Diakonieklinikum Rotenburg beteiligt sich an bundesweiter Verdi-Aktion

Gegen Personalnot und für eine bessere Finanzierung

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Jede Nummer steht für eine Stelle, die laut Verdi in den deutschen Krankenhäusern fehlt.

Rotenburg - Von Elisabeth Stockinger. „162000 für 162000 – Mehr von uns ist besser für alle“: Unter diesem Motto haben sich am Mittwochmittag rund 400 Beschäftigte des Agaplesion Diakonieklinikums Rotenburg vor dem Eingang versammelt. Im Rahmen der bundesweit ausgelegten Verdi-Aktion machten sie ihrem Ärger über den Entwurf für das neue Krankenhausstrukturgesetz Luft.

Vom Nordseestrand bis in die bayerischen Berge, von Görlitz bis Saarbrücken – Beschäftigte aus Krankenhäusern in ganz Deutschland haben den Personalnotstand in ihren Einrichtungen sichtbar gemacht. Um Punkt 13 Uhr hielten sie Schilder mit Nummern in die Höhe, 162000 Nummern insgesamt. Die Zahl steht für die Stellen, die laut der Gewerkschaft Verdi in deutschen Kliniken fehlen, um eine anständige Versorgung zu gewährleisten.

In Rotenburg waren es rund 400 Mitarbeiter des Diakonieklinikums, die ihre Tätigkeit für zehn Minuten unterbrachen, um sich an der Aktion zu beteiligen. Torsten Rathje, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung des Klinikums, zeigte sich begeistert: „Ich bin überwältigt von der großen Resonanz. Das verdeutlicht, wie brisant das Thema bei uns im Haus ist.“

Zeitgleich zur Verdi-Aktion trafen sich die Gesundheitsminister des Bundes und der Länder in Bad Dürkheim. Auf der Tagesordnung: der Entwurf für das neue Krankenhausstrukturgesetz (KHSG), den das Bundeskabinett bereits am 10. Juni auf den Weg gebracht hat. Ziel des neuen Gesetzes soll laut Bundesministerium für Gesundheit sein, die Qualität der Krankenhausversorgung zu stärken und für mehr Pflegekräfte am Krankenbett zu sorgen. Das Gesetz soll zum 1. Januar 2016 in Kraft treten und wird deshalb bereits am 10. Juli im Bundesrat diskutiert.

Für Rainer W. Werther eine Entwicklung, die viel zu schnell vonstatten geht. „Wir wehren uns gegen den Gesetzentwurf“, betonte der Diakonieklinikum-Geschäftsführer während des Pressegesprächs. „Unserer Meinung nach stellt er keine Verbesserung dar. Im Gegenteil, in Zukunft haben wir immer weniger Geld zur Verfügung und sollen immer mehr Leistung erbringen.“ Schon jetzt zeige sich im Diako, welch immenser Druck im Gesundheitswesen herrsche. Das bestätigte auch Pflegedirektor Olaf Abraham. „Die Arbeitsverdichtung wird spürbar. Aufgrund der hohen Belastung verzeichnen wir vermehrt Krankheitsausfälle. Diese müssen dann wiederum vom Team ersetzt werden, das bedeutet noch mehr Belastung. Das ist ein Hamsterrad-Effekt.“ Noch gehe es dem Rotenburger Klinikum im Vergleich zu anderen Einrichtungen gut, doch die Qualität in der Patientenversorgung sei auf Dauer nicht zu halten.

Zur Stärkung der Patientenversorgung soll laut Gesetzentwurf ein Pflegestellen-Förderprogramm mit Fördermitteln bis zu 660 Millionen Euro eingerichtet werden. Für Rathje ist dies allerdings lediglich ein „Lippenbekenntnis“. Werther drückt es so aus: „Der Personalbedarf muss erst einmal definiert werden, dann kann über die Finanzierung gesprochen werden.“

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