Diakonisse Annemarie Weseloh veröffentlicht Biografie

„Gott hat mich geleitet“

Stellen die Biografie „Irgendwie geht‘s sicher“ vor: Oberin Sabine Sievers (l.) und Diakonisse Annemarie Weseloh.
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Stellen die Biografie „Irgendwie geht‘s sicher“ vor: Oberin Sabine Sievers (l.) und Diakonisse Annemarie Weseloh.

Annemarie Weseloh ist mit 93 Jahren die älteste Diakonisse in Rotenburg. Mehrere Jahrzehnte war sie Missionsschwester in Äthiopien. Nun hat sie die Biografie „Irgendwie geht‘s sicher“ veröffentlicht.

Rotenburg – „Salamno!“ (Guten Tag!) sagt Schwester Annemarie Weseloh freundlich auf Omoro. Mit Oberin Sabine Sievers hat sie in das Elise-Averdiek-Zimmer des Rotenburger Diakonissen-Mutterhauses eingeladen, um dort ihre Biografie „Irgendwie geht‘s immer“ vorzustellen, die sie mithilfe von Autorin Monica Lohmeyer-Wulf verfasst hat.

Wenn die 93-jährige Diakonisse Omoro spricht, klingt es so, als wäre sie gerade erst aus Äthiopien zurückgekehrt. Tatsächlich liegt ihr letzter von vielen Besuchen erst drei Jahre zurück – und sie würde gerne noch einmal ihre Koffer packen, um die Menschen dort persönlich zu treffen. Doch inzwischen fehlt ihr aufgrund ihres Alters die Kraft. Die Strapazen der Reise wären ein zu großes Risiko.

Mit Annemarie Weseloh leben noch zwölf Diakonissen in Rotenburg. Sie ist mit 93 Jahren die Älteste und erinnert sich noch gut an die Zeit, als im Mutterhaus bis zu 160 Diakonissen in einer Gemeinschaft lebten. „Wir wollen mit der Biografie über Annemarie Weseloh beispielhaft einen Einblick in das Leben der Diakonissen geben, die seit 1905 hier in Rotenburg tätig sind, den Grundstein für die diakonische Arbeit gelegt und einen wichtigen Beitrag dazu geleistet haben, dass sich Rotenburg so entwickelt hat, wie wir es heute kennen“, erklärt Oberin Sievers.

Viele Diakonissen arbeiteten nach ihrer Ausbildung in der Pflege, einige im pädagogischen Bereich, andere gingen in die Missionsarbeit – wie Annemarie Weseloh, die lange in Äthiopien gelebt hat.

Grundlage ihrer 208 Seiten starken Biografie sind neben Gesprächen mit der Autorin zahlreiche Briefe der Diakonisse an ihre Familie, in denen sie von ihrem Alltag in Äthiopien berichtet.

Aber Gott versprach mir, dass ich trotzdem Kinder haben werde.  Und so war es: Insgesamt 30 Patenjungen und -mädchen habe ich seit meiner Zeit in Äthiopien.

Diakonisse Annemarie Weseloh

Weseloh wurde 1928 in Fintel geboren und wuchs dort als Älteste von acht Geschwistern auf. Damals hatte sie den Wunsch, selbst eines Tages eine große Familie zu gründen. Doch dann hörte sie den Ruf Gottes, wie sie berichtet, der sie leitete. In ihr reifte über Jahre der Entschluss, Missionsschwester zu werden. Dass sie damit ihren Wunsch nach eigenen Kindern aufgeben musste, fiel ihr schwer. „Aber Gott versprach mir, dass ich trotzdem Kinder haben werde. Und so war es: Insgesamt 30 Patenjungen und -mädchen habe ich seit meiner Zeit in Äthiopien – und zu vielen habe ich heute noch engen Kontakt. Andere leben aber leider nicht mehr“, berichtet Weseloh.

Nach ihrer Ausbildung, die sie im Alter von 23 Jahren 1951 in Rotenburg startete, war sie mehrere Jahrzehnte im Westen Äthiopiens tätig, arbeitete als Krankenschwester und teilte das Leben der Menschen oft unter abenteuerlichen Umständen. „Es musste immer irgendwie funktionieren, auch wenn es nicht immer leicht war. Ich war als Weiße oft allein auf mich gestellt“, so Weseloh.

Auch die Kommunikation sei oft schwierig gewesen. „Als es um einen Patienten, der unter einem Darmbruch nach außen litt, sehr ernst stand, musste ich einen Läufer 70 Kilometer weit nach Aira schicken, um Hilfe zu holen“, berichtet sie. „Bis dieser die Klinik dort erreicht hatte, ging es dem Patienten schon wieder etwas besser.“

Zur Überraschung der Angehörigen, die nicht mehr an dessen Genesung geglaubt und deshalb seine Kleidung abgeholt hatten. „Also musste ich ihm ein Hemd aus dem Krankenhaus und einen Schlüpfer von mir mit ins Flugzeug geben“, erinnert sich Annemarie Weseloh, die stets nach dem Motto lebte und arbeitete: Tu, was Dir vor die Füße kommt, denn Gott der Herr ist mit Dir.

Auch im Ruhestand blieb Weseloh einige Jahre in Äthiopien, das für sie zu einer zweiten Heimat geworden war – sie kämpfte gegen Aids, für mehr Aufklärung und Prävention. „Schwester Annemarie ist ein anschauliches Beispiel für die Tatkraft vieler Diakonissen, für ihren Mut, sich auf Neues einzulassen und in allem sich auf Gott zu verlassen“, so Oberin Sabine Sievers.

„Das Buch deckt immerhin ein Drittel meines Lebens ab“, sagt Annemarie Weseloh. Schwerpunkt sind demnach die 35 Jahre, die sie bei der Hermannsburger Mission tätig war, und die Zeit danach, als sie sich weiterhin für die Menschen in Äthiopien engagierte. Seit 2001 ist sie zurück in Rotenburg.

Die Biografie startet nach einem gemeinsamen Vorwort vom Vorstand des Diakonissen-Mutterhauses, Oberin Sabine Sievers und Matthias Richter, mit einem Geleitwort von Pastor Michael Thiel, Direktor des Evangelisch-lutherischen Missionswerkes in Niedersachsen, der über die Arbeit der Herrmannsburger Mission spricht und die Rolle von Schwester Annemarie Weseloh hervorhebt. Weiterhin widmet sich Oberin Sabine Sievers der Geschichte der Diakonissen in Rotenburg, die heute ein „Auslaufmodell“ seien.

Matthias Richter begibt sich auf Spurensuche in Äthiopien und kommt zum Schluss: „Wer sich heute in den Westen Äthiopiens aufmacht, wird dort immer noch viele Spuren des Wirkens von Schwester Annemarie finden.“ Außerdem haben die Leser die Möglichkeit, Wott, eine typische äthiopische Hauptmahlzeit, zu kochen.

Annemarie Weseloh mit Patenkind Hanna Tibalu

Auch mit nun 93 Jahren kommt Annemarie Weseloh nicht zur Ruhe: „Es ist mir wichtig, mich weiterhin zu engagieren“, sagt sie. Sie unterstützt unter anderem die Flüchtlingsarbeit in Unterstedt und das Hospiz Zum Guten Hirten. „Wenn die etwas brauchen, dann mache ich mich auf die Suche“, so Weseloh.

Ihr ist es außerdem wichtig, Kontakt zu den Menschen in Äthiopien zu halten – wenigstens telefonisch. Dabei hat sie regelmäßig Gelegenheit, Omoro zu sprechen. „Die Sprache ist sehr klangvoll und hat viele Vokale“, erklärt sie, bevor sie einige weitere Beispiele gibt.

Die Biografie „Irgendwie geht‘s sicher – Das bewegte Leben der Diakonisse Annemarie Weseloh“, herausgegeben von dem Evangelisch-lutherischen Diakonissen-Mutterhaus in Rotenburg, ist im Edition Falkenberg Verlag erschienen. Das Buch ist zum Preis von 14,90 Euro in allen Rotenburger Buchhandlungen erhältlich, außerdem überall zu bestellen mit der ISBN 978 3 95494 242 8.

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