Der Planetenretter

Bundestagswahl: Michael Kopatz aus Osnabrück tritt für die Grünen an

Als Direktkandidat im Wahlkreis Rotenburg I – Heidekreis tritt für die Grünen der Umweltwissenschaftler Michael Kopatz aus Osnabrück an.
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Als Direktkandidat im Wahlkreis Rotenburg I – Heidekreis tritt für die Grünen der Umweltwissenschaftler Michael Kopatz aus Osnabrück an.

Rotenburg – Mit einer Viertelstunde Verspätung kommt Michael Kopatz zum vereinbarten Termin. Treffpunkt: das Cafesito am Pferdemarkt. Wegen des Lokführerstreiks habe er nicht wie geplant mit dem Zug nach Rotenburg kommen können, sondern kurzfristig aufs Carsharing-Auto umsatteln müssen, entschuldigt sich der 50-Jährige für sein verzögertes Erscheinen.

Es sei ihm natürlich verziehen. Bevor das Gespräch mit unserer Zeitung beginnen kann, bestellt Kopatz noch fix den Antipasti-Teller und ein alkoholfreies Bier. „Alkoholfreies haben wir leider nicht“, meint die Kellnerin. Der hochgewachsene Mann, den die hiesigen Grünen als Direktkandidaten im Wahlkreis „Rotenburg I – Heidekreis“ bei der Bundestagswahl Ende September ins Rennen schicken, muss schon wieder umsatteln. „Dann nehme ich halt ein Wasser, aber bitte mit Blubber.“

So ein Wahlkampf macht ja irgendwann auch mal durstig – und hungrig. Und kämpfen, das wisse er selbst, müsse er natürlich, um gegen einen Lars Klingbeil von der SPD zu bestehen. „Ich weiß natürlich um meinen starken Gegner, davon lasse ich mich aber nicht einschüchtern“, sagt der Umweltwissenschaftler aus dem fernen Osnabrück. Gerade Klimaschutz sei ja gegenwärtig ein zentrales Thema – „da habe ich, glaube ich, ganz realistische Chancen.“

Tatsächlich ist Kopatz diesbezüglich einer vom Fach. Seine Brötchen verdient der studierte Sozialwissenschaftler mit Schwerpunkt Umweltplanung am Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie. Ebenso hat er schon zahlreiche Bücher geschrieben. In seinem bekanntesten Werk, das den Titel „Ökoroutine“ trägt, plädiert der Kandidat für eine Politik, mit der innovative Standards in Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien festgelegt werden. Außerdem ist Kopatz zu den Themen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ein bundesweit gefragter Gastredner. „60 bis 80 Vorträge halte ich pro Jahr, wegen Covid war das aber jetzt erst mal nicht mehr möglich.“ Und: Ins Studio vom ZDF-„heute journal“ sei er auch schon mal eingeladen worden – natürlich in der Funktion des Umweltexperten. Wie er seine vielschichtige Forschungsarbeit in einem Wort zusammenfassen würde? „Planetenrettung“, lautet prompt seine Antwort. Und für die würde er natürlich auch als Bundestagsabgeordneter weiterhin eintreten.

Bei den Grünen ist der Osnabrücker seit 2013. Mehr als 20 Jahre habe er davor ein SPD-Parteibuch besessen. Zum Bruch sei es damals so gekommen: „Ich dachte immer, dass man grüne Themen auch in der SPD anpacken kann, aber ihre Betonpolitik, insbesondere beim Thema Straßenbau, hat mich immer mehr frustriert.“ Woher sein politisches Interesse überhaupt rührt? „Als Wissenschaftler wollte ich nicht immer nur nette Papiere schreiben, was an sich ja gut ist, aber ich wollte ein anderes Gefühl von Selbstwirksamkeit erzeugen.“ Man könne eben nicht immer nur andere Leute dazu ermuntern, Dinge zu verändern, aber selbst nichts machen, befindet der Vater von zwei erwachsenen Töchtern.

Seit der letzten Kommunalwahl sitzt Michael Kopatz so auch im Rat seiner Heimatstadt. Dann, vor gut einem Jahr, sei er von seinem Osnabrücker Parteivorstand gefragt worden, ob er sich nicht vorstellen könne, für das Berliner Parlament zu kandidieren. Er konnte – musste sich aber seinem grünen Mitbewerber bei der obligatorischen Aufstellungsversammlung geschlagen geben. Wie es jetzt doch noch mit einer Kandidatur geklappt hat? „Einen Wahlkreis habe ich mir selbst gar nicht gesucht – ich bin vom Heidekreis gefragt worden.“

Ich weiß natürlich um meinen starken Gegner, davon lasse ich mich aber nicht einschüchtern.

Michael Kopatz über Lars Klingbeil von der SPD

Im Februar habe er sich so erneut aufstellen lassen, damals in Visselhövede. Und siehe da: Kopatz konnte sich plötzlich gegenüber dem vom Rotenburger Kreisverband ins Rennen geschickten Gegenkandidaten bei der Abstimmung mit großer Mehrheit behaupten. „Das hat mich natürlich unheimlich gefreut“, sagt er. Dass ein Osnabrücker nun über das Wählervotum im Rotenburger Altkreis beziehungsweise im Heidekreis das Direktmandat holen soll – darin sieht er keinen Konflikt. „Es gibt so viele andere Beispiele, auch prominente, wo das in anderen Wahlkreisen schon der Fall war und die Kandidaten es am Ende geschafft haben.“

Trotzdem: In Rotenburg und umzu lässt sich der Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen, der eigenen Angaben nach kein eigenes Auto besitzt, bisher recht selten blicken. Und wenn, dann zumeist als Protagonist auf Podiumsdiskussionen. Erst neulich war Kopatz beim Landvolk Rotenburg-Verden auf einer solchen Veranstaltung zu Gast. Das persönliche Gespräch mit den Bürgern auf der Straße sucht er dagegen weniger. „Ich setze da auch viel auf die Zeitungen, über die ich mich und meine Ziele vorstellen kann.“

Darum auch heute das Gespräch im Cafesito. Ein Gespräch, in dem der Wissenschaftler in ihm natürlich immer wieder durchblitzt. Kopatz spricht von der Fridays- for-Future-Bewegung als kritische Masse, die etwas verändern kann. Das gefällt ihm. Er spricht davon, dass die Menschen durch moralische Appelle ihr Verhalten, etwa beim Fleischkonsum oder bei der Mobilität, nicht ändern würden, nein, die Rahmenbedingungen seien es, die verändert werden müssten. Auch auf das Wirtschaftswachstum kommt er zu sprechen. Das sei aus seiner Sicht per se gar nicht mal so schlecht. „Klar, wenn der Kohlestrom wächst oder Autos mit Verbrennungsmotoren mehr werden, ist das ein Problem, aber andere Dinge wie erneuerbare Energien und der Nahverkehr müssen wachsen – wie alles, was dazu beiträgt, dass wir auf diesem Planeten in einer Balance leben können.“

Wenn er das Direktmandat in gut drei Wochen tatsächlich ergattern sollte, dann würde er in Zukunft auch regelmäßiger nach Rotenburg kommen, verspricht der Wahlkämpfer. In ein Büro, das seine Partei ihm dann zur Verfügung stellen würde. Was er, der viel beschäftigte Wissenschaftler, tut, um zwischendrin mal ein paar Gänge runterzuschalten? „Ich schwimme und gehe auf Wanderschaft – und auch Dokus schaue ich mir gerne an.“ Natürlich müssten die aber immer etwas mit Natur und Umwelt zu tun haben.

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