BUNDESTAGSWAHL Lars Klingbeil über die Zukunft zuhause

Die Pandemie als Weckruf

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil
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Die Pandemie sieht SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil als Weckruf dafür, sich mit dem auseinanderzusetzen, was vor Ort anders werden muss. Aber auch als Chance, in zeiten von Homeoffice und Co. zu erkennen, was man bereits hat.

Rotenburg/Walsrode – Zukunftspläne sollten alle Politiker haben, die sich wählen lassen wollen. Lars Klingbeil ist einer von ihnen. Seit 2009 für die Region im Bundestag, ist der 43-jährige SPD-Politiker aus dem Heidekreis als Generalsekretär seiner Partei mittlerweile ein Schwergewicht der Bundespolitik. Seine Heimat bleibt ihm aber ein großes Anliegen.

In Zeiten, in denen persönliche Treffen weniger möglich sind, hat er seine aktuelle Kampagne „Unsere Heimat 2025“ genannt und die Menschen vor Ort als potenzielle Wähler zum digitalen Austausch eingeladen. Die Antworten hat er ausgewertet. Ist das Papier, mit dem er im September zum zweiten Mal das Direktmandat im Wahlkreis „Rotenburg I – Heidekreis“ holen will, mehr als eine Aneinanderreihung von Wahlkampf-Sprüchen? Wir haben nachgefragt, welche Erkenntnisse er aus der Kampagne zieht, die seit März gelaufen ist. Klingbeil spricht von einem „Diskussionspapier“ für alle, die die Heimat mitgestalten wollen.

Wie kam es zu der Kampagne?

Da sind verschiedene Dinge zusammengekommen. Schon vor der Pandemie habe ich mich ja sehr viel mit Zukunftsentwicklungen auseinandergesetzt. Ich bin beispielsweise bei uns im Parteipräsidium für China zuständig und oft dort. Vieles im Land schreckt mich ab, aber China zieht bei vielen Entwicklungen auch davon. Die Pandemie war dann ein Weckruf: Was muss hier bei uns eigentlich anders werden? Ich habe in vielen Gesprächen mit Bürgern während der verganenen eineinhalb Jahre gemerkt, dass ich nicht der Einzige bin, der sich Gedanken macht. Die kommenden zehn Jahre sind echt entscheidend. Wir können ganz vorne mitspielen oder sehr zurückfallen. Ich will ersteres.

Wer hat Ihnen denn geholfen, Themen zu unserer Region im Jahr 2025 aufzugreifen?

Was mich besonders freut: Beteiligt haben sich viele Menschen, mit denen ich bisher eher wenig Kontakt hatte. Sie hatten sich erkennbar schon viele Gedanken gemacht, die sie bisher noch nicht anbringen konnten. Gerade diese haben mir zurückgemeldet, dass sie sich über das Angebot gefreut haben. Aber auch viele, die sich bereits seit vielen Jahren in unserer Region engagieren, haben sich beteiligt und ihre wertvollen Erfahrungen mit eingebracht. Wenn ich alle Meldungen und die Teilnahme auf den Videokonferenzen zusammenzähle, haben mehr als 400 Menschen sich jetzt konkret eingebracht.

Was haben Sie erfahren, was Sie vorher noch nicht wussten?

Das mit Abstand meistgenannte Thema war der Bereich Mobilität. Das hat mich als Thema nicht so sehr überrascht, aber die Häufigkeit war überraschend. Dabei wird sehr deutlich, dass die Menschen bei uns sehr gerne mehr Alternativen zum eigenen Auto hätten und diese auch nutzen würden, wenn es da ein besseres Angebot gäbe. Bürgerbusse vernetzen, On-Demand-Systeme schaffen, Carsharing, Angebote der Bahn ausbauen – es sind viele Ideen zusammengekommen.

Welche sind die drängendsten Probleme in unserer Region, die gelöst werden müssen?

Es ging gar nicht so sehr um Probleme. Mangelnde Mobilität oder eine schlechte digitale Infrastruktur ist in einigen Bereichen unserer Region nach wie vor eine enorme Herausforderung, Insgesamt war die Stimmung aber eher zuversichtlich. Zwei Punkte finde ich sehr spannend, die das Leben hier noch attraktiver machen würden. Mehr Chancen für junge Menschen, damit sie nach ihrer Ausbildung in der Region bleiben können oder wieder dorthin zurückkommen. Das schon genannte Thema Mobilität ist für alle Generationen sehr wichtig. Auch für die Frage Klimaschutz gibt es ein sehr großes Bewusstsein, weil wir gerade hier bei uns in der Landwirtschaft und im Tourismus von unserer Natur leben.

Kann die Politik da immer helfen?

Politik kann nicht alles regeln. Aber ich kann Debatten anstoßen. Und als Abgeordneter konnte ich die vergangenen Jahre auch vieles konkret durchsetzen und immer wieder bei Entwicklungen vor Ort unterstützen.

Welches Problem werden Sie als erstes lösen?

Ich finde es spannend, wie die Arbeitswelt sich durch Corona neu sortiert hat. Homeoffice und mobiles Arbeiten haben einen enormen Schub bekommen. Natürlich geht das nicht in jedem Job. Aber in vielen. Und das ist eine wirkliche Chance für den ländlichen Raum. Wenn die Menschen nicht in die Metropolen pendeln müssen, sondern hier bleiben, hier einkaufen, hier einem Ehrenamt nachgehen, ist das eine riesen Chance. Das bedeutet digitale Infrastruktur, aber zum Beispiel auch Co-Working-Spaces gezielt zu fördern. Ansonsten bleibt das leidige Thema der Erdgasförderung, hier mache ich weiter Druck.

Ist unsere Heimat in Zukunft lebenswert? Oder ein dörfliches Auslaufmodell?

Unsere Heimat ist total lebenswert. Die Rückmeldungen zeigen das auch. Die Menschen leben hier gerne. Nur die kommenden Jahre sind entscheidend. Stellen wir die Weichen bei Arbeit, Bildung, Wirtschaft, Gesundheit richtig, wird unsere Region stärker. Wenn wir uns zufrieden zurücklehnen, können wir viel Anschluss verlieren. Ich wünsche mir, dass wir uns bewusst machen, was wir alles schaffen können.

Wenn Politik nicht alles lösen kann: Wo sind die Bürger gefordert?

Ziel der Kampagne ist es nicht, etwas vom Bürger zu fordern, sondern sie oder ihn zu ermutigen. So viele Menschen haben gute Ideen, aber brauchen vielleicht einen Anstoß, diese auch mal laut auszusprechen und sie vorzustellen, um sie gemeinsam mit anderen weiterzudenken. Mir ist es wichtig, deutlich zu machen, dass diese Ideen überall entstehen können und eben nicht nur in der Politik. Ich möchte dabei helfen, diese Ideen umzusetzen. Außerdem soll die Kampagne Menschen zeigen, wie viel Spaß und Freude es bringen kann, sich bei sich vor Ort für Veränderungen einzusetzen.

Kampagne läuft

Lars Klingbeil wünscht sich weitere Rückmeldungen auf seinen Zukunftsplan und regt Diskussionen dazu an. Der gesamte Plan kann auf der Homepage des Bundestagsabgeordneten heruntergeladen werden.

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