IGS-Kooperationsempfehlung der Politik kommt nicht gut an

Die BBS versperren sich nicht

Die IGS in Rotenburg hat jetzt eine Kooperationsanregung vom Verwaltungsausschuss erhalten.
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Die IGS in Rotenburg hat jetzt eine Kooperationsanregung vom Verwaltungsausschuss erhalten.

Rotenburg – Die Entscheidung kommt hinter verschlossenen Türen zustande. Die CDU-geführte Mehrheitsgruppe hat im vertraulich tagenden Verwaltungsausschuss der Stadt Rotenburg den Beschluss herbeigeführt, „der IGS dringend eine Kooperation mit den anderen weiterführenden Rotenburger Schulen – besonders der BBS – zu empfehlen“, sagt Klaus Rinck als stellvertretender Vorsitzender seiner Fraktion. Er begleitet die Entwicklung der Integrierten Gesamtschule (IGS) seit Jahren kritisch. Es ist eine Empfehlung, die Bürgermeister Andreas Weber (SPD) zum Anlass nimmt, sie in schriftlicher Form und mit einer eigenen Einschätzung versehenen, im Schulausschuss zu verteilen.

Es sei eher ungewöhnlich, dass sich die Politik direkt in die pädagogischen Belange der Schule einzubringen versucht, und zwar über einen Beschluss. Die „Empfehlung“ sei ja zuvor sogar ein Ratsantrag gewesen, „der dann ja auch noch inhaltlich nachgebessert werden musste“, sagt IGS-Chef Sven Thiemer. „Ich sage immer: Reden hilft, und zwar miteinander. Sicherlich hätten die Antragsteller einen solchen Antrag erst einmal besprechen sollen, und zwar mit dem Schulvorstand und der Schulleitung, anstatt über einen Ratsantrag der Schule etwas aufzudrücken“, fügt er hinzu. Das hätte vielleicht auch mehr Akzeptanz für diese Idee gebracht, meint Thiemer.

Im vergangenen Jahr seien Gespräche zwischen den Schulleitungen der drei beteiligten Schulen in Anwesenheit der Schulträger im Rathaus gelaufen, so der IGS-Leiter. „Dort wurde bereits über mögliche Kooperationen diskutiert, bekanntlich aber ohne Ergebnis, weil sich die Vorstellungen der Schulen einfach nicht zusammenbringen ließen. Vor diesem Hintergrund ergibt die Empfehlung im Nachhinein wenig Sinn: Es wurde ja schon darüber ergebnislos gesprochen.“ Thiemer spricht zudem von einer guten Nachbarschaft mit allen umliegenden Schulen. Mit dem Ratsgymnasium finde auf Schulleitungsebene ein regelmäßiger Austausch statt. Die Schulen liegen direkt neben einander, „auch zu den Berufsbildenden Schulen pflegen wir einen guten Kontakt“. Man kooperiere dort besonders im Bereich der Berufsorientung, wie zuletzt bei der Projektwoche des achten Jahrgangs, der dort eine Woche lang Zeit hatte, sich in verschiedenen Werkstätten und Bereichen auszuprobieren. Thiemer: „Selbstverständlich hatten wir auch im letzten Jahr die BBS und das Ratsgymnasium bei uns im Haus, als diese ihr Oberstufenangebot unseren Schüler präsentieren konnten.“

Das nimmt auch die Mehrheitsgruppe im Stadtrat wahr. Dennoch: „Diese Empfehlung hätten wir nicht veranlasst, wenn wir den Eindruck hätten, dass bereits eine hinreichende Kooperation stattfände. Die Praxistage im Rahmen der Berufsfindung sind ein gutes Projekt und ein erster kleiner Schritt. Die Vorschläge der Mehrheitsgruppe gehen weit darüber hinaus“, kontert Klaus Rinck.

Rinck verbindet mit der Empfehlung des Verwaltungsausschusses weitergehende Aspekte. Ihm geht es um zwischen allen drei Schulen abgestimmte didaktische Verfahren. „Diese können und sollen insbesondere im Rahmen gemeinsamer Besprechungen, des Austauschs in den Fachkonferenzen sowie durch gegenseitige Unterrichtsbesuche erarbeitet werden.“ Ferner wünsche man sich eine Verzahnung der schuleigenen Jahresarbeitspläne zwischen den Schuljahrgängen 9 und 10 der IGS und den Curricula der beiden gymnasialen Oberstufenmöglichkeiten, für die die Fachkonferenzen zuständig sein sollten. Rinck denkt auch an gemeinsame Lehrerfortbildungen, wo dies sinnvoll erscheint, sowie Vertiefungskurse, gemeinsame Konzeptarbeit und Evaluation in der Sekundarstufe I. Die Erarbeitung eines gemeinsamen Beratungskonzeptes, um die Schüler aller drei Schulen über die Möglichkeiten, an Ratsgymnasium und BBS das Abitur abzulegen, umfassend und frühzeitig bereits ab der neunten Klasse zu informieren und den Schülern dabei auch Alternativen regionaler Bildungswege zum Bildungsgang Abitur aufzuzeigen, sei ebenso wichtig. Hinzu kommen müsse ein Lehrkräfteaustausch in der Sekundarstufe I: „Alle drei Schulen sollen die Möglichkeit haben, in enger Abstimmung im gegebenen personalrechtlichen Rahmen Lehrkräfte in alle drei Richtungen abzuordnen, um die Angebotsvielfalt zu sichern.“ Klaus Rinck stellt fest: „Eine Kooperation in dieser Form findet gegenwärtig nach meiner Kenntnis nicht statt.“

Die CDU-Fraktion habe die Schülerzahlen der IGS-Abgänger erfragt, um sehen zu können, ob das Interesse an der Schulform IGS so groß ist, dass Schüler deswegen den Weg zum Beispiel nach Oyten auf sich nehmen. Rinck: „Das ist nicht der Fall – null Übergänge.“ Man halte es daher für sehr unrealistisch, dass in kommenden Jahrgängen eine nennenswerte Anzahl von Rotenburger IGS-Zehntklässlern sich für die IGS Zeven entscheidet. Rinck weiter: „Die Kooperation der IGS Rotenburg mit der IGS Zeven ist daher aus unserer Sicht nicht der richtige Weg.“

Es handele sich um eine Empfehlung, der Schulträger sei in Bezug auf die empfohlene Kooperation nicht weisungsbefugt, „was uns bewusst ist. Wir gehen allerdings davon aus, dass der Leitung der IGS der Wille ihres Schulträgers wichtig ist.“

Wolf Hertz-Kleptow als Leiter der Berufsbildenden Schulen (BBS), die den größten Teil der IGS-Abgänger dieses Jahres aufgenommen haben, macht auf Anfrage deutlich: „Wir versperren uns einer weitergehenden Kooperation nicht.“ Die politischen Vorgänge wolle er nicht kommentieren, aber mit Blick auf den Übergang in die Oberstufe sei man offen für eine vertiefende Kooperation.

Rinck: „Weshalb die von uns vorgeschlagenen – und von Herrn Hertz-Kleptow inhaltlich begrüßten – Kooperationsmaßnahmen keine ,Kooperation auf Augenhöhe’ darstellen sollen, erschließt sich mir nicht. Diese Auffassung kann man eigentlich nur dann vertreten, wenn man den zwei Mal getroffenen Beschluss des Stadtrates, dass es bei zwei Oberstufen bleiben soll, nicht akzeptieren will.“

Andreas Weber weist darauf hin, dass im Verwaltungsausschuss der Beschlussvorschlag abgeändert und aus „fordert dringend auf“ die Formulierung „regt an“ gemacht wurde. Aus Sicht des Bürgermeisters sei der Beschluss „überflüssig“, weil eine solche gute Kooperation der IGS mit den BBS bereits seit vielen Jahren bestehe „und auch ein nachbarschaftlich guter Informationsaustausch zwischen dem Ratsgymnasium und der IGS vorhanden ist“.

Mit Blick auf die angeregte, erweiterte Kooperation sagt Thiemer: „Wir sind eine sehr offene Schule und können uns für viele gute Ideen begeistern. Wichtig ist, dass unsere Schule davon profitiert. Kooperationen müssen einen Mehrwert für alle Beteiligten bieten, sonst sind sie meist nicht erfolgversprechend.“ Er sei dankbar, in der IGS Zeven zudem eine Partnerin gefunden zu haben, die die IGS Rotenburg bei der Gestaltung der Oberstufe mit einbinde. „Wir begegnen uns auf Augenhöhe.“

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