Vita Akademie hilft Migranten beim Weg ins Berufsleben

Der Weg zum Neustart

Seine Deutschkenntnisse verbessern für einen guten Job ist das Ziel von Bassel Osso (M.). Roueida Kara (v.l.), Christoph Kühling, Eike Holsten, Jochen Hannemann und Fritz Strunck hat er ein wenig aus seinem Leben erzählt.
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Seine Deutschkenntnisse verbessern für einen guten Job ist das Ziel von Bassel Osso (M.). Roueida Kara (v.l.), Christoph Kühling, Eike Holsten, Jochen Hannemann und Fritz Strunck hat er ein wenig aus seinem Leben erzählt.
  • Ann-Christin Beims
    vonAnn-Christin Beims
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Rotenburg – Bassel Osso ist ein ruhiger Mensch. Mit einem freundlichen Lächeln betritt er den Raum in der Vita Akademie, nebenan ist gerade Unterricht. Bescheiden, nennt ihn Jobcoach Fritz Strunk. Der Syrer ist mit seiner Familie seit 2014 in Deutschland und möchte seine Sprachkenntnisse weiter verbessern und einen Job finden. Gerne würde er wieder bei den Stadtwerken arbeiten können, wie in seiner Heimat. Aber dazu fehlen ihm weitere Deutschkenntnisse, das ist ihm bewusst. Und genau daran arbeitet er.

In Syrien war er Buchhalter bei den Stadtwerken. „Mit den Zahlen ist das kein Problem, die sind immer gleich“, sagt er. Aber Briefe schreiben müsse er ja auch. Zuhause würden sie viel Deutsch sprechen. Seine beiden Kinder, die nach den Ferien in die erste und zweite Klasse der Grundschule gehen, können das schon gut. „Ich lerne von ihnen“, sagt der 44-Jährige. „Schule allein hilft nicht.“ Nur seine Frau tue sich noch schwer. „Die deutsche Sprache ist wie ein Meer“, beschreibt er es. Aber Osso sei froh, dass er hier ist. „Rotenburg ist schön“, sagt er.

Osso ist damals mit seiner Familie die Flucht über die Grenze in die Türkei gelungen, von dort ging es per Flugzeug nach Deutschland. Einfach sei es nicht gewesen mit einem kleinen Kind und einer schwangeren Frau. Nach einem ersten Stopp in Schleswig-Holstein kamen sie 2019 nach Rotenburg. Hier hat Osso Familie, Cousins und seinen Bruder. „Hier können wir wieder ohne Angst schlafen“, sagt er. Kontakt hat er noch zu Freunden in der Heimat. Manche hätten keinen Strom, kein Essen und kein Wasser, erfährt er von ihnen. Nun möchte Osso wieder arbeiten. Bei Fricke habe er einen Job gefunden, etwa drei Monate im Lager – dann kam Corona und er musste gehen. Jetzt ist er wieder in der Vita Akademie, wo man sich im Rahmen des Projekts „Job Support“ bemühe, ihn wieder ins Berufsleben zu bringen, erzählt Strunk.

15 Teilnehmer können pro Maßnahme, die jeweils fünf bis sechs Monate dauert und Praktika enthält, teilnehmen. Sie werden vom Jobcenter des Landkreises geschickt und erhalten Jobcoaching und Sprachtraining. Das notwendige Rüstzeug für das Arbeitsleben. Dabei schauen Projektmanagerin Roueida Kara, Strunk und Dozent sowie Standortleiter Jochen Hannemann genau hin: Welche Kompetenzen, Erfahrungen und Interessen bringt der Teilnehmer mit? Auch ein gutes Netzwerk mit Arbeitgebern sei wichtig. „Wir spielen mit offenen Karten“, erklärt Christoph Kühling, Regionalleiter Hamburg und Bremen. Strunck nickt. Er ist bei den Wirtschaftssenioren, fragt bei Treffen, wer Leute sucht.

Trotz der Corona-Krise sei die Vermittlungsquote sogar etwas gestiegen, bei einer durchweg guten Anwesenheitsquote. Im vorigen Kurs habe sie bei 46 Prozent gelegen. Alle sozialversicherungspflichtig beschäftigt. „Wir bringen sie in Arbeit und begleiten sie, fragen nach und sie rufen uns an, wenn etwas ist“, erklärt Kara. Die Vita Akademie ist vor allem im ländlichen Raum vertreten, wie Kühling im Gespräch mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Eike Holsten erzählt, der sich vor Ort einen Überblick verschafft. Eines sei aber komfortabel: Mit 2,5 Stellen sei Rotenburg gut besetzt. Auch wenn das manchmal zur Debatte stehe, „der Staat spart, wenn die Leute in Lohn und Brot sind, dann rechnet sich das Personal allemal“, so Kühling.

Gerade für die, denen die Sprachkompetenz fehlt, sei der Unterricht wichtig. „Wir können viel individueller auf die Sprachlernbedürfnisse eingehen“, verdeutlicht Kara. Manche Teilnehmer seien in ihrem Leben nie in einer Schule gewesen. Auch sei es wichtig, im Vorfeld Gespräche zu führen. Außerdem müssten die psychosozialen Faktoren stimmen, etwaige Probleme sollten vorher gelöst werden. „Das erfordert auch Fingerspitzengefühl“, weiß die Projektmanagerin. Kontakte zu weiterführenden Sprachkursen wie etwa bei der VHS könnten sie vermitteln. Letztlich gelte aber: „Die Vermittlung in Arbeit ist das beste Integrationsmittel“, weiß Dozent Hannemann. Denn „dann lernen sie die Sprache manchmal sogar besser“.

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