Das Diakonieklinikum in Rotenburg zählt zurzeit drei bis vier betroffene Patienten pro Tag

„Harmlos ist ein Insektenstich nicht immer“

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Dr. Oliver Fröhlich

Rotenburg - Von Guido Menker. Wespen können lästig werden. In diesem Jahr scheint das der Fall zu sein. Mancherorts wird sogar von einer Plage gesprochen. Vertreiben lassen sie sich kaum, und immer wieder stechen sie auch mal zu. Wir haben Dr. Oliver Fröhlich, Ärztlicher Leiter des Zentrums für Notfallmedizin am Rotenburger Diakonieklinikum, dazu ein paar Fragen gestellt.

Herr Fröhlich, hat es das Diako zurzeit vermehrt mit Patienten zu tun, die Wespenstiche davongetragen haben und möglicherweise allergisch reagieren?

Oliver Fröhlich: Sobald die Sonne scheint und es heiß wird, steigt die Anzahl von Patienten an, die das Diakonieklinikum wegen Insektenstichen aufsuchen. Moment sind es mehr als sonst, es sind drei bis vier am Tag, wobei nicht alle eine allergische Reaktion auf Wespen- oder Bienengift haben, sondern einfach eine normale schmerzhafte Schwellung im Stichbereich der Insekten, die unangenehm, aber harmlos ist. Viele werden überrascht sein, dass eine Schwellung bis zu zehn Zentimeter Durchmesser von Allergologen als normal angesehen wird.

 

Wann sollte man mit Wespenstichen zum Arzt oder gar ins Krankenhaus gehen?

Fröhlich: Gehen Sie zum Hausarzt oder kassenärztlichen Notdienst, wenn Sie eine größere auf den Stichbereich begrenzte Schwellung bekommen, wenn diese länger als einen Tag anhält. Wer hingegen schnell großflächige Rötungen bekommt oder im Gesicht oder Mund gestochen wurde, sollte sich zügig im Krankenhaus vorstellen. Bei bekannter Allergie, Kreislaufproblemen oder Luftnot sollte sicherheitshalber der Rettungsdienst alarmiert werden.

 

Woran erkennt man eine allergische Reaktion?

Fröhlich: Eine allergische Reaktion, die in ihrer extremsten Form auch Anaphylaxie genannt wird, führt zu den eben erwähnten juckenden Rötungen, die nicht im Bereich des Stiches entstehen, sondern unabhängig davon. Der ganze Körper reagiert dann stark auf das Gift, daher auch die Kreislaufprobleme und die Luftnot, die durch Schwellungen in den Atemwegen hervorgerufen wird. Meistens lässt sich die Allergie gut behandeln, und man kann nach mehrstündiger Überwachung das Krankenhaus wieder verlassen.

 

Welche Folgen können Wespenstiche haben?

Fröhlich: Offizielle Zahlen gehen von stärkeren lokalen Reaktionen auf Wespen- oder Bienengift bei ungefähr einem Viertel der Bevölkerung aus. Eine echte Allergie haben wahrscheinlich 3,5 Prozent der Menschen, gezählt werden bis zu 20 Todesfälle durch allergische Reaktionen auf die Stiche, harmlos ist ein Insektenstich also nicht immer. Leider kann man aber nicht genau vorhersagen, wer wie reagiert. Gerade bei einer bekannten Allergie auf Insektengift sollte man Vorsicht walten lassen und lieber einmal zu viel einen Arzt aufsuchen.

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