Im Dezember rüttelt sich Winter wach

RK-Wettermann zu den Chancen einer weißen Weihnacht

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Weiße Weihnachten gab es in Rotenburg zuletzt vor sieben Jahren. Es wird also eher grün sein – oder nass und grau, wie eigentlich meistens.

Rotenburg - Von Reinhard Zakrzewski. Ein Kaltlufteinbruch in den ersten Tagen, Tauwetter zu Nikolaus, eine Frostperiode vom 17. bis 21. Dezember und pünktlich zu den Festtagen das ungeliebte Weihnachtstauwetter: So sieht ein typischer Dezember aus – wenn denn dann alle Witterungsregelfälle wahr werden.

Weiße Weihnachten, wie sie sich die meisten wünschen, dürften damit wieder mal sehr unwahrscheinlich sein.

Grund für die Wettervielfalt im ersten Wintermonat sind große Temperaturgegensätze zwischen dem noch warmen Ozean und dem schon kalten Kontinent. Die sich daraus ergebenden Luftdruckunterschiede kurbeln die atlantische Wettermaschine im Dezember immer mehr an.

Aus dem bunten Strauß der Wetterlagen ragen zwei heraus, die Mitteleuropa völlig unterschiedliche Bedingungen bringen. Einerseits strömt auf der Vorderseite des berüchtigten Islandtiefs milde Meeresluft, teilweise sogar aus subtropischen Breiten, mit Macht zum Kontinent. Andererseits hält das sibirische Kältehoch mit einem ersten Vorstoß eisiger Ostluft nach Westen dagegen. Setzt sich wie üblich der Atlantik durch, kann es selbst zu den Festtagen für 15 Grad reichen (Rotenburg am 26. Dezember 2015: 14,3 Grad), im umgekehrten Fall aber auch zu strenger Kälte deutlich unter minus 10 Grad wie während der letzten tief verschneiten Weihnacht 2010 (25. Dezember: minus 13,1 Grad).

Für die Härte des Hochwinters ist die Vorwitterung im Dezember nicht unwichtig. So kann ein kalter Dezember aus Norden bis Osten einem strengen Januar und Februar nach sich ziehen (Winter 2009/2010) – muss er aber nicht (Beispiel 2010/2011). Bleibt eine längere Frostperiode bis zum 6. Januar jedoch aus, kann es für Winterfreuden selbst im Oberharz eng werden.

Bauernregel zum 6. Januar

In diesem Fall greift nämlich die Bauernregel zum Dreikönigstag (6. Januar), die für den Hochwinter die gleiche Bedeutung hat wie die Siebenschläferregel in Bezug auf den Hochsommer: „Ist bis Dreikönig kein Winter, so kommt auch kein (richtiger) mehr dahinter“ – stimmt im Januar zu 70, im Februar noch zu 60 Prozent. Klimatischer Hintergrund beider Regeln ist die große Erhaltungsneigung der Atmosphäre in den Hauptjahreszeiten.

Derzeit gehen die internationalen Wetterdienste in ihren immer noch experimentellen Trends einheitlich von „eher zu mild und zu nass“ aus. Ähnlich wie in den vergangen beiden Jahren würde das für Norddeutschland wieder viel Wind und jede Menge trübes Schmuddelwetter bedeuten. Längere Frostperioden mit Schnee und Eis hätten Seltenheitswert. Fazit: Wohin die Reise im Gesamtwinter geht, lässt sich einigermaßen sicher erst Anfang Januar sagen. Trotz Klimaerwärmung kann es nach wie vor eiskalte Überraschungen geben. Abgerechnet wird ohnehin erst am Schluss.

Reisetipp für den Harz

Der Reisetipp: Wer einen Winterurlaub im Harz plant, sollte auf die zweite und dritte Januardekade setzten – je höher raus, desto besser. In dieser kältesten Zeit des Jahres sind die Chancen auf ausreichend Schnee und Dauerfrost am größten. Günstig ist auch die Spätwinterphase zur Februarmitte. Dann startet Väterchen Frost gewöhnlich den letzten großen Angriff auf Mitteleuropa. Dagegen ist Ski und Rodeln im Dezember nur selten gut. Bei vorwiegend westlichen Winden ist nach polarem Schneegestöber der nächste Warmluftschub oft nicht weit. Das gilt vor allem rund um die Weihnachtstage, wenn die Atlantikwinde besonders heftig blasen.

So sind verschneite Festtage im norddeutschen Flachland mit durchschnittlich ein- bis zweimal in zehn Jahren schon fast ein kleines Wunder. Und selbst im Oberharz wird der romantische Traum nur alle zwei bis drei Jahre wahr.

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