Landratswahlkampf in Rotenburg

Die Kosten der Kandidaten

Plakat von Marco Prietz
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CDU-Landratskandidat Marco Prietz hat sich mit einem großen Flächenplakat schon mal dort platziert, wo er hin will nach der Wahl am 12. September: auf dem Weg ins Kreishaus.

Wie viel Geld muss man investieren, um eine Chance zu haben, Landrat zu werben? Die Voraussetzungen beim Thema Geld sind für die drei Bewerber Marco Prietz, Gabriele Hornhardt und Stefan Klingbeil im Wahlkampf gänzlich unterschiedlich. Klar ist: Es kann teuer werden.

Rotenburg – Er habe anders als andere Parteien keine „millionenschweren Lobbyvereinigungen“ hinter sich, teilte Stefan Klingbeil gleich mal im ersten Statement für seine Landratskandidatur am 9. Juli mit. Wahlkampf ist für den Kreisvorsitzenden der Partei Die Linke also nur auf Sparflamme möglich? Und das, wo man Platzhirsch Marco Prietz (CDU) auf dem Weg ins Kreishaus irgendwie noch aufhalten will?

Geld spielt im Wahlkampf eine nicht ganz unwichtige Rolle, selbst wenn es um Ämter im lokalen Bereich geht. Auch Gabriele Hornhardt weiß das, die parteilos für die „Bürgerliste Landkreis Rotenburg“ antretend nach dem Rückzug von SPD/Grünen-Kandidat Volker Harling auch noch kurzerhand ins Rennen ums Landratsamt eingestiegen ist. Große Plakate, große Werbekampagnen online, Anzeigen oder öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen gibt es bislang aber weder von ihr noch von Klingbeil. Hornhardt ist gar überzeugt, dass die „heftige Plakatiererei“ Wählern „tüchtig gegen den Strich“ geht. Sie mache da nicht mit. Zum einen, weil die Plakate „letztlich Sondermüll sind und nicht gerade umweltfreundlich“, zum anderen, weil ihr das Budget fehlt. Klingbeil beziffert die Kosten nur für ein Flächenplakat im Landkreis auf rund 500 Euro. „Wir haben davon exakt zwei für den ganzen Landkreis. Das bezahlen nicht wir vom Kreisverband, sondern die Bundespartei.“ Für eine Kampagne, die allein auf seine Person zugeschnitten sei, habe die Linke weder die finanziellen noch die personellen Mittel. CDU, SPD oder FDP hätten durch die hohen Spenden für ihre Bundesparteien auch vor Ort ganz andere Möglichkeiten. Für ihn gelte: „Aktuell hat die Kreispartei für meine Kandidatur 647,46 Euro plus Fahrtkosten ausgegeben. Wir setzen auf den Einsatz unserer Mitglieder, Freunde und Sympathisanten und eben auf das persönliche Gespräch.“

Rotenburgs CDU-Chef Eike Holsten zum finanziellen Aufwand für die Bürgermeisterwahl

Was kostet die CDU der Bürgermeisterwahlkampf in Rotenburg?

Eine Schlussrechnung habe ich noch nicht. Und wir führen einen Wahlkampf als Team, Bürgermeisterkandidat und Stadtratskandidaten, da laufen alle Werbemittel zusammen. Gemeinsam rechnen wir mit einem fünfstelligen Betrag.

Wer bezahlt das?

Unsere Ratsmitglieder spenden regelmäßig einen Teil ihrer geringen Aufwandsentschädigung an die Partei. Davon kann man dann nach fünf Jahren wieder Wahlkampf für alle führen. Also auch Teamwork bei der finanziellen Lastenteilung. Dazu kommen Mitglieder und Menschen die unserer Politik nahestehen, die sich gerne mit Wahlkampfspenden beteiligen.

Muss ihr Bürgermeisterkandidat Frank Holle selbst außer Zeit auch noch Geld investieren?

Natürlich habe ich als Parteivorsitzender Frank Holle gebeten, sich neben seinem Jahresurlaub auch finanziell am Wahlkampf zu beteiligen.

Für was wird das Geld ausgegeben?

Plakate, Infopost, Social-Media-Werbung, Anzeigen in Printmedien, Videos, Grillfeste und vieles mehr. Auch die heftigen Zerstörungswellen bei Plakaten an den Straßen kosten viel Geld. Und sind überdies für alle kein schöner Anblick. Täter sind bis heute nicht ermittelt.

Was kann man im Wahlkampf für Geld nicht bekommen?

Die Stimmung in der Truppe, die den Wahlkampf trägt. Wir haben ein schwer motiviertes Team von Stadtratskandidatinnen und -kandidaten, die sich für Frank Holle, aber auch für ihren eigenen Wahlkampf voll reinhängen. Das macht Spaß und hat vor allem viel mit Zwischenmenschlichem zu tun. So viele gute Leute auf einem Haufen sind unbezahlbar. mk

Dass man mit weniger Plakaten an den Laternenmasten des Landkreises eine gewisse psychologische Wirkung bei Wählern nicht erreiche, ist aber auch Hornhardt klar: „Insofern gehe ich von einem gewissen Nachteil aus, weil mir keine Finanzierung durch Interessengruppen zur Verfügung steht. Es macht mich aber damit auch unabhängig im besten Sinne.“ Für ihren Wahlkampf habe sie aus ihrem Umfeld „zwei großzügige Spenden in Höhe von je 500 Euro“ bekommen. „Das ist sehr hilfreich, reicht aber bei Weitem nicht“, sagt die Kirchwalsederin. Also: „Meinen Wahlkampf bezahle ich selbst.“

Das tut Marco Prietz allerdings auch – zumindest in Teilen, betont der 33-jährige CDU-Politiker aus Bremervörde. Beiträge der 1 700 Parteimitglieder im Landkreis sowie Einzelspenden von Mitgliedern und Unterstützern deckten einen Bereich von der Straßenwerbung bis zum Social-Media-Auftritt ab, aber: „Der größte finanzielle Einzelbeitrag für den Wahlkampf stammt von mir selbst.“ Klingbeils Kritik an einem Wahlkampf der Parteien, der von bestimmten Lobbyisten mit hohen Summen unterstützt wird, beziehe sich „vermutlich auf den Bundestagswahlkampf. Dort lässt sich in den öffentlichen Rechenschaftsberichten nachlesen, welche Spenden eine Partei im Wahlkampf erhält. Mit dem Kommunalwahlkampf vor Ort und meinem Landratswahlkampf hat das nichts zu tun. Mir sind jedenfalls keine millionenschweren Lobbyvereinigungen im Landkreis Rotenburg bekannt.“ Dennoch sind die Summen bei Prietz ganz andere als bei seinen Gegenkandidaten. Er rechnet mit einem „mittleren fünfstelligen Betrag“ bis zum Wahltag am 12. September. Das seien weniger als 40 Cent pro Einwohner des Landkreises. Prietz: „Ein durchschnittliches Wahlkampfbudget.“

Wenn das Geld für die große Kampagne fehlt, gewinnt das persönliche Gespräch an Gewicht. Prietz allerdings betont, seit seiner Nominierung im September 2020 auch hier nicht ganz untätig gewesen zu sein. Rund 200 Termine habe er hinter sich, zuletzt „von früh bis spät“ eine 14-tägige Sommertour durch alle Kommunen des Landkreises. Nun folgen Infostände, Podiumsdiskussionen und natürlich mediale Berichterstattung. Das kostet vor allem Zeit, die sich auch Klingbeil und Hornhardt nehmen. Beide sind in diesen Tagen wie Prietz bei verschiedenen Organisationen und Einrichtungen zu Gast. Auch an Ständen vor Ort tauchen sie auf. Klingbeil hofft, die Chance eines krassen Außenseiters so nutzen zu können: „Auch ohne Plakate scheint sich meine Kandidatur herumzusprechen, denn nahezu täglich erfahre ich Zuspruch aus allen fortschrittlichen Lagern.“

Ein Kommentar von Michael Krüger

71711 gültige Stimmen, doch schon lange, bevor sie am Abend des 25. Mail 2014 ausgezählt waren, stand fest: Der CDU-Kandidat ist der klare Sieger. Hatte der Einzelbewerber Hans-Peter Daub überhaupt eine Chance? Platzhirsch und Amtsinhaber Hermann Luttmann holte 62,14 Prozent der Wählerstimmen, blieb sieben weitere Jahre Landrat, der Kirchenmann und Neu-Politiker Daub verabschiedete sich aus dem Landkreisgeschehen. Und heute? Marco Prietz ist trotz seiner gerade einmal 33 Jahre ebenso ein politisches Schwergewicht, Fraktionschef seiner Partei im Kreistag, tonangebend, im Auftreten sehr souverän. Er weiß die mit Abstand größte Partei im Kreis hinter sich, und auch wenn er nicht der einstigen „Hochsitzfraktion“ der CDU, sondern der nächsten Generation Politiker angehört, scheint die „Erbfolge“ im Kreishaus ausgemachte Sache. Spätestens, als der Kandidat der SPD und Grünen, Volker Harling, Ende Juni aus gesundheitlichen Gründen zurückzog, war der Weg frei. Dann tauchten zwei Gegenkandidaten auf, die nach eigenen Angaben zunächst einmal nur kandidierten, weil es keinen Gegenkandidaten gab. Weder Linken-Politiker Stefan Klingbeil noch die ehemalige CDU-Kreistagsabgeordnete und zu den Grünen tendierende parteilose Gabriele Hornhardt haben, so realistisch muss man wohl sein, allzu aussichtsreiche Siegchancen. Aber: Die Wähler haben eine echte Wahl. Es gibt Alternativen. Auch wenn sie mit deutlich weniger Budget deutlich weniger Aufmerksamkeit erzeugen und so wohl auch Stimmen sammeln können, lohnt sich die inhaltliche Auseinandersetzung. Und wenn auch nur der CDU damit klar wird, dass es auch andere Wege gibt, die eingeschlagen werden könnten mit ihrem neuen Landrat.

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