„Wie mit 120 gegen die Wand“

Diako-Pflegepersonal hat die Nase voll – und zieht Konsequenzen aus der Personalnot

Das Pflegepersonal im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg wehrt sich gegen eine zu hohe Arbeitsbelastung. „Die Beschäftigten der Unfallchirurgie sind nicht mehr bereit, die durch Personalmangel massiven Überbelastungen und Gefährdungen des Pflegepersonals und der Patienten hinzunehmen“, heißt es in einer Mitteilung von Verdi-Gewerkschaftssekretär Jörn Bracker.

  • Das Pflegepersonal im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg hat die Nase voll.
  • Beschäftigte der Unfallchirurgie sind nicht mehr bereit, massive Überbelastungen hinzunehmen.
  • Nun gibt es Konsequenzen aus der Personalnot.

Rotenburg – Schon im August hatte das Pflegeteam der Station drei im Diako in einem offenen Brief an die Geschäftsführung die Personalnot kritisiert. „Da der Arbeitgeber offensichtlich nicht auf die Forderungen des Teams eingeht, werden nun die Konsequenzen umgesetzt“, so Bracker. Konkret bedeute das: Die Pflegerinnen werden nicht mehr aus der Freizeit einspringen, Teilzeitkräfte lehnen Mehrarbeit ab, ärztliche Tätigkeiten des Pflegepersonals wie Blutabnehmen werden reduziert, Pausen werden konsequent eingehalten und keine Dienstplanänderungen mehr mitgetragen. Bracker: „Von den 17 Beschäftigten auf der Station haben die meisten das ,Teamversprechen’ unterschrieben und machen mit.“ Insgesamt arbeiten im Rotenburger Diakonieklinikum mehr als 600 Pflegekräfte.

Corona-Pandemie „Die Personalnot gab es auch schon davor“

Torsten Rathje als Vorsitzender der Mitarbeitervertretung am Standort Rotenburg und im gesamten Agaplesion-Konzern sagt, dass es hier nicht um ein spezielles Problem der Unfallchirurgie oder des Diakos gehe. Vielmehr könnte der Protest der Kolleginnen als „Blaupause für den gesamten Konzern und in die gesamte Branche“ gelten. „Hier stehen endlich einmal Kolleginnen auf, die sagen: So geht es nicht weiter.“ Über viele Jahre sei das Problem mit Leiharbeitern auch auf der 32-Betten-Station „verschleiert“ worden. Und selbst wenn es Gespräche mit der Geschäftsführung gegeben habe: „Personell bessert sich nichts.“ Nachdem mehrere Ultimaten verstrichen seien, sehe man sich nun veranlasst, die bislang freiwillig erbrachten Leistungen einzustellen. Dass das mitten in der Corona-Pandemie geschehe, verschärfe zwar die Situation. Aber: „Die Personalnot gab es auch schon davor.“ Eine neue Infektionsstation parallel zum normalen Krankenhausbetrieb zu betreiben, ohne dafür mehr Personal zu haben, sei wie mit „120 gegen die Wand zu fahren“.

Die Mitarbeitervertretung am Diako schlägt Alarm und sieht die Klinik als Notfall im Pflegebereich.

Station drei der Unfallchirurgie könnte entlastet werden

Unternehmenssprecher Matthias Richter bezeichnet den Vorwurf, es sei nicht auf die Forderungen eingegangen, als „schlichtweg falsch und irreführend“. Richtig sei stattdessen: „Es hat mit Vertretern der Station verschiedene Gespräche unter Beteiligung der Mitarbeitervertretung, der Pflegedirektion, des Ärztlichen Dienstes und der Personalleitung gegeben. In mehreren Arbeitstreffen sind Lösungen erarbeitet worden.“ Im Ergebnis stehe ein verlässlicher Dienstplan mit der Vermeidung von Unterbesetzungen durch Zusteuerung von Personal und die fortlaufende Arbeit an strukturellen Verbesserungen zur generellen Entlastung und der Verbesserung von Rahmenbedingungen. Da in der Pandemiezeit planbare Operationen eingeschränkt werden und eine Station gar nicht genutzt werde, könne auch die Station drei der Unfallchirurgie zudem kurzfristig personell entlastet werden.

Streit im Diako hat keine Folgen für Patienten

Andere Forderungen wie zu Entlastungstagen, die über den auch mit Verdi ausgehandelten Tarifvertrag hinausgehen, könnten hingegen nicht umgesetzt werden. Das könne „unter der gegebenen Krankenhausfinanzierung leider kein Krankenhaus in Deutschland erfüllen“. Man sei aber grundsätzlich froh, wenn Mitarbeiter konstruktiv an Lösungen mitarbeiteten und die Standpunkte auch gegenüber der Politik vertreten.

Für die Patienten hat der Streit im Diako keine Folgen. Das versichern beide Seiten. Verdi-Sprecher Bracker: „Es kann natürlich sein, dass einige verlegt werden müssen, weil die Krankenhausleitung Betten sperren müsste, wenn nicht genug Personal da ist. Die Verantwortung liegt in einem solchen Fall ganz allein bei der Klinikleitung.“

Rubriklistenbild: © Menker

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