15-Jährige besteht A-Prüfung im Segelflugzeug

Manja Müller ist  Deutschlands jüngste Pilotin

Nach der bestandenen Prüfung überreicht Fluglehrer Michael Katzsch einen „bunten Blumenstrauß“ an Manja Müller, der frisch gebackenen jüngsten Pilotin Deutschlands.

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Etwas nervös ist sie vor dem Start am Samstag auf dem Rotenburger Flugplatz schon gewesen – denn wenn die 15-jährige Manja Müller aus Reeßum die Prüfung am Steuerknüppel eines Segelflugzeuges besteht, ist sie die jüngste Pilotin Deutschlands. Die schriftliche Einverständniserklärung ihrer Eltern ist bereits in den Akten abgelegt. Nun müssen nur noch mindestens zwei Fluglehrer ihrem Alleinflug zustimmen; also noch zwei Starts, aber mit verschiedenen Fluglehrern. Alles ist gut, und das mutige Mädchen fühlt sich topfit und will unbedingt seinen A-Flug absolvieren.

Ein kurzes Gespräch unter vier Augen, dann geben die beiden verantwortlichen Fluglehrer ihr Okay. Die Verantwortung der Fluglehrer ist sehr groß, und auch das Flugzeug hat immerhin einen Wert von 80 000 Euro. Langsam geht der Zeiger auf 12 Uhr zu. Es ist noch nicht ganz so heiß, und auch die Windverhältnisse sind optimal. Beste Bedingungen für die A-Prüfung (drei Starts und Landungen ohne Fluglehrer).

Angespannt klettert das junge Mädchen ins Cockpit des schlanken Gleiters. Die beiden Fluglehrer helfen beim Anschnallen, und hoch konzentriert arbeitet Manja die Checkliste Punkt für Punkt ab. Dann wird die Haube des Gleiters verriegelt – gefolgt von dem Kommando: „Es kann eingeklinkt werden“. Über Funk teilt Manja dem Startleiter mit, dass die D-6255 abflugbereit ist. Nun geht alles sehr schnell. Kurze Kommandos werden dem Windenfahrer telefonisch übermittelt: „ASK 21 einsitzig startklar – Seil anziehen – Seil straff – fertig – frei“. Nun beschleunigt die Doppeltrommelwinde (380 Pferdestärken) das Segelflugzeug in nur zwei Sekunden auf 100 Stundenkilometer, dann fliegt die mutige Schülerin im Winkel von fast 60 Grad in den Himmel. Die am Start versammelten Vereinsmitglieder verfolgen den Vorgang wie gebannt. Deutlich kann man die Anspannung im Gesicht der beiden Fluglehrer erkennen. Es wird kaum gesprochen, alle Augen verfolgen das Flugzeug bis zur Landung – die bilderbuchmäßig gelingt. Die 15-Jährige öffnet die Haube des Fliegers „Das hast du sehr gut gemacht“, sagt einer der Fluglehrer. Sie lächelt erleichtert. „Das musst du jetzt noch zweimal so meistern, dann hast du die A-Prüfung bestanden.“

Mit der Unbekümmertheit der Jugend fliegt die Linzenz-aspirantin zwei weitere Platzrunden mit zwei weiteren Punktlandungen. Langsamen Schrittes begeben sich nun alle auf dem Segelfluggelände – Piloten und Angehörige – zur Landestelle. Auch Wilhelm Janssen, der an diesem Tag die Seilwinde, umgangssprachlich das „Katapult“, bediente, kommt hinzu. Alle gratulieren dem jungen Mädchen zu den ersten Alleinflügen und zur bestandenen A-Prüfung.

Fluglehrer Michael Katzsch überreicht einen „bunten Blumenstrauß“, bestehend aus den Gewächsen, die man auf einem Flugplatz so findet. Dann kommt der Höhepunkt des Tages. Die junge Pilotin sagt die traditionellen Worte: „Ich bitte darum, dass man mir die Thermik einbläut!“ – nach alter Segelfliegertradition erhält sie von jedem Gratulanten einen Klapps aufs Hinterteil. Erst jetzt ist Manja Müller eine richtige Pilotin, und das Abenteuer Segelfliegen kann beginnen.

„Das Gefühl von Freiheit, viele hundert Meter über dem Boden hoch am Himmel zu schweben, das ist für mich kein Traum, sondern eine fast permanente Realität“, erklärt die Pilotin nach der Prüfung. Ihr Vater ist von Beruf Ballonfahrer. Schon früh wusste Manja, dass auch ihr Arbeitsplatz einmal hoch über den Wolken sein wird. Ein spannender Job sollte es sein, im Team und mit viel Verantwortung. „Vielleicht als Jetpilotin bei der Bundeswehr“, nennt sie eine Möglichkeit. In der Schule hatte sie erfahren, dass man mit 14 Jahren schon alleine fliegen darf, aber Auto fahren erst mit 18 Jahren. Die junge Schülerin wollte nun unbedingt das Fliegen lernen, ihre Eltern haben ihrem Wunsch nachgegeben und unterstützten die Tochter in ihrem Bestreben, eine Pilotin zu werden. Gleich nach ihrem 14. Geburtstag hatte sich die Schülerin zu einem Schnupperwochenende bei den Rotenburger Segelfliegern angemeldet. Das ging schnell und unproblematisch. Schon nach dem ersten Trainingsflug war ihr bewusst: „Fliegen, das ist mein Ding.“ Sie unterschrieb und trat damit in den Verein für Luftsport Rotenburg ein. Ihre Begabung verblüffte schon sehr früh die Fluglehrer. Die Wochenenden verbrachte Manja häufig auf dem Rotenburger Fliegerhorst, absolvierte pro Tag drei bis fünf Trainingsflüge und kam ihrem großen Ziel schnell näher. Wenige Wochen nach ihrem 15. Geburtstag war es dann soweit: der erste Alleinflug. Weitere Infos zum Verein im Internet.

www.vfl-rotenburg.de

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