Bäume leiden nach wie vor unter der Dürre und ihren Folgen

Der Wald braucht Wasser

Ein heftiger Sturm im Sommer 2020 hat in Hastedt und Hemsbünde ganze Wälder platt gemacht.
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Ein heftiger Sturm im Sommer 2020 hat in Hastedt und Hemsbünde ganze Wälder platt gemacht.

Rotenburg – Der aktuelle Waldzustandsbericht von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner spricht eine deutliche Sprache: Dem Wald geht es schlecht, der Zustand im vergangenen Jahr erweist sich als so miserabel wie nie zuvor seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Es ist ein Pauschalurteil – und zu berücksichtigen gilt dabei, dass es regionale Unterschiede gibt. Darauf weist Knut Sierk, Sprecher der Landesforsten, natürlich hin. Dennoch sagt er mit Blick auf die Waldbestände im südlichen Teil des Landkreises Rotenburg: „Die Situation ist kritisch. Wir können im Moment nur hoffen und beten, dass wir es über die Vegetationszeit hinweg mit reichlich Regen zu tun bekommen.“

Dürre in den vergangenen drei Jahren, dazu Sturmereignisse im Herbst 2017 und Frühjahr 2018 sowie im vergangenen Jahr haben für Probleme gesorgt. „Die Bäume dürsten und sind daher einerseits nicht mehr so vital, andererseits anfälliger für Sekundärschäden.“ Pilze, vor allem aber die Borkenkäfer wie Kupferstecher und Buchdrucker haben bei schwächelnden Bäumen leichtes Spiel. Zwar haben sie hier bei uns noch nicht so sehr zugeschlagen wie zuletzt im Harz sowie im Solling, aber punktuell machen sie den Förstern im Landkreis ebenfalls schon ordentlich zu schaffen. Noch bewertet Sierk die aktuelle Lage als kritisch, dramatisch könnte es allerdings werden, wenn die Borkenkäfer weiterhin gute Voraussetzungen vorfinden, um sich breitzumachen – wenn also die Dürreperiode nicht endlich durchbrochen wird.

Viele Zeitgenossen weisen immer wieder darauf hin, dass es in den vergangenen Monaten doch nicht nur viel Regen, sondern sogar Schnee gegeben habe. Aber, so Sierk, das alles reicht gerade einmal, um die Situation an der Oberfläche des Bodens zu verbessern. Junge Bäume könnten davon profitieren, nicht aber alte Bäume, die tief im Boden verwurzelt sind. „In einer Tiefe bis zu zwei Metern ist es trocken“, sagt der Experte der Landesforsten. Es fehle die Grundfeuchte. Folge bei den Buchen: Die Kronen werden schütter, viel mehr direktes Sonnenlicht trifft auf die eh schon dünne Rinde – „es entsteht ein Sonnenbrand und damit eine Eintrittpforte für Pilze“, erklärt Forstexperte die Prozesse.

Kennt sich im Wald bestens aus: Knut Sierk.

Alle Bäume leiden unter den zu trockenen Phasen. Und wenn wie im Herbst 2017 bei einem kräftigen Sturmereignis die Blätter noch nicht abgefallen sind, haben sogar Eichen ein massives Problem mit der Standfestigkeit. Zugleich spricht Sierk einen Teufelskreis an, der in der Dürre seinen Ausgangspunkt hat. Die Bäume verlieren an Vitalität, werden anfällig und von Sekundärschädlingen wie Insekten und Pilzen heimgesucht, sterben schließlich ab und hinterlassen Lücken. Konzentriert sich dieses Problem auf einen größeren Teilbereich des Waldes, verlieren die noch gesunden Bäume deutlich an Standfestigkeit bei Stürmen, für die eigentlich der Verbund sorgen würde.

Die Förster warten aber nicht, bis der Baum gänzlich abstirbt. Sierk: „Wir sind permanent unterwegs und beobachten den Wald, um festzustellen, wenn es einen Borkenkäferbefall gibt.“ Dann kommt die Motorsäge zum Einsatz, um betroffene Bäume und damit die Käfer sowie eine mögliche Brut aus dem Wald herauszuholen und eine Ausbreitung zu verhindern. Sauberes Wirtschaften könne helfen, „Brandherde“ vermeiden – so fasst Sierk die Grundidee zusammen

Kurzfristig bleiben den Förstern kaum andere Möglichkeiten, um zu reagieren oder was gegen die äußeren Einflüsse zu unternehmen. Ihre Arbeit ist langfristig angelegt. „Es geht dabei um Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte wie bei der Eiche, denn Wald ist ein langlebiger Lebensraum“, sagt Sierk.

Auf Grundlage einer Standortkartierung seien die Forstämter bestrebt, eine gezielte klimaangepasste Baumauswahl zu treffen – daran habe man zuletzt ergänzend gearbeitet. Sierk: „Dabei ist der Faktor der zunehmenden Wasserknappheit durch den Klimawandel schon eingearbeitet.“ Eine standortgerechter Baumauswahl soll am Ende für einen zukunftsfähigen Wald sorgen.

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff. Der Verbrauch in Deutschland ist hoch.

Vor diesem Hintergrund wird klar, worum es gehen muss aus Sicht derer, die den Wald bewirtschaften und pflegen. „Wir müssen den Klimawandel deutlich verlangsamen, stoppen können wir ihn nicht.“ Da müsse sich jeder an die eigene Nase fassen. Schließlich sei klar, dass sich Bäume nicht so schnell anpassen können – „sie brauchen viel Zeit dafür“.

Ein stabiler und damit zukunftsfähiger Wald sei das erklärte Ziel. Denn er erfülle nicht nur eine Schutzfunktion und biete Raum für Erholung, sondern er liefere eben auch einen nachwachsenden Rohstoff. Sierk spricht von einem Spagat und merkt das Konsumverhalten an: Pro Jahr würden bundesweit 76 Millionen Kubikmeter / Festmeter Holz geerntet, mehr als 100 Millionen Kubikmeter wachsen pro Jahr nach. „Also eine Vermehrung des Holzvorrats“, so Knut Sierk.

Aber: „Der bundesweite Holzverbrauch erreicht einen Wert von weit mehr als 100 Millionen Kubikmetern Holz.“ Im Klartext: Wir müssen Holz aus anderen Ländern zukaufen. Allein in Niedersachsen gibt mehr als 30 000 Hektar Naturwälder, in denen man gänzlich auf Waldpflege und Holznutzung verzichtet. Eine Erweiterung solcher Bereiche wünschen sich viele, aber wenn das Nutzholz im Land schon nicht für den eigenen Bedarf reicht, wäre es auch aus Sicht der Fachleute vermessen, diesen Schritt zu gehen. Der Landesforsten-Sprecher: „Damit würden wir am Ende das Problem doch nur ins Ausland verlagern.“

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