37-jähriger Visselhöveder muss sich wegen 31 Delikten vor Gericht verantworten

„Die Menge macht’s“

Die Akten im Fall des Visselhöveder Täters stapeln sich ähnlich wie diese in einem Prozess am Landgericht Bochum. - Foto: imago

Rotenburg - Eine knappe Dreiviertelstunde dauert es, dann hat sich Jann Scheerer durch die Aktenzeichen gearbeitet. 31 Vergehen muss der Oberstaatsanwalt aus Verden an diesem Dienstagmorgen im Rotenburger Amtsgericht verlesen, dann erst ergibt sich das vollständige Bild der Straftaten des 37-jährigen Visselhöveders auf der Anklagebank. Diebstahl, Urkundenfälschung, Betrug – ein Potpourri kleinkrimineller Machenschaften. „Das stimmt so“, bestätigt der Mann in geknickter Haltung immer wieder auf Nachfrage.

„Das war kein gutes Dreivierteljahr für sie“, sagt Strafrichterin Petra Stein-Simon zu dem zweifachen Familienvater, als die Anklage vollständig ist. Zweifellos nicht – vor allem aber auch nicht für diejenigen, die mit dem Mann vom Frühjahr bis Spätherbst 2015 mehr oder weniger „geschäftlich“ zu tun hatten. Bei seinen Taten in der Region zwischen Verden, Rotenburg, Soltau und vor allem in und rund um Visselhövede kamen mehr als 50 Vorfälle zusammen, hieß es nach seiner Festnahme am 29. Januar von der Polizei. Die Beamten bezeichneten ihn als „Stammkunden“: Ihm wurde zur Last gelegt, vor allem Arbeitsgeräte und Anhänger, aber auch andere Dinge, die sich zu Geld machen lassen, gestohlen zu haben. Einem zahlungsunwilligen Kunden wollte er mit einem Molotowcocktail das Auto anzünden. Hinzu kamen Tankbetrüge. Schon im Ermittlungsverfahren sei der Mann geständig gewesen, so Richterin Stein-Simon. Das entlaste ihn in gewisser Weise. Ansonsten wäre das Amtsgericht mit seiner Zuständigkeit an die Grenzen geraten – Fälle, die mit mehr als vier Jahren Haft enden können, landen beim Landgericht. Stein-Simon: „Die Menge macht’s.“

Immer wieder hatte sich der Angeklagte auf Baustellen oder bei Gewerbetreibenden bedient, um sich Maschinen für seine Baustellen „auszuleihen“. Zwar sei manches Mal auch der Willen erkennbar gewesen, die Bagger, Anhänger, Traktoren oder Autos tatsächlich zurückzubringen, aber, so die Vorsitzende Richterin: „Das hat nicht immer geklappt.“ Und so lautet der schwerwiegendste Vorwurf der Staatsanwaltschaft mehrfach auf schweren Diebstahl, leichtere Vergehen werden während der Verhandlung fallen gelassen. Darunter auch der Diebstahl einer Kiste Cola aus einer Jagdhütte und mehrfaches Fahren ohne gültigen Führerschein. Was genau aus der juristischen Gemengelage von Gebrauchsanmaßung, Hausfriedensbruch, Diebstahl, Urkundenfälschung und ähnlichen Delikten folgt, wird sich am 5. April zeigen. Dann werden die Plädoyers von Anklage und Verteidigung sowie das Urteil des Schöffengerichts erwartet.

Bis dahin muss der einschlägig vorbestrafte Mann aber noch ein paar Tage im Gefängnis verbringen. Nach seiner Festnahme saß er zunächst in Untersuchungshaft, aktuell ist seine Heimat die Justizvollzugsanstalt in Bremervörde. Dort sitzt er eine Ersatzfreiheitsstrafe wegen Betrugs ab, weil er die Geldstrafe nicht zahlen konnte.

„Es ist alles aus dem Ruder gelaufen“, bekennt sich der 37-Jährige am Dienstag. Dem widerspricht niemand im Gerichtssaal. Doch fernab der zu erwartenden Freiheitsstrafe müsse es eine Perspektive, neuen „Halt“ geben. Das werde erarbeitet, so Richterin Stein-Simon: „Hören Sie auf die Ideen Ihrer Sozialarbeiterin, es sind wahrlich keine schlechten.“

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