KOMMUNALWAHL Ganz unterschiedliche Konstellationen

Die Bürgermeisterwahlen im Altkreis Rotenburg

Torsten Oestmann und Frank Holle
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Vermutlich das spannendste und engste Rennen ums Bürgermeisteramt im Altkreis gibt es bei der Auszählung der Stimmen in Rotenburg: zwischen Torsten Oestmann (l.) und Frank Holle.

Rotenburg – Die meisten Rathäuser im Landkreis bekommen einen neuen Chef – oder eine Chefin. War Käthe Dittmer-Scheele (CDU) viele Jahre als Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde Scheeßel die einzige Hauptverwaltungsbeamtin im Landkreis, könnten es im Altkreis bald vielleicht sogar drei sein. Zehn Bürgermeisterwahlen gibt es am Sonntag im Landkreis, nicht gewählt wird in Sittensen, Geestequelle und Zeven. In den sechs Kommunen im Verbreitungsgebiet der Rotenburger Kreiszeitung darf überall abgestimmt werden – aber unter völlig unterschiedlichen Bedingungen.

Rotenburg

Klar, die jeweiligen Parteien geben sich auch in Rotenburg optimistisch. Aber entgegen einer Landtags- oder auch Bundestagswahl gibt es eben keine repräsentativen Umfragen. Und doch ist in Diskussionen über die Frage, wer in der Kreisstadt die Nachfolge von Andreas Weber (SPD) auf dem Chefsessel im Rathaus antritt, vor allem eines zu vernehmen: Es dürfte ganz knapp werden – so oder so. Amtserfahrung auf der einen Seite, das vor Ort seit vielen Jahren bekannte Gesicht auf der anderen. Was wiegt am Ende mehr, was treibt mehr Unterstützer in die Wahllokale? Optimismus dient als Nervenberuhiger – die Anspannung ist dennoch zu spüren. Das gilt für die beiden Kandidaten Frank Holle (CDU) und Torsten Oestmann (parteilos) ebenso, wie für die, die sie unterstützen. Man fragt sich in beiden Lagern, ob im Wahlkampf alles optimal gelaufen ist. Holle und Oestmann waren sehr aktiv. Haustürbesuche, Gespräche am Info-Stand und eine stark ausgeprägte Präsenz in den sozialen Medien. Beide liken in den Wochen vor der Wahl deutlich mehr Beiträge als zuvor, beide melden sich immer wieder zu Wort. Dennoch: Ein Favorit ist nicht auszumachen. Was will der Rotenburger? Einen Mann, der sich im kommunalpolitischen Geschäft auskennt, oder einen, der mit der Kandidatur erst dieses mitunter glatte Parkett betritt? Dafür, dass man in Rotenburg lange rätseln musste, wen die Parteien für die Bürgermeisterwahl aus dem Hut zaubern, stehen sich am Ende zwei interessante und gute Anwärter gegenüber.

Sottrum

Wir erinnern uns: Alle Sottrumer Samtgemeinderatsfraktionen wollten gemeinsam einen Kandidaten aufstellen. Gerne wäre Holger Bahrenburg dieser Kandidat gewesen, er fiel aber bei den Parteien durch, stattdessen wird es für einige Wochen Wolf Linne, der aber hinschmeißt. Bahrenburg probiert es als Einzelbewerber und punktet im Wahlkampf mit seiner Bekanntheit als Gemeindedirektor und Engagement. Größter Widersacher ist der von der SPD und von den Grünen unterstützte Nicolas Fricke aus Sittensen. Der Jurist war in Sottrum vor seiner Kandidatur unbekannt, hat aber zwei starke Parteien im Rücken und kann auch auf den einen oder anderen aus der CDU-Wählerschaft zählen. Eine Stichwahl zwischen Fricke und Bahrenburg ist wahrscheinlich. Der dritte Kandidat, Robert Abel (FDP), spielt vermutlich eine eher untergeordnete Rolle.

Scheeßel

Keine Frage: Ulrike Jungemann hat in den vergangenen 20 Jahren einen guten Job beim Landkreis gemacht. Aber hat die 49-Jährige auch ein Gespür dafür, wie die Menschen in Scheeßel ticken, wo die Besonderheiten und auch Fallstricke in einer Viele-Ortschaften-Gemeinde liegen? Ja, findet die CDU – und hat die CDU-Frau ins Rennen um die Nachfolge von CDU-Langzeit-Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele geschickt. Ein Rennen, das aber gar keins ist, haben andere Parteien es entweder doch nicht für nötig gehalten oder sich nicht dazu in der Lage gesehen, selber Bürgermeisterkandidaten aufzustellen. Eine politische Bankrotterklärung. Jungemann ist mit dem Hintergrund, den sie mit ins Rathaus bringt, eine Idealbesetzung. Ob das die Wähler auch so sehen? Die Stimmzettel haben die Ankreuzmöglichkeiten „Ja“ oder „Nein“.

Visselhövede

Erst kurz vor Toreschluss hatte der parteilose Gerald Lutz seine Bewerbung für den Visselhöveder Bürgermeisterposten abgegeben – um dann aus persönlichen Gründen einen Rückzieher zu machen. Vorher war bereits Harald Glüsing als Kandidat von SPD, Grünen und CDU abgesprungen. Darum kommt es zu der in der Region bisher einmaligen Situation, dass auf den Stimmzetteln zwar zwei Namen stehen, von denen einer aber nicht will oder kann und somit die Kreuze für ihn zu einer Neuwahl in einem halben Jahr führen, so er denn die Wahl gewinnt. Hinter dem anderen Namen verbirgt sich Sabine Schulz, ebenfalls parteilos, die bienenfleißig unterwegs war. Außerdem schwingt immer ein bisschen der Frauenbonus mit, und nicht zuletzt hatte auch Gerald Lutz empfohlen, seine Gegenkandidatin zu wählen. Darum: Knapper Sieg für Schulz!

Bothel

Dirk Eberle ist zwar nicht der Einzige, der bei den Bürgermeisterwahlen alleine auf dem Wahlzettel steht, aber er ist der Einzige im Südkreis, der darüber hinaus bereits Amtsinhaber ist. Die Wiederwahl ist ihm sicher, spannend ist in Bothel eher, welches Personal in Zukunft mit ihm im Samtgemeinderat zusammenarbeiten wird. Der Wahlzettel wird somit zum Zeugnis: Die Parteien sind zufrieden mit der Arbeit Eberles. Deswegen gibt es keinen Widersacher. Der Wensebrocker wird sich dennoch genau anschauen, wie das Verhältnis von Ja- zu Nein-Stimmen seiner Person betreffend aussehen wird. Die Bürger haben jetzt die Gelegenheit, Eberle sozusagen zu benoten. Die Allermeisten werden für ihn stimmen, doch ist der Anteil der Nein-Stimmen zu hoch, muss auch Eberle in manchen Punkten seine Arbeitsweise hinterfragen.

Fintel

Manch ein Wähler in der Samtgemeinde Fintel ist noch ratlos, und Wetten auf Kandidaten für den Platz an der Rathausspitze anzunehmen, könnte ein lohnendes Geschäft sein. Denn ein klarer Favorit oder eine Favoritin für die Nachfolge von Bürgermeister Tobias Krüger hat sich noch nicht herauskristallisiert. Selbst wer strategisch wählen möchte, hat kaum einen Anhaltspunkt, wo die Stimmen gut aufgehoben wären. Soll es der Horneburger Sven Maier sein, der von der CDU und den Grünen unterstützte Bewerber mit Verwaltungserfahrung? Oder wünscht man sich doch lieber einen Neuling, wie die von der SPD ins Rennen geschickte Anne Cordes, oder den Einzelbewerber Uwe Gerlach? Beide bringen sie keine maßgeschneiderte Qualifikation für die Verwaltungsspitze mit – dafür sind sie in der Samtgemeinde aber verwurzelt. Honorieren die Wähler dies? Klar scheint immerhin: Eine Stichwahl ist wahrscheinlich, bei drei Kandidaten ist es kaum vorstellbar, dass eine oder einer gleich mehr als die Hälfte der Stimmen auf sich vereint.

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