Kommentar

Reinhard Grindel muss abtreten

Ein Kommentar von Michael Krüger. Heute wird Reinhard Grindel Chef des größten und mächtigsten Fußballverbandes der Welt. Ein Rotenburger an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes. Eine tolle Nachricht für die Region, und vielleicht das lang ersehnte Karriereziel des CDU-Taktierers. So weit, so unbestritten.

Das neue Amt muss aber auch das Ende des Bundestagsabgeordneten Reinhard Grindel sein. Das hatte der Betroffene selbst nach seiner Nominierung durch die Fußball-Landesverbände im November so verlauten lassen. Er werde sein Mandat niederlegen. Davon ist mittlerweile keine Rede mehr: Grindel schweigt in dieser Sache, wie zuletzt zu fast allem, was sich vor der Wahl an Fragen angesammelt hat. Die Hintertür bleibt offen. Ein bemerkenswertes Interview von Bundesliga-Chef Reinhard Rauball hat vor einer Woche angedeutet, dass Grindel womöglich nur bis zum „Ordentlichen DFB-Bundestag“ im November im Amt bleiben könnte. Nur eine Übergangslösung?

Grindels Schweigen könnte ein Indiz dafür sein, dass er die politische Tür nach Berlin noch nicht zuschlagen will.

Morgen sollte Grindel als Gesprächspartner beim CDU-Kreisparteitag in Helvesiek zur Verfügung stehen. Sein Name wurde mittlerweile von der Einladung gestrichen, „Termingründe“. Erst am Donnerstag will er sich in einer Pressekonferenz im Wahlkreis erklären. Von der „klarer Kante“, mit der Grindel im Wahlkreis gerne polterte, ist in der Frage seines Mandats nichts zu spüren. Klar ist: Alles andere als ein umgehender Verzicht auf seinen Sitz im Bundestag wäre ein Affront – gegenüber seiner Partei und den Wählern. Den Platz in Berlin warm zu halten, wenn es in der Frankfurter DFB-Zentrale doch schneller zu Ende geht als erhofft, ist keine vertretbare Option. Zur Not der Wahlkreis: untragbar. Die Interessen der Menschen im Heidekreis und im Altkreis Rotenburg zu vertreten, kann keine Notlösung sein.

Auch seine Partei dürfte ihm den Rücktritt danken. Sie muss sich in der Region neu aufstellen. Grindel gab über Jahre den Ton an, deswegen hört man aktuell von den Funktionsträgern auch nur verordnete Funkstille. Keine Aussagen zur Nachfolge. Dabei müsste sich die CDU positionieren, um nicht Boden zu verlieren vor der Bundestagswahl. Der Gegenkandidat, SPD-Politiker Lars Klingbeil, hat im ländlichen Wahlkreis 35 ein bemerkenswert hohes Ansehen. Der CDU-Vorsprung ist nicht so deutlich, wie zu erwarten wäre. Der Union fehlt die Perspektive. Platzhirsch Grindel hinterlässt ein Vakuum, schwer zu füllen vom zerstrittenen Verband im Heidekreis und dem kleinen Nachbarn in Rotenburg. Grindel ist es seinen Parteifreunden und den Menschen in der Region schuldig, sich zu äußern. An seinem großen Tag muss er Konsequenzen ziehen. Denn nur das wäre dem neuen und alten Amt angemessen.

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