Preisdebatte: Landvolk trifft sich mit Lebensmittelhandel

Dialog auf dem Hof

Gedankenaustausch im Stall: Landvolk-Chef-Jörn Ehlers (l.) im Gespräch mit Harpreet Ahluwalia von Edeka.

Rotenburg - Michael Krüger. Der Milchpreis im Keller, Schweinefleisch lässt sich kaum noch gewinnbringend verkaufen: „Beim morgendlichen Gang in den Stall müssten wir eigentlich das Portemonnaie aufmachen und Eintritt bezahlen“, so der Landvolk-Kreisvorsitzende Jörn Ehlers vergangene Woche zum bundesweiten Aktionstag „Preise“.

Nun hatte der Bauernverband am Mittwoch und Donnerstag an zwei Abenden in Borchel und Thedinghausen Vertreter des Lebensmittel-Einzelhandels zum Dialog bei betroffenen Landwirten geladen. Die Idee sei aus Gesprächen mit Edeka-Vertretern entstanden, heißt es vom Landvolk. Und so war dann beim Ortstermin auf dem Hof der Familie Junck in Borchel auch ein regionaler Edeka-Einkäufer dabei – neben einem Betreiber eines Discounters aus Scheeßel allerdings der einzige Brachenvertreter. Ernüchternd für die Landwirte, die auf ihre prekäre Situation aufmerksam machen wollten. Aldi, Lidl und Rewe seien auch eingeladen gewesen, aber: „Andere Unternehmen zeigen gar kein Interesse, oder es war überhaupt schwierig, einen Ansprechpartner zu finden“, sagte Ehlers.

Halte das niedrige Preisniveau an, drohe ein massives Höfesterben und ein sich beschleunigender Strukturwandel, so die Ausgangslage nach Ansicht des Landvolk-Chefs. Die Gespräche seien dann, wenn auch in kleinem Rahmen, sehr „intensiv, vor allem aber fair im Umgang und konstruktiv“ gewesen. Auch der Einzelhandel habe seine Position mit einem starken Wettbewerb gerade bei Milchprodukten und entsprechend geringen Margen verdeutlichen können. Kritisch werde die Rolle der Discounter gesehen, die den Preiskampf diktierten. Erschwerend komme hinzu, dass Deutschland der weltweit schwierigste Markt sei. Nirgendwo sei die Dichte an Supermärkten und Discountern so groß wie hierzulande. Auch im europäischen Vergleich seien die Preise für Lebensmittel so günstig wie in Deutschland. „Der Handel dürfte seine Marktmacht nicht ausnutzen und zusätzlichen Druck auf die Preise ausüben“, sagte Ehlers.

Am Ende entscheide der Verbraucher, waren sich beide Seiten einig. Und der greife in der Regel lieber zum günstigsten Produkt. „Wenig tröstende Aussichten für die Produzenten von Milch und Fleisch, zumal die Prognosen der Branche auf keine kurzfristige Besserung bei den Erzeugerpreisen hinweisen würden“, heißt es von den Landwirten. Der Punkt sei erreicht, wo die Kostenstrukturen auf den Höfen nicht mehr zu halten seien. Der Dialog soll aber fortgesetzt werden, hieß es nach den beiden Terminen. Und auch einem erstem Ansatz für Verbesserung stimmten beide Seiten zu: mehr regionale Produkte auf regionalen Märkten.

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