Serie „60 Minuten“: Wenn der Pieper geht

Die DRK-Rettungswache in Rotenburg ist immer in Bereitschaft

Viktor Salzmann (l.) und Steven Mahler im Rettungswagen.
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Viktor Salzmann (l.) und Steven Mahler kontrollieren nach dem Einsatz die Rettungstasche.

Die Rettungs- und Notfallsanitäter der Rotenburger DRK-Rettungswache an der Brauerstraße stehen immer auf Standby. Aber auch neben den Einsätzen gibt es immer einiges zu tun.

Rotenburg – Die Zeitung liegt aufgeschlagen auf dem Tisch, daneben steht eine halbleere Kaffeetasse: Gerade eben noch hat Notfallsanitäter Olaf Koch im Aufenthaltsraum der Rotenburger Rettungswache auf dem Stuhl gesessen, der jetzt leer und etwas nach hinten verrückt da steht. Denn als vor wenigen Augenblicken sich der Pieper an seinem Gürtel bemerkbar machte, musste es schnell gehen. Überhaupt ist an diesem Dienstag einiges los in Rotenburg.

Bis 10 Uhr vormittags haben Koch und die anderen Mitarbeiter der Rettungswache an der Brauerstraße bereits zwei Einsätze hinter sich. „Das ist sehr viel“, sagt er, bevor der Alarm eingeht. Koch und seine Kollegen arbeiten beim DRK im Zwölf-Stunden-Schichtsystem, einmal von 6 bis 18 Uhr und von 18 bis 6 Uhr, pro Schicht kommt es durchschnittlich zu sechs bis sieben Einsätzen. „Aber das lässt sich natürlich nie planen“, sagt Koch. „Wir rücken bei Unfällen aus, aber die Menschen alarmieren uns natürlich auch, wenn es ihnen schlecht geht.“

Immer in Alarmbereitschaft

Auch, wenn die Einsatzkräfte äußerlich einen entspannten Eindruck machen, während sie im Aufenthaltsraum lesen, etwas trinken oder das Smartphone in der Hand haben – „wir sind immer angespannt, jederzeit kann der Pieper gehen, und wir müssen los“, sagt Koch. Ganz im Gegensatz zu dieser Alarmbereitschaft steht die Ruhe, die vor Ort beim Patienten wichtig ist. „Wenn ich mit dem Stetoskop um mich schmeiße, hilft das keinem“, so der Notfallsanitäter. Schwierig sind für ihn vor allem Notfälle, in die Kinder involviert sind. „Aber grundsätzlich müssen wir uns von dem Gedanken frei machen, jeder Einsatz wäre auf Leben und Tod.“

Das betrifft auch die Fahrt zum Einsatzort, innerhalb von 15 Minuten muss ein Rettungswagen dort angekommen sein. „Das ist aber nicht immer ohne weiteres möglich“, sagt Rettungssanitäter Steven Mahler. Dafür sorgt oft auch der übrige Straßenverkehr. „Die Autos sind immer besser schallisoliert. Die Fahrer hören die Sirene oft kaum, viele gucken zudem nicht mehr wirklich in den Rückspiegel und reagieren entsprechend spät. Bei uns an der Ausfahrt haben wir es auch sehr oft, dass die Leute unser Blaulicht sehen, aber trotzdem noch vorbeifahren – oder schlimmer, die Ausfahrt blockieren, weil sie vor der Ampel stehen.“

Eine Minute bis zum Start

Als Kochs Pieper geht, dauert es nur eine Minute, bis er und eine Praktikantin des DRK sich die Schuhe angezogen, die Jacke übergestreift und den Rettungswagen gestartet haben. Mehr brauchen sie nicht, alles weitere befindet sich bereits im Fahrzeug. Nur wenige Minuten nach ihnen rücken auch Notfallsanitäter Viktor Salzmann und Mahler aus. „Die Leitstelle übermittelt auch ein Stichwort zum Einsatz, damit wir schon ungefähr im Hinterkopf haben, was uns erwartet. Aber das ist natürlich auch nur das, was die alarmierenden Personen gemeldet haben“, erklärt Koch. „Was es wirklich und genau ist, wissen wir am Ende richtig erst vor Ort.“

Langweilig wird es hier auf keinen Fall.

Dirk Richter

Fünf Teams mit je zwei Personen sind tagsüber im Dienst, zwei für die Rettungswagen, drei für Krankentransporte, nachts jeweils ein Team weniger. „In der Nacht ist schon weniger los“, sagt Koch. In der Rettungswache gibt es daher mehrere Räume mit Betten, so dass sich die Einsatzkräfte zwischendurch hinlegen können.

Tagsüber ist es allerdings nicht so, dass die Teams zwischen den Einsätzen nur im Aufenthaltsraum sitzen und Kaffee trinken. „Am Tag gibt es genug zu tun, wir müssen die Wache sauberhalten, uns um das Material und um die Fahrzeuge kümmern, aber auch Fortbildungen fallen in die Schichten“, erklärt Dirk Richter, Leiter der Rotenburger Rettungswache. „Langweilig wird es hier auf keinen Fall.“

Die Jacken hängen griffbereit am Haken.

Innerhalb der Teams ist ein Mitglied Teamleader, das andere arbeitet zu – wer was ist, wird vor jeder Schicht geregelt. „Wichtig ist: Wir sind ein Team, in dem jeder gleich ist“, betont Koch. „Einer übernimmt immer die Organisation vor Ort, daher ist immer einer dabei, der extra geschult ist und auch schon sehr viel Erfahrung und die notwendige Ruhe besitzt“, ergänzt Richter. „Natürlich kommt es auch immer wieder zu belastenden Situationen, aber in der Regel sind unsere Leute sehr erfahren und routiniert. Und natürlich reden wir miteinander, vor allem nach schwierigen Einsätzen.“

Beide Rettungswagenteams der Tagesschicht sind jetzt ausgerückt, bis auf den Einsatzwagen für schwergewichtige Patienten sind beide Fahrzeugboxen leer, die Kabel, über die die elektronischen Geräte an Bord zwischen den Einsätzen aufgeladen werden, baumeln von der Decke der Garage.

Kontrolle nach dem Einsatz

Was ist, wenn aus Rotenburg ein weiterer Alarm die Einsatzleitstelle in Zeven erreicht? „Zeven sieht, dass alle unsere Teams unterwegs sind, wo sie sich aufhalten. Sind sie wieder frei oder noch im Einsatz? Alle Wagen haben GPS und übermitteln ihren Status an die Leitstelle“, erklärt Richter. Sind sie nicht verfügbar, geht der Alarm an die Rettungswachen in Sottrum, Lauenbrück oder Visselhövede. Auch ein Notarzt ist nicht immer dabei, tagsüber ist das in der Regel ein Anästhesist des Krankenhauses, nachts kommen die Notärzte aus verschiedenen Fakultäten.

Salzmann und Mahler fahren nun mit dem Rettungswagen wieder in die Box, ihr Einsatz war nur kurz und führte sie von den Rotenburger Werken an der Lindenstraße nur wenige Meter weiter zum Diakonieklinikum. Vor Ort haben sie den Rettungswagen bereits gereinigt, um für den nächsten Einsatz bereit zu sein.

In der Rettungswache inspizieren sie routinemäßig den großen Rucksack, ergänzen verbrauchtes Verbandsmaterial, Kanülen und Medikamente, bevor sie die Rettungstasche wieder in einer speziellen Kammer im Fahrzeug verstauen. Dann gibt es im Aufenthaltsraum einen Schluck Kaffee und ein paar Minuten Ruhe. Denn der nächste Einsatz kommt für die Rettungswache bestimmt.

Steven Mahler (v.l.), Viktor Salzmann, Dirk Richter und FSJler Dennis Katzendorn haben wenige Minuten Ruhe.

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