Rotenburger Schulen sehen sich unterschiedlich gewappnet

Der Weg zur Digitalisierung

Gut ein Drittel der neuen „iPads“ der Rotenburger Stadtschule konnten bisher eingerichtet werden. Der Weg zur Digitalisierung ist an den städtischen Schulen mitunter noch sehr weit – besonders in der Grafelschule bestehe noch Nachholbedarf.
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Gut ein Drittel der neuen „iPads“ der Rotenburger Stadtschule konnten bisher eingerichtet werden. Der Weg zur Digitalisierung ist an den städtischen Schulen mitunter noch sehr weit – besonders in der Grafelschule bestehe noch Nachholbedarf.

Rotenburg – 50 „iPads“ hat die Rotenburger Stadtschule vor einigen Wochen erhalten, 15 davon konnten bislang eingerichtet werden. Die Anschaffung war notwendig geworden, das hatten die vergangenen Monate bestätigt. Doch auch, wenn die Digitalisierung an den Schulen der Wümmestadt mal schneller, mal langsamer voranschreitet: Müssten Schulklassen oder ganze Schulen in Quarantäne, wären die Schulen dafür zum jetzigen Zeitpunkt entsprechend unterschiedlich gewappnet. Das ist in der jüngsten Schulausschusssitzung deutlich geworden.

Den Stein zur Diskussion ins Rollen gebracht hatte ein Antrag der FDP, in dem es darum ging, bereits beschlossene Digitalisierungspläne zu priorisieren und wo möglich, zu beschleunigen. Sie fordert „Laptops für alle Schüler“, um das Arbeiten von Zuhause aus in Krisenzeiten bedarfsgerecht zu ermöglichen, denn viele Familien würden über „äußerst begrenzte finanzielle Mittel verfügen“, heißt es in dem Schreiben. Das dürfe die Kinder nicht am digitalen Unterricht hindern. Kurzfristig hatte Frank Peters allerdings vor der Sitzung eine neue Antragsversion eingereicht, die zum Abend nicht alle Mitglieder gelesen hatten, weswegen Bürgermeister Andreas Weber (SPD) darum bat, den ersten Antrag zurückzuziehen.

Hintergrund war, dass die Verwaltung in der Zwischenzeit einen Sachstandsbericht zum Digitalpakt Schule vorgelegt hatte, der einiges klärte. Tobias Harms hatte dazu einen Schwung an Informationen vorbereitet. Er gab einen Überblick über die aktuelle Situation, wie die verfügbaren Mittel aufgeteilt werden, die Zusammenarbeit mit dem Landkreis und präsentierte aus dem Digitalpakt angestoßene oder geplante Projekte. An der Auflistung ist auch zu sehen, dass die Entwicklungszustände sehr unterschiedlich sind. Harms machte deutlich, dass es beim Digitalpakt Hindernisse gebe. „Wenn wir erst die Endgeräte abrufen, geht man davon aus, dass die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist. Danach gibt es keine Fördermöglichkeiten mehr.“ Da noch nicht alle Schulen auf dem gleichen Stand sind, heiße es, bedacht vorzugehen. Dazu mahnt auch Weber, es „ist wichtig, strategisch sinnvoll und nachhaltig vorzugehen“ – auf Basis dessen, was vorhanden ist.

Eltern- und Schülergespräche hätten zum Zeitpunkt der schrittweise aufgehobenen Schließung der Schulen den Eindruck erweckt, dass es hauptsächlich an Endgeräten mangele, so Peters. „Mittlerweile ist klar, dass der Antrag so nicht mehr sinnvoll ist, trotzdem nehmen wir wahr, dass individuell große Herausforderungen bestehen“, unterstrich er. Deswegen wolle man einen neuen Ansatz wählen, stellt den Antrag daher bis zur nächsten Sitzung zurück. So wandelte sich der Tagesordnungspunkt zum reinen Sachstandsbericht, zu dem die vier anwesenden Schulleiter Fragen beantworteten und aus ihrer praktischen Erfahrung berichteten.

Denn Endgeräte zur Verfügung zu stellen, sei nicht alles. Auch wenn die Schüler ein „iPad“ erhalten, müsse das heimische Umfeld passen. Das sei längst nicht bei allen gegeben, betonen sowohl Kantor-Helmke-Schulleiterin Catrin Cramme als auch die kommissarische Stadtschulleiterin Sandra Maskus. „Manche Familien haben keinen Drucker oder nicht mal W-Lan Zuhause“, erklärte Cramme, die sich ansonsten mit der digitalen Ausstattung ihrer Schule zufrieden zeigte, da man sich damit bereits früh auf den Weg gemacht hatte. „Iserv ist ein optimales Kommunikationsmittel in Corona-Zeiten.“ Lediglich die Außenstelle sei bisher nicht ausgestattet und schnelleres Internet wäre wünschenswert. „Wird es zeitgleich in den Klassen genutzt, wird es sehr langsam.“ Die jüngste Erfahrung habe aber gezeigt: „Die reine Digitalisierung ist nicht der Weg“, zumindest für den Grundschulbereich. Auch analog werde weiter Lernmaterial benötigt, „die Kinder müssen begreifen“, brauchen Lernmaterial zum Anfassen.

Auch Maskus hält eine Ausgabe per Hand für wichtig, wenngleich die Stadtschule mittlerweile über Iserv zur Vernetzung von Schülern, Eltern und Lehrern verfüge. „Für kleine Kinder ist das noch nichts. Und in unserem Einzugsgebiet haben wir Schwierigkeiten, alle zu erreichen“, thematisiert auch sie das in manchen Familien fehlende W-Lan. Für die Schule würde sie sich einen Glasfaseranschluss wünschen.

Vor allem aber in der Grafelschule „besteht Nachholbedarf“, räumte der Verwaltungschef ein. Dort laufen zwar ein paar Displays über Lan-Verbindung – „das soll ausgebaut werden“, so Schulleiter Marc Puschmann – und die Schule soll ans Glasfasernetz angeschlossen werden, es gibt aber noch einiges zu tun. „iPads“ oder Iserv hat die Schule bislang nicht, W-Lan hat das Lehrerzimmer über Repeater. „Wir hängen hinterher“, merkt Puschmann an. „Aber viele, gerade die jungen Kollegen, stehen in den Startlöchern.“

Die Schulen haben bei dem Weg zur Digitalisierung viel Eigenverantwortung, was erhalten bleiben soll. Zudem dürfe es keinen Bruch geben von der Grundschule in weiterführende Schulen, weswegen eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis wichtig sei. Dabei müssen auf diesem Weg die Lehrer mitgenommen werden und die pädagogischen Konzepte entsprechend eingerichtet. Genauso müssen aber auch die Eltern bedacht werden, die bei Unterricht Zuhause unter Doppelbelastung stehen. Es brauche daher Materialien, die die Schüler selbstständig bearbeiten können, so Cramme.

Die IGS habe sich dabei ebenfalls früh auf den Weg gemacht und verfüge laut Schulleiter Sven Thiemer über eine gute Ausstattung. Aber: Die Geräte aus der Anfangszeit stoßen so langsam an ihre Grenzen, die ersten Activboards laufen nicht mehr richtig. Und die zwei Standorte sind nicht miteinander vernetzt, was sich als Nachteil erwiesen habe. Auf eine eventuelle Quarantäne sei man technisch gut eingestellt, aber auch Thiemer sagt, dass man manche Schüler schlecht erreiche. „Und manchmal brauchen sie mehr Unterstützung.“

Puschmann hingegen vertritt diesbezüglich eine deutlich andere Meinung: „Wenn wir wieder schließen müssten, stehen wir da wie im März.“ Es gibt also noch einiges zu tun in Rotenburg. Aber ein Lob gab es zum Schluss von Weber: „Ich habe keine Beschwerden von Eltern bekommen, das zeigt mir, dass es eine gute Kommunikation zwischen Schule und Eltern gab.“

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