Neue Herausforderungen mit dem „Lockdown light“ für Schulen

„Die Einschläge kommen näher“

Seit Montag gilt Maske auf auch im Unterricht: Es ist eine ungewohnte Situation für die Fünftklässler der IGS an der Gerberstraße.
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Seit Montag gilt Maske auf auch im Unterricht: Es ist eine ungewohnte Situation für die Fünftklässler der IGS an der Gerberstraße.

Rotenburg – Transparente, klare Regeln und Schulen, die geöffnet bleiben – das ist der aktuelle Stand, der mit dem sogenannten Lockdown light vorherrscht. Und damit ein Fortschritt gegenüber dem Frühjahr. Das sagt Iris Rehder, Schulleiterin des Ratsgymnasiums. „Es sind verlässliche Regeln, die man kommunizieren und umsetzen kann: Ab einem Wert von 50 gilt Maskenpflicht, ab 100 tritt das nächste Szenario ein“, erklärt sie.

Fehlende Verlässlichkeit und unterschiedlichste Vorbereitung – das war der Stand im Frühjahr: „Wir waren in einer Entwicklung mit der Digitalisierung, die Krise hat uns überrollt“, so Rehder. Jetzt sei man besser vorbereitet, habe die vergangenen Monate genutzt, sich auf eine mögliche zweite Schließung vorzubereiten. Dass diese ausbleibt, hoffen neben Rehder auch Sven Thiemer, Schuleiter der IGS, und Wolf Hertz-Kleptow, Schulleiter der Berufsbildenden Schulen. Doch das bleibt ein wenig, so Thiemer, der „Blick in die Kristallkugel“. „Die Unsicherheit ist weg, es gibt viel mehr Informationen, aber Angst und Belastung sind da.“ Und: Es ist nicht die Sache der Schulen allein, hierbei sei die Gesellschaft gefragt, sagt Rehder.

Die hilft – zumindest in Teilen – mit. Denn zu 99 Prozent halten die Schüler sich an die Regeln – auch mit der Maskenpflicht im Unterricht. Das ist nicht immer einfach. Thiemer nennt es eine Herausforderung, weil es eine ungewohnte, neue Situation ist. „Wir müssen natürlich diese Woche eine neue Routine finden – und das läuft auch nicht immer vom ersten Moment an“, merkt Rehder dazu an. Es gibt wenig Konfliktsituationen, beschreibt es ihr BBS-Kollege. Auch von Seiten der Eltern gibt es daran keine Kritik – eher die Frage, ob es ausreichend ist oder doch ein anderes Modell besser wäre. „Aber das gibt das Land ja vor“, sagt Thiemer.

Wichtig bleibt das Lüften vor, während und nach dem Unterricht. Neue Pausenzeiten, in denen die Schüler frische Luft tanken. Ohne Klingelzeichen. „Das klingt banal, aber es ist ein anderer Ablauf, und die Verantwortung liegt noch mehr bei den Lehrkräften“, meint Hertz-Kleptow. Für Klausurenschreiber gilt: durchhalten, mit Maske. Sonst werde jede Möglichkeit kreativ genutzt: Zum Beispiel mit Unterricht im Freien auf Abstand. Wo das machbar ist, ist genau das eine gute Lösung.

„Wir sind stark gefragt, kreativ zu sein“, weiß Thiemer. Jede Schule ist individuell, und das Ministerium lässt dafür Freiräume.

Nichtsdestotrotz: Es wird noch kühler werden, alle müssen sich warm anziehen. „Fünf Minuten lüften – da wird der Raum nicht so auskühlen. Aber ja, es wird kalt“, so Rehder. Wie es in den kommenden Wochen genau wird, muss sich zeigen. Auch, wenn mal leicht verschmierte Zettel an die Lehrer zurückgehen: „Die Schüler saßen am Fenster“, muss Thiemer ein wenig schmunzeln. „Das gehört dann dazu.“

Denn Präsenzunterricht ist wichtig, auch den Schülern. Und es gibt noch die, die Lerndefizite aufholen müssen, heißt es. Das erfordert Kommunikation, Nachfragen, auch mit den Eltern. Der Elternsprechtag am Ratsgymnasium am Donnerstag fand statt – aber über das Telefon. Auch hier: Lösungen suchen und finden.

Sollte der Ernstfall jedoch eintreten und die Schulen schließen müssen, bekomme man auch das hin – zumindest, was die weiterführenden Schulen in Rotenburg betrifft. Dafür sieht Rehder sowohl die Lehrkräfte als auch die Schüler vorbereitet – zum einen, da im Unterricht sehr viel mehr digital gearbeitet wird. „Es sind Kompetenzen, die die Schüler immer brauchen, nicht nur im Homeschooling.“ Aus der Heimbeschulung seien viele Arbeitsmethoden jetzt fester Bestandteil des Unterrichts.

Zum anderen werden weitere Maßnahmen ergriffen. Dazu zählen im Ratsgymnasium die Anschaffung von 120 „IPads“, der Ausbau des „IServ“-Systems sowie ein neuer Server, viermal leistungsstärker. Um den Schülern den Umgang mit digitalen Unterrichtsformen zu erleichtern, haben sich zudem Sanjana Rahmann und Lars Wollschläger der Aufgabe angenommen, Erklärvideos zu erstellen, die auf dem Youtube-Kanal der Schule verfügbar sind. „Wir haben eine Liste mit Kompetenzen erstellt, die im normalen Schulalltag benötigt werden, und solche, die im Homeschooling wichtig sind. Besonders wichtig waren dabei neue, aber für eine spontane Schulschließung wichtige Module wie die IServ-Videokonferenz“, so Wollschläger.

Ob mehr oder Besseres zur Vorbereitung hätte getan werden können, lassen die Schulleiter diplomatisch offen. „Ich gehe davon aus, dass alle ihr Bestes geben. Wir lieben eine langfristige Planung, und genau das können wir nicht. Es ist einfach eine extrem ungewisse Situation“, so Rehder. Ihr BBS-Kollege ergänzt: „Der Minister hält regelmäßig Kontakt, es herrscht Transparenz, wir sind gut versorgt. Es funktioniert bis jetzt gut – kann aber mit den steigenden Zahlen auch noch anders werden.“

Aktuell „kommen die Einschläge näher“, das Thema Virus wird damit realistischer, nennt es Thiemer. In der IGS sind in dieser Woche die ersten vier Fälle aufgetreten, kurzfristige Lösungen waren auch hier gefordert. Eine davon war es, Ende dieser Woche die Zehntklässler für zwei Tage ins Homeschooling zu schicken. „So kann das Gesundheitsamt nun in Ruhe gucken, welche Kontakte beim aktuellen Fall vorhanden gewesen sind.“ Es sind Möglichkeiten, die genutzt werden, zur Sicherheit aller: „Es macht natürlich einen Unterschied in der Qualität, ob die Schüler hier oder Zuhause lernen, aber es ist eine gute Alternative“, findet Thiemer. Ob die Schulen mit steigenden Zahlen geöffnet bleiben können, mag keiner der Drei mit Sicherheit sagen. „Ich bin keine Prophetin – aber wir alle hoffen, dass der Lockdown light Wirkung zeigt“, erklärt Rehder.

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