Vor der DFB-Wahl: Reinhard Grindel und CDU lassen politische Zukunft offen

Viel geredet, nichts gesagt

Eine Rolle, die Reinhard Grindel gerne ausfüllt – nah dran an den Großen des Fußballs, hier vergangene Woche im Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw. Am 15. April soll Grindel DFB-Präsident werden. Darüber sprechen aber weder er noch die CDU. - Foto: imago

Rotenburg - Von Guido Menker und Michael Krüger. Die CDU im Wahlkreis Rotenburg / Heidekreis verliert ihren Bundestagsabgeordneten. Denn Reinhard Grindel aus Rotenburg wird nach seiner Wahl zum Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am 15. April sein Mandat niederlegen – nach 14 Jahren.

Zweifel an der Wahl gibt es nicht. Alle Fragen dazu werde er aber erst in einem Pressegespräch am 21. April beantworten. Das teilen seine Mitarbeiter in der Rotenburger CDU-Kreisgeschäftsstelle sowie die beiden Kreisvorsitzenden Heiner Ehlen (Rotenburg) und Gerd Engel (Heidekreis) mit. Es wird viel geredet, aber nichts gesagt.

Alle weiteren Fragen bleiben unbeantwortet. Zwar wäre laut Landesliste der CDU Kathrin Rösel aus Gifhorn Nachrückerin für Reinhard Grindel. Ob sie das Mandat aber auch wahrnimmt, ist offen. Engel: „Wir sind uns einig, dass wir diese Fragen erst am 21. April beantworten, also nach der geplanten Wahl Grindels am 15. April.“ Mit „Wir“ meint Engel sich, seinen Kollegen Ehlen, Grindel sowie die Erste Samtgemeinderätin in Wesendorf im Landkreis Gifhorn, die schon bald im Bundestag Platz nehmen könnte. Aber wann? Auch diese Frage bleibt offen. Engel selbst sieht offensichtlich auch keinen Grund zur Eile. Die Bundestagswahl ist erst im September kommenden Jahres – zwölf Monate vorher stehe die aus seiner Sicht wichtigste Aufgabe an: die Kommunalwahl. „Und das ist schwierig genug“, meint er.

Nach dem Pressegespräch am 21. April mit Reinhard Grindel werden sich die beiden Kreisverbände an einen Tisch setzen – hinter verschlossenen Türen. „Dabei wollen wir den weiteren Weg beschreiben“, ergänzt der CDU-Chef aus dem Heidekreis. Soll heißen: Erst nach der Kommunalwahl werde es konkret um die Suche nach einem neuen Kandidaten gehen. Engel selbst stellt derweil im Gespräch mit der Kreiszeitung fest, dass Reinhard Grindel zurzeit viel im Zusammenhang mit dem DFB auftauche. Von einer Vernachlässigung seines Mandats könne aber keine Rede sein: „Er nimmt sein Mandat wahr, er ist viel unterwegs, auch hier bei uns im Heidekreis.“ Grindel sei bei Termine dabei und nehme seine Aufgabe als Bundestagsabgeordneter sehr ernst.

Rotenburgs CDU-Kreis-Chef Hans-Heinrich Ehlen lässt sich ebenso wenig in die Karten schauen. Aber immerhin: „Es wurde schon mal angedeutet, dass Frau Rösel die Nachfolge annehmen wird.“

Die 45-Jährige CDU-Politikerin aus Leiferde im Landkreis Gifhorn äußert sich diesbezüglich allerdings noch zurückhaltender – und sagt dem aktuellen CDU-Sprachgebrauch nach: „Die Frage, ob ich für Reinhard Grindel nachrücken werde, stellt sich noch nicht. Ich werde sie beantworten, wenn Reinhard Grindel sein Mandat niedergelegt hat.“ Dass dies passiere, sei ja gar nicht zwingend notwendig mit der möglichen Wahl zum DFB-Präsidenten, so die aktuelle Erste Samtgemeinderätin der Samtgemeinde Wesendorf. Für Rösel wäre es das erste Mandat im Bundestag. Aktuell ist sie Bezirksvorsitzende der Frauen Union Nordostniedersachsen und Mitglied des Landesvorstandes der Frauen Union Niedersachsen. Und: Sie ist leidenschaftliche Anhängerin des VFL Wolfsburg, „mit einer Dauerkarte in der Nordkurve!“, teilt sie auf ihrer Homepage mit. Fußball verbindet, auch mit Grindel.

Viele Fragen, aber keine klaren Antworten. Auf eine Interviewanfrage an Grindel – verschickt an seine Bundestagsadresse – reagiert der Mediendirektor des DFB, Ralf Köttker, telefonisch. Tenor: Für Interviews steht der Bundestagsabgeordnete und designierte DFB-Präsident nicht zur Verfügung.

Nix sagen, bevor die Wahl am 15. April geschafft ist – das ist auch der Tenor bei Hans-Heinrich Ehlen. Selbst wenn es jetzt schon Namen möglicher Bundestagskandidaten für 2017 gäbe – „ich würde vor dem 15. April nichts dazu sagen.“ Nur so viel sei klar: Für den 16. April hätten beide CDU-Kreisverbände zu ihren Mitgliederversammlungen eingeladen. Ehlen: „Ich bin guten Mutes, dass wir die Dinge auf die Reihe bekommen.“ Grindel käme übrigens bei der Suche nach einem Bundestagskandidaten keine Sonderrolle zu. Er könne aber, wie alle anderen Mitglieder auch, Vorschläge machen.

Lesen Sie auch zu dem Thema:
Kommentar von Michael Krüger - Stiller Abschied vom Wahlkreis

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