SPD und Grüne unterstützen den Rotenburger Volker Harling

Der zweite Landratskandidat

Volker Harling aus Rotenburg will Landrat werden. SPD und Grüne unterstützen die Kandidatur des parteilosen Rotenburgers.
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Volker Harling aus Rotenburg will Landrat werden. SPD und Grüne unterstützen die Kandidatur des parteilosen Rotenburgers.

Marco Prietz (CDU) hat einen Gegenkandidaten. SPD und Grüne haben mit Volker Harling einen parteilosen Bewerber fürs Landratsamt im Kreis Rotenburg aufs Podest gehoben.

Rotenburg – Die Spatzen hatten es schon seit mehreren Wochen von den Dächern gepfiffen, doch weder die Sprecher der Grünen noch die der Sozialdemokraten wollten entsprechende Anfragen bestätigen. Nun haben sie die Katze aus dem Sack gelassen: Der 57-jährige Rotenburger Volker Harling wird bei der Kommunalwahl am 12. September als parteiloser Einzelbewerber und mit Unterstützung von Grünen und SPD versuchen, das Landratsamt zu ergattern.

In einer Live-Übertragung aus Zeven verkündeten Harling sowie die beiden Kreisverbände von SPD und Grünen am Donnerstagabend via Facebook seine Kandidatur. „Ich freue mich riesig, dass wir einen Kandidaten mit Weitsicht und Lebenserfahrung gefunden haben“, sagte Sabine Holsten (Die Grünen). Nils Bassen (SPD) verspricht gar einen Abend, an dem es auch lustig werde. Doch bevor Harling unter seinem Motto vom „Lebens(t)raum“ spricht, fallen Bild und Ton aus. Knapp 60 Gäste sind da gerade online.

Volker Harling ist ein Newcomer in der Politik. „Ich interessiere mich sehr dafür, aber mein Beruf hat es bislang nicht zugelassen, mich da zu engagieren“, sagt er vorab im Gespräch mit der Kreiszeitung. Vom langen Esstisch aus fällt der Blick in den Garten. Ein großer Teil der Grünfläche wird sich schon bald wieder in eine Blumenwiese verwandeln. Wie schön und wie bunt das wird, zeigt ein Foto, das Harling auf seinem Laptop hat. Und dieses Bild steht dann auch symbolisch für das, was ihm wichtig ist: Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Das ist die große, programmatische Überschrift für den Wahlkampf. Das fünf Punkte umfassende Konzept des studierten Volkswirts steht daher unter dem Motto „Besseres Klima für ...“ – für gutes Wirtschaften nämlich, gesunde Umwelt, soziales Miteinander, direkte Verbindungen und kreative Gestaltung.

Nachhaltigkeit bedeutet für den zweifachen Vater ein Leben mit der, nicht gegen die Natur – und das mit dem Anstrich, mehr zu gebrauchen und wiederzuverwerten als zu verbrauchen und wegzuwerfen. „Der Landkreis kann in diesem Sinne als ein Akteur Maßstäbe setzen und sich entsprechend verhalten“, sagt Harling. Da sei vor allem Kreativität gefragt.

Die Rede von Volker Harling wird live im Internet übertragen.

Vor dem Holzhaus in einer sehr netten Rotenburger Wohngegend steht ein Elektro-Auto. Das passt zu dem, was Volker Harling vermitteln möchte. Er selbst sieht politisch die größte Schnittmenge für sich bei den Grünen und bei den Sozialdemokraten. „Du passt genau in das Profil“, hatte daher auch sein Bruder Wolfgang erkannt, selbst Mitglied der SPD und für diese auch im Kreistag vertreten. Der hatte seinen neun Jahre jüngeren Bruder angesprochen, als es um die Suche nach einem Landratskandidaten ging. Das war im Dezember.

Anfang März war sich Harling nicht nur der Unterstützung bewusst, sondern auch bereit – und hat zugesagt. Jetzt meldet man Vollzug. Die Kandidatur ist in trockenen Tüchern und Harling siegessicher im Wettbewerb mit Marco Prietz, der für die CDU ins Rennen geht. „Ja“, sagt Volker Harling, „es ist eine große Aufgabe, aber ich habe auch große Ziele und Vorstellungen.“ Und genau die wolle er im bevorstehenden Wahlkampf vermitteln. Weil er es beruflich bereits gewohnt sei, mit starken Führungskräften Teams zu leiten, sei der Respekt dann auch am größten mit Blick auf die politische Rolle des Landrats. Harling kommt nicht aus der Politik und auch nicht aus der Verwaltung – für ihn ein Vorteil, sagt er.

Zur Person

Volker Harling ist gebürtiger Sottrumer, 57 Jahre alt und studierter Volkswirt. Mit seiner Frau Ina hat er zwei Kinder, eine 27-jährige Tochter sowie einen 24-jährigen Sohn. Dort, wo es ging, hat er sich bereits ehrenamtlich engagiert – im Fußballverein und über sechs Jahre auch im Vorstand der Rotenburger Michaelsgemeinde. Er verreist gerne mit dem Zug in Richtung Nord- und Ostsee sowie nach Nord-Italien.

Seine Frau habe zunächst etwas zurückhaltend auf den Plan ihres Mannes reagiert, aber: „Sie kennt es von mir. Manche Dinge mache ich anders im Beruf und verlasse gerne die ausgetretenen Pfade.“ Das habe sich im Laufe der Jahre so entwickelt. „Und das tut mir gut.“ Das Amt sei schließlich auch so angelegt, dass Kandidaten von außen kommen können. „Ein anderer Blick auf die Dinge ist da sicherlich mal gut.“ Mit der nachhaltigen und parteilosen Sicht auf die Dinge sieht sich Harling im Vorteil. Genau das nämlich könne sich die Mehrheit gut vorstellen, glaubt er. SPD und Grüne sehen das offensichtlich ähnlich.

Nach seinem Studium schlug Hamburg-Pendler Volker Harling 1991 seinen beruflichen Weg ein. Buchhaltung, Controlling und Finanzen – darum hat er sich seit Beginn des neuen Jahrtausends dann auch in unterschiedlichen Unternehmen in leitender sowie in geschäftsführender Position gekümmert. Es waren Unternehmen in Bremen und Ostfriesland. „Ich habe für sechs Konzerne gearbeitet, fünf amerikanische und einen finnischen.“ Unternehmen in der Elektro-Industrie. Zuletzt war Harling in der Leitung von Jovyatlas tätig, vom 1. Januar 2020 an als Geschäftsführer. Doch das Elektro-Unternehmen wurde verkauft – seit November vergangenen Jahres ist der Rotenburger seinen Job los.

„Ich hatte in all den Jahren eine aufreibende Zeit, vielfach mit Doppelfunktionen“, blickt der 57-Jährige zurück und damit auf die jetzige Auszeit, in der es zunächst darum geht, den Akku aufzuladen. Das hätten ihm auch viele Freunde geraten. Aber beruflich möchte er am Ball bleiben – und zwar dort, wo Nachhaltigkeit, gekoppelt mit Klimaschutz, von Bedeutung ist. Für das Gemeinwohl zu arbeiten, wäre die ideale Ergänzung, findet Harling. Die Anfrage seines Bruders Ende vergangenen Jahres – eine Anfrage, die passt. Jetzt plant er seinen Wahlkampf.

Der wird vielfach über die sozialen Medien stattfinden – bei Instagram, Facebook, Youtube, seit Donnerstag ist auch die Internetseite mit seinem Namen online. Harling arbeitet mit einer Agentur zusammen – und mit den beiden Parteien. Die Fotos sind bereits im Kasten. Besuchstermine, Diskussionen und Gespräche sowie Hausbesuche gehörten zum Programm. „Es gibt ein Team, das mich jeweils regional unterstützt.“ Die Planungen laufen, jetzt geht es los.

Unser Kommentar von Michael Krüger

Na endlich. Das wissen auch die Verantwortlichen. Seit gestern Nachmittag flackert ein „Jetzt erst?“ über die frisch gestaltete Homepage von Landratskandidat Volker Harling, das dann in das Statement „Jetzt erst recht!“ wechselt. Grüne und SPD – über die Reihenfolge der Nennung darf gestritten werden – haben endlich einen Kandidaten gefunden, der Hermann Luttmann und seine Phalanx an CDU-Vertretern in vorheriger ähnlicher Position beerben soll. Volker Harling. Kennen Sie nicht? Da geht es Ihnen wie uns.

Ein politisch unbeschriebenes Blatt, der zwar einen Bürgermeister und Kreistagsabgeordneten der SPD zum Bruder hat, der aus Sottrum stammt, aber hier nie auf der öffentlichen Bildfläche erschienen ist. Lange haben beide Parteien nach einem geeigneten Kandidaten gesucht, es gab schon Favoriten, manch einer ist im letzten Moment wieder abgesprungen. Das lief zwar mehr oder weniger intern, und tatsächlich ist anders als in anderen Fällen wenig nach außen gedrungen, aber das Bild, das beide Parteien trotz eigentlich gemeinsam nicht ganz schlechter Chancen im normalerweise tiefschwarzen Landratswahlkreis abgegeben haben, war lange Zeit eher unglücklich. 15 Monate nach der Positionierung von Marco Prietz als CDU-Hoffnungsträger fürs Landratsamt und nur fünf Monate vor der Wahl lässt man die Katze, den Harling, aus dem Sack: Jetzt müssen alle rot-grünen Wahlkämpfer und der parteilose Kandidat richtig Gas geben. Jetzt erst recht.

Denn, das ist klar: Nicht nur der zeitliche Vorsprung von Prietz ist groß. 100 Termine seiner Zuhör-Tour durchs Wahlgebiet trägt der bisherige CDU-Kreistagsfraktions-chef aus Bremervörde offensiv vor sich her. Pressebilder und Veröffentlichungen dazu gibt es nahezu täglich. Volker Harling muss sich erst einmal vorstellen. Es dürfte nicht wenige Termine geben, wo ihn einige selbst aus den eigenen Reihen nicht sofort als ihren Kandidaten erkennen dürften. Das als Chance zu sehen und sich optimistisch ins Rennen zu stürzen, ist eine große Aufgabe. Für eine echte (Aus-)Wahl im demokratischen Sinne kann es aber nur förderlich sein.

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