Gesundheitstrainerin Ines Stein lädt zum Waldbaden ein

Grüne Krafttankstelle

Eine Hand liegt auf einem Baumstamm.
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Wie fühlt sich die Baumrinde an? Sich ganz auf die Umgebung zu konzentrieren – darum geht es beim Waldbaden.

Zur Ruhe kommen, sich auf das Wesentliche zu fokussieren: Darauf kommt es beim Waldbaden an. „Das ist mehr, als einfach nur ,Bäume umarmen‘“, sagt Waldgesundheitstrainerin Ines Stein.

Lauenbrück – Wie sich Naturerlebnisse auf den menschlichen Körper auswirken – damit hat sich schon die Nonne Hildegard von Bingen im zwölften Jahrhundert beschäftigt, später im 19. Jahrhundert auch Sebastian Kneipp. „Und auch Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine haben sich bei ihren Reisen immer wieder bewusst in die Natur gesetzt“, sagt Ines Stein. „Heute lässt die moderne Welt kaum noch Freiraum, Zeit in der Natur zu verbringen.“ Ein Weg, um in der Natur Kraft zu tanken, ist für sie vor allem eines: Waldbaden.

„Mit einem Bad in einem Waldteich hat das allerdings nichts zu tun“, erklärt die Scheeßelerin mit einem Lachen. Eher „ein Bad in der Waldluft nehmen“ oder – noch besser – träfe die ursprüngliche Bezeichnung zu, denn das Konzept des Waldbadens stammt von einem Arzt aus Tokio. „Shinrin-yoku“ heißt es dort, was so viel bedeutet wie „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen“. „Das finde ich passender“, sagt Stein. Sie bietet als Waldgesundheitstrainerin entsprechende Kurse an, die Ausbildung hat sie im vergangenen Jahr im Allgäu beim Kneippärztebund in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München gemacht. „Mich hat der wissenschaftliche Hintergrund des Ganzen interessiert.“

Denn die positiven Empfindungen, die Menschen durch den bewussten Aufenthalt in der Natur seit Jahrhunderten erfahren, haben mittlerweile ein wissenschaftliches Fundament bekommen. „Waldbaden bedeutet, zur Ruhe zu kommen, zu lauschen, sich seiner Umgebung bewusst werden, sich auf die fünf Sinne zu fokussieren – und dabei sinken der Blutdruck und der Spiegel von Cortisol, einem Stresshormon“, erklärt Stein. Von woher kommen die Vogelstimmen? Wie rascheln die Blätter, klingt der Wind in den Bäumen, wie riecht das Maiglöckchenfeld, das frisch gemähte Gras?

Die Auswirkungen dieser gezielten Sinneseindrücke haben Ärzte in Japan anhand von Blutentnahmen beobachtet: „Menschen, die zwei bis drei Mal pro Woche in den Wald gehen, haben ein gestärktes Immunsystem“, ist Stein überzeugt. „Dieser Effekt stellt sich nach und nach ein, je öfter man das macht. Daher gibt es Waldbaden in Japan und Südkorea sogar auf Rezept.“

Allerdings: Aufenthalt im Wald ist nicht gleichbedeutend mit dem Waldbaden. „Viele verwechseln das mit dem Wandern im Wald. Aber während es beim Wandern immer noch irgendwie darum geht, Kilometer zu ,machen‘, kommen beim Waldbaden gerade mal zwei bis drei Kilometer innerhalb von zwei bis drei Stunden zusammen“, beschreibt Stein. Und auch nicht jeder Wald bietet sich dafür an: „Natürlich geht es erst einmal um eine Genehmigung. Immerhin geht es um die Haftungsfrage, falls jemand über einen umgestürzten Baum stolpert oder einen ein herabfallender Ast verletzt. Ist es ein öffentlicher oder ein Privatwald? Ist gerade Brut- und Setzzeit oder gibt es neue Anpflanzungen?“

Aber auch darüber hinaus gibt es Kriterien, die die Scheeßelerin im Blick hat: „Biodiversität spielt eine Rolle. Sehr gut für das Waldbaden sind Mischwälder mit Unterbewuchs, wie zum Beispiel Farn. Ist die Geräuschkulisse der Zivilisation möglichst weit weg, gibt es verschlungene Pfade? Und natürlich sollte kein stark frequentierter Wanderweg hindurch führen. Es soll ein Ort des Rückzugs sein, wo ich mich fallen lassen kann.“

Um die Wirkungen der Umgebung auszukosten, leitet Stein bei ihren Führungen und Kursen verschiedene Übungen an, unter anderem treten die Teilnehmer in Kontakt mit Bäumen: „Böse Zungen sagen immer: Bäume umarmen – mehr ist das nicht. Aber das ist nicht richtig“, betont Stein. „Es ist schon etwas Entspannendes, sich hinzusetzen und für zehn Minuten still mit dem Rücken an einen Baumstamm zu lehnen. Und wenn es sich dabei noch um einen schlankeren Stamm handelt, wie zum Beispiel eine Fichte oder Kiefer, spürt man, wie sich der Baum im Wind bewegt.“ Die Erdung spiele eine wichtige Rolle, so Stein. „Auch beim Yoga gibt es ja viele Übungen, die für das Verwurzeln stehen.“ Eine weitere Möglichkeit, um sich auf das Wesentliche der Umgebung zu konzentrieren, ist, ein Passepartout auf eine Wiese zu legen und sich fünf Minuten nur auf den einen Ausschnitt zu fokussieren. „Grün ist nicht gleich Grün, es lassen sich so viel besser unterschiedliche Farbschattierungen erkennen“, sagt Stein. „Und solche Dinge sind beim Vorbeijoggen nur schwer zu erkennen.“

Es muss zum Waldbaden nicht unbedingt Wald sein. Dass es auch anders geht, will Stein jetzt im Landpark Lauenbrück zeigen. Entweder früh am Morgen oder zum Abend hin plant sie Führungen, bei denen sich Effekte wie beim „klassischen Waldbaden“ einstellen sollen. „Wir beschäftigen uns schon länger mit der Frage, welche gesundheitlichen Auswirkungen Naturerleben hat“, erklärt Parkchef Friedrich-Michael von Schiller. Auch im Parkumfeld geht es darum, sich auf die Umgebung einzulassen – das beginnt mit Tautreten auf der morgenfeuchten Wiese, führt über das Laufen auf dem Barfußpfad und durch das Wasserbecken bis hin zum Froschkonzert am Teich und dem Schnuppern am Kräutern.

Egal, ob Wald oder Park, „wichtig ist, Gedanken an den Alltag vorher zurückzulassen und zur Ruhe zu kommen“, sagt Stein. „Dann wird spürbar: Der Wald ist eine Krafttankstelle.“

Naturerleben

Ines Stein bietet einen Schnupperkurs zum Thema „Naturerleben für Körper, Geist & Seele“ im Landpark Lauenbrück an. Termin ist am Sonntag, 13. Juni, von 8 bis 10 Uhr. Anmeldungen sind per E-Mail an sekretariat@landpark.de oder telefonisch unter 04267/954760 möglich.

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