Weitere „Hotspots“ für Schadstoffbelastungen

Dicke Luft auch in Rotenburg und Scheeßel

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Die Verkehrsbelastung in Rotenburg, Scheeßel und Bremervörde ist durch die dortigen Bundesstraßen hoch. Daraus hat das Umweltministerium nun zu hohe Schadstoffbelastungen ermittelt.

Rotenburg/Scheeßel - Von Michael Krüger. Das niedersächsische Umweltministerium hat zu den schon bekannten sieben Großstädten rund 40 weitere Kommunen mit viel befahrenen Straßen als „Hotspots“ mit erhöhten Schadstoffbelastungen der Luft und damit verbundenen kritischen oder den Grenzwert überschreitenden Belastungen ermittelt.

Zu diesen gehören auch Rotenburg, Scheeßel und Bremervörde. Scheeßels Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) bringt die Reaktionen aus dem Landkreis auf den Punkt: „Das ist alarmierend.“

Dass durch die Lage Scheeßels an der Bundesstraße 75 und die sich kreuzenden Bundesstraßen in Rotenburg und Bremervörde die Belastung hoch ist, kann nicht als Neuigkeit verkauft werden. Neu ist allerdings das nun vom Ministerium ermittelte Gefährdungspotenzial. Es geht in der Studie um Belastungen mit Stickstoffdioxid und Feinstaub. 

Der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm für Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel ist in den drei Kommunen des Landkreises überschritten. Erhöhte Stickoxid-Werte verursachen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schädigen die Atemwege. Betroffen sind insbesondere Kinder und ältere Menschen. Der bisherige Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) sagte zu den Zahlen in der vergangenen Woche: „Die Untersuchung bestätigt leider unsere Befürchtung, dass die Belastungen der Luft umfassender und weitreichender sind als bislang ermittelt.

Anspruch auf gesunde Umgebung

Umso wichtiger ist es, in allen Bereichen verstärkt dafür zu sorgen, dass der Wunsch und der Rechtsanspruch der Bürger auf gesunde Lebensverhältnisse gewährleistet wird.“ Fraglich ist allerdings die Aussagekraft der Untersuchung. Denn „das Verfahren ist nicht gelungen“, wie Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) sagt.

Die Zahlen des Umweltministerium basieren auf einer „konservativen Schätzung zahlreicher Eingangsdaten“ sowie einem Abgleich „mit aktuellen Verkehrsdaten“. Tatsächliche Messungen vor Ort hat es bislang weder in Rotenburg, Scheeßel oder Bremervörde gegeben. Und das ärgert Weber, der erst aus einer Pressemitteilung von der Studie erfahren hatte: „Wir fordern, dass hier umgehend Messungen stattfinden.“ 

Dem schließt sich auch seine Amtskollegin in Scheeßel an. „Ich erwarte vom Land, dass es seine Ankündigung umsetzt und jetzt in einem zweiten Schritt die berechneten Daten mit aktuellen Verkehrsdaten überprüft und repräsentative Messungen vornehmen lässt, um festzustellen, ob tatsächlich eine Überschreitung der gesetzlichen Grenzwerte vorliegt.“ Und das müsse zeitnah geschehen.

Verkehr soll reduziert werden

Unabhängig von den neuen Zahlen sind Rotenburg und Scheeßel jetzt schon darum bemüht, den Verkehr innerorts zu reduzieren. Sowohl Weber als auch Dittmer-Scheele betonen, dass sie möglichst viele Einheimische bewegen wollen, öfter aufs Rad zu steigen oder als Pendler mit dem geplanten Beitritt zum Hamburger Verkehrsverbund 2019 mit dem Zug zu fahren. 

Die Kreisstadt wird für weitere Maßnahmen einen neuen Verkehrsentwicklungsplan erstellen lassen, 32.000 Euro sind dafür in den kommenden beiden Jahren im Haushalt verankert. In diesem könnte dann auch die große Idee weiterer Umgehungsstraßen auftauchen. 

Für Rotenburg schwebt Weber eine mögliche Verbindung von der Bundesstraße 215 zur Bundesstraße 75 zwischen Unterstedt und Waffensen oder von der B 215 zur  440 Richtung Visselhövede vor. Doch ob es dafür jemals entsprechende Bundesmittel gibt, ist fraglich. Weber: „Verkehrsvermeidung ist sowieso grundsätzlich wichtiger als der Bau neuer Straßen.“

Umgehungsstraße rückt näher

In Scheeßel ist man einer Umgehungsstraße schon ein Stück näher. Immerhin ist diese bereits im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplan festgesetzt. Schon seit 1992 hat sich die Gemeinde für die Entlastung des Verkehrs im Kernbereich eingesetzt. Ob die Straße irgendwann tatsächlich kommt, ist aber noch offen. Dittmer-Scheele: „Zwar gab es mit zähem Ringen den einen oder anderen Fortschritt bei der Vorplanung – wir brauchen für die Umsetzung der Ortsumgehung Scheeßel aber die Unterstützung des Bundes, des Landes einschließlich der vollen Unterstützung der umsetzenden Bundes- und Landesbehörden.“ 

Bestätige sich die Studie, habe man ein weiteres Argument für die Umgehungsstraße in der Hand: „Sollte sich der Verdacht der Überschreitung erhärten, müssen die Landes- und Bundesbehörden reagieren.“

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