Stadt will Durchgangsverkehr beenden

Rotenburger Goethestraße soll gesperrt werden - zunächst auf Probe

Die Goethestraße in Rotenburg
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Hinter dem Zebrastreifen der Goethetraße ließe sich die Sperre platzieren.

Rotenburg – Der Durchgangsverkehr ist ein großer Teil des Problems. Ließe sich dieser aus der Goethestraße heraushalten, wäre eine Entspannung möglich. Genau das will die Stadt Rotenburg testen. In seiner Sitzung am Donnerstag kommender Woche beschäftigt sich der Ausschuss für Straßen- und Tiefbau mit dem Plan, die Goethestraße probehalber vom 3. Mai bis zum 30. September für den Durchgangsverkehr zu sperren.

Bürgermeister Andreas Weber (SPD) weiß, dass es Bedenken gibt. „Aber diese Probephase kann diese Bedenken ausräumen“, sagt er. Mit der Sperrung verlagert sich der Verkehr zusätzlich auf die Burgstraße, auf die Aalter Allee sowie auf die Glockengießerstraße. Während es dann auf der Goethestraße ruhiger wird, ergibt sich an anderer Stelle eine zusätzliche Belastung, befürchten nicht wenige Rotenburger.

Die CDU hat sich noch nicht positioniert, erklärt deren Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, Tilman Purrucker, auf Anfrage. „Wir bereiten die Sitzung Anfang der nächsten Woche in der Fraktion vor.“

Der Versuch ist ergebnisoffen. Geht er problemlos über die Bühne, hält der Bürgermeister eine dauerhafte Sperrung bis zum fest ins Auge gefassten Umbau der Goethestraße für möglich. „Allen ist bewusst, dass dort etwas gemacht werden muss.“ Die CDU habe bereits im vergangenen Jahr gefordert, aus der Goethestraße eine Fahrradstraße zu machen. Daraus, so Purrucker, ließe sich aber nicht zwangsläufig eine Zustimmung zur Probephase ableiten. Grundlage für den jetzigen Vorstoß ist eine vom Niedersächsischen Umweltministerium finanzierte Impulsberatung gewesen. Hintergrund: Auf und an diesem Straßenzug von Goethestraße und Bergstraße kommt es zu vielen Fahrradunfällen. Die Experten aus Bremen, die den Fachausschuss im Herbst beraten haben, sehen großen Handlungsbedarf zur Erhöhung der Verkehrssicherheit.

Das Miteinander von Radfahrern und Autos auf der Goethestraße klappt nicht so gut wie gewünscht. Außerdem gibt es für Radfahrer gefährliche Stellen zwischen Fahrbahn und Fahrradstreifen.

In dem Bericht hat das Fachbüro aufgrund der erfolgten Zählungen festgestellt, dass lediglich 50 Prozent des tatsächlichen Fahrzeugverkehrs Ziel- und Quellverkehr der Rotenburger Innenstadt darstellt, und somit jedes zweite Fahrzeug die Goethestraße lediglich als Abkürzung nutzt. Konsequente Empfehlung des Planungsbüros sei daher die Sperrung der Goethestraße für diesen unerwünschten Durchgangsverkehr, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Weber spricht von einer Aufwertung dieses innerstädtischen Bereiches für die Allgemeinheit sowie von einer deutlichen Steigerung der Wohn- und Lebensqualität. „Überraschenderweise war im Zuge dieser Zählungen ebenfalls festgestellt worden, dass der Anteil der Radfahrenden in diesem Straßenzug – zumindest zu diesem Zeitpunkt – bereits so hoch ist, dass er annähernd mit der Anzahl des verbleibenden Ziel- und Quellverkehrs übereinstimmt“, teilt die Verwaltung den Kommunalpolitikern im Vorfeld der Sitzung mit. Die bereits schon länger in der Diskussion stehende Einrichtung einer Fahrradstraße sei daher durchaus entsprechend der strengen Vorgaben der Straßenverkehrsordnung möglich.

Wie aber könnte eine Sperrung aussehen? Vorstellbar wäre aus Sicht Webers eine provisorische Sperre direkt hinter dem vorhandenen Fußgängerüberweg – also zwischen den Einmündungen Kirchstraße und Am Kirchhof. Damit ließe sich über die Goethestraße die Bergstraße nicht mehr erreichen – vorbei wäre es mit der Abkürzung.

Nach Bekanntwerden der Ergebnisse des Planungsbüros seien Gespräche mit dem Rettungsdienst und dem Bürgerbusverein geführt woreen, heißt es. Erstaunlicherweise überlege der Bürgerbus-Verein schon länger, nicht mehr über die Goethestraße zu fahren, sondern die alternative Strecke über Aalterallee / Glockengießerstraße zu nutzen. Der Rettungsdienstes habe klargestellt, dass grundsätzlich keine Probleme mit der vorgestellten Sperrung bestehen.

Mit Blick auf den Plan erinnert Weber im Gespräch mit unserer Redaktion an die dreitägige Vollsperrung der Goethestraße Anfang Januar, weil dort zehn Bäume zu fällen waren. Die Folgen seien kaum spürbar gewesen, meint er.

FDP will auch Kirchstraße für Autos sperren lassen

Mit Unterstützung bei dem Vorhaben der Stadt kann Andreas Weber von der FDP rechnen: „Es wird höchste Zeit, dass der katastrophale Zustand untersucht und beendet wird“, sagt deren Ratsmitglied Gunter Schwedesky. Den Versuch mit der Sperrung für den Durchgangsverkehr halte er für sinnvoll. Und die Liberalen wollen sogar mehr: Sie verlangen in einem Antrag vom Freitag zu prüfen, ob die Kirchstraße zur gleichen Zeit für den Durchgangsverkehr gesperrt werden kann. „Gleichzeitig bietet sich dadurch die Chance, den Autoverkehr in der Fußgängerzone zun reduzieren“, schreibt FDP-Ratsherr Gunter Schwedesky. Mittelfristig müsse der Verkehr aus der Innenstadt heraus. Dabei seien Anwohner und Geschäftsleute „mitzunehmen“. der Ortsverbandesvorsitzende Alexander Künzle: „Deshalb haben wir explizit nur die Prüfung unter ihrer Einbeziehung verlangt.“ Die Sperrung der Goethestraße biete nun die Gelegenheit auszuprobieren, wie eine autofreie Innenstadt funktionieren kann. Die FDP schlägt eine Sperrung der Kirchstraße ab Hausnummer 7 bzw. 12 bis zur Einmündung Nödenstraße vor.

Uwe Lüttjohann (SPD) als stellvertretender Vorsitzender des zuständigen Ausschusses betont: „Wir stehen neuen Ideen immer positiv gegenüber. Daher plädieren wir auch zu dieser Probephase von Mai bis September.“ Es gehe schließlich darum, Erkenntnisse zu gewinnen, ob die Sperrung der Fahrzeugverkehr in der Stadt stark beeinträchtigt. Zugleich gehe auch um die Frage, wie es den Geschäftsleuten und der Allgemeinheit damit geht. Lüttjohann: „Zwischendurch möchten wir aber auch eine Zwischenbilanz haben.“

Für alle Rotenburger, die in der Lage sind, Fahrad zu fahren, sollte es so selbstverständlich werden wie Zähneputzen.

Elisabeth Dembowski

Noch deutlicher wird Elisabeth Dembowski (Die Grünen): „Der Schritt zum Handel ist überfällig und durch die neue Gesetzgebug zur Abstandsicherung gesetzlich gefordert.“ Die gemeinsame Nutzung der Strasse für Radfahrer und Autos sei längst nicht bei allen Autofahren akzeptiert. Dembowski: „Ich spreche aus Erfahrung.“ Es seien ihrer Ansicht nach Maßnahmen nötig, um die objektive Sicherheit zu gewährleisten, inklusive einer Fahrbahnverbesserung. „Wir wollen nicht nur eine Komfortzone für Radler, sondern auch eine Belebung des Straßenzuges durch mehr Aufenthaltsqualität, weniger Lärm, mehr Sicherheit, mehr Lebensraum – das verschafft auch den Geschäftinhabern und Anwohnern Vorteile“, sagt die Ratsfrau.

Dembowski Wunsch für die Stadt Rotenburg: „Für alle Rotenburger, die in der Lage sind, Fahrad zu fahren, sollte es so selbstverständlich werden wie Zähneputzen – und das mit der nötigen Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer.“

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