hoffnung ist also da. Ganz anders als noch im Winter. Und dabei sieht sich Rita Toll in der Pflicht, um als Vorbild ihre Kollegen entsprechend zu motivieren. „Das nehme ich sehr ernst“, versichert sie. Hinzuschmeißen sei keine Alternative. Niemand im Team sei sich zu schade, Aufgaben zu übernehmen, die sonst so gar nicht auf dem Dienstplan stehen. Regelmäßig zum Beispiel sei es erforderlich, sämtliche Wasserhähne und Spülungen in den sanitären Räumen laufen zu lassen. Bei 73 Zimmer mit 240 Betten kann das schon eine ganze Weile dauern. Der Koch nimmt auch schon mal Pinsel und Farbe zur Hand oder kümmert sich um Aufgaben im Außenbereich. Zu tun gibt es immer was – und vielleicht kehrt dann ja doch schon bald wieder das normale Leben in die Jugendherberge zurück.

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