DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel erklärt WM-Kosten und kritisiert die Fifa

„Bis zum Viertelfinale zahlen wir drauf“

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DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel würde gerne reichlich Siegprämien ausschütten.

Rotenburg - Von Matthias Freese. Reinhard Grindel bewegt Millionen: Für den Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist das Erreichen des WM-Halbfinals deshalb auch fast schon eine Pflichtaufgabe. „Bis zum Viertelfinale zahlen wir drauf“, erklärt der 52-jährige Rotenburger im Interview. Darin übt er zudem deutliche Kritik am Weltverband Fifa.

Herr Grindel, was kostet die WM den DFB eigentlich?

Reinhard Grindel: Die Kosten steigen, je länger wir im Turnier sind. Bis zum Achtelfinale betragen sie etwa elf Millionen Euro, das Finale eingeschlossen wären es alles in allem bis zu 22 Millionen. Wir haben viele Transfers – und was es richtig teuer macht, sind die zusätzlichen Kosten an den Spielorten. Im Gegensatz zu Südafrika muss die Mannschaft wegen der Anstoßzeiten zwei Tage vorher anreisen. Hinzu kommen die Siegprämien, die wir gerne zahlen würden.

Ab wann rechnet sich die WM-Teilnahme für den DFB?

Grindel: Bis zum Viertelfinale zahlen wir drauf – ab dann könnte ein kleiner Gewinn entstehen, wenn wir einen guten Umtauschkurs haben, weil die Fifa-Prämien in Dollar ausgezahlt werden. Die Hälfte des Gewinns bekommt im Übrigen der Ligaverband.

Was schüttet die Fifa denn an Prämien aus?

Grindel: Der Sieger bekommt in etwa 25 Millionen Euro. Da würden für den DFB etwa 1,5 Millionen übrig bleiben. Als Schatzmeister sind Sie froh, bei einem solchen WM-Turnier keinen Verlust zu erleiden.

War es vor diesem Hintergrund wirklich nötig, dass für den DFB eine eigene Hotelanlage gebaut wurde?

Grindel: Die Hotelanlage wäre sowieso entstanden. Sie ist ohne einen Cent des DFB gebaut worden, sondern von einer Investorengruppe um die Familie Hirmer. Darauf ist Oliver Bierhoff aufmerksam geworden. Beim Trainingsplatz und dem Medienzentrum hatten wir aber schon besondere Aufwendungen. Das war bei anderen Turnieren aber auch schon so.

Die Spieler erhalten für den Titel 300000 Euro, waren Sie an den Prämienverhandlungen beteiligt?

Grindel: Das macht der Mannschaftsrat mit dem Teammanager und dem Generalsekretär. Der Schatzmeister ist indirekt gefragt, weil er ja den Sonderhaushalt aufstellen muss. Die Siegprämie ist dabei so hoch wie in Südafrika und wie bei der Euro 2012. Das ist schon in Ordnung.

Wer ist aus Ihrer Sicht der eigentliche Gewinner dieser WM – das Gastgeberland oder die Fifa selbst?

Grindel: Die Fifa! Worüber wir nach der WM mit den Verantwortlichen für die Fifa-Finanzen intensiv sprechen müssen: Was die Fifa an zusätzlichen TV- und Sponsoreneinnahmen erhält, fließt nur zu einem sehr geringen Teil den teilnehmenden Nationen zu. Jedes Land, das bei einer WM startet, muss stärker an den Einnahmen beteiligt werden, um durch die Teilnahme finanzielle Spielräume zu erhalten, die etwa für die Talentförderung genutzt werden können.

Es gibt auch Kritik am Bau so mancher Stadien...

Grindel: Ja. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen: Wer soll in einigen Stadien in Zukunft spielen? Für mich ist es nicht nachvollziehbar, warum zwölf WM-Stadien gebaut oder umgebaut werden mussten. Acht hätten es auch getan. Das sind die Investitionen, die dann woanders fehlen.

Sie selbst kehren nach dem zweiten deutschen Gruppenspiel zurück. Was sind bis dahin Ihre Aufgaben?

Grindel: Wir haben eine Präsidiumssitzung vor Ort, Gespräche mit Vertretern der Fifa und anderen Verbänden und werden eine Reihe von sozialen Projekten besuchen. Wir werden – wie bisher schon – an den Orten, wo wir gewesen sind und Unterstützung nötig ist, auch weitere Projekte fördern. Außerdem schaue ich mir unser Quartier, Medienzentrum und Trainingsplatz intensiv an. Die Badehose bleibt also zu Hause.

Sie sind seit dem Herbst DFB-Schatzmeister. Mal ehrlich: Verträgt sich das wirklich mit dem Beruf als Bundestagsabgeordneter?

Grindel: Ich bin der Auffassung, dass sich das gut vereinbaren lässt. Mein großer Vorteil ist, dass ich mir meine Arbeitszeiten als Abgeordneter meist selbst einteilen kann. Und die Menschen in meinem Wahlkreis merken, dass ich nach wie vor präsent bin. In Berlin habe ich mein Amt als Obmann im Innenausschuss aufgegeben, bin dafür jetzt stellvertretender Vorsitzender im Sportausschuss. Die Arbeit dort ist wesentlich entspannter. Ein, zwei Tage in der Woche bin ich dann in Frankfurt oder für den DFB unterwegs.

Wagen Sie zum Abschluss einen WM-Tipp?

Grindel: Unter normalen Umständen müssten die Halbfinals Brasilien gegen Deutschland und Argentinien gegen Spanien heißen. Allerdings halte ich auch sehr viel von den Belgiern.

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