BUND-Chef Manfred Radtke über das richtige Wässern im Garten

„Der frühe Morgen ist ideal“

Immer mehr Landwirte müssen in den trockenen Sommern ihre Felder aufwendig beregnen. Auch der Rasen der Sportplätze braucht viel Wasser. Oft wird aber in gleißender Sonne beregnet. Das ist nicht effektiv.
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Immer mehr Landwirte müssen in den trockenen Sommern ihre Felder aufwendig beregnen. Auch der Rasen der Sportplätze braucht viel Wasser. Oft wird aber in gleißender Sonne beregnet. Das ist nicht effektiv.

Rotenburg – Es ist Anfang August, quasi Hochsommer. Die Sonne knallt vom Himmel, die Menschen brauchen regelmäßig Erfrischungen. Und auch die Pflanzen brauchen Hege und Pflege und vor allem viel Wasser, damit sie nicht durchhängen, oder gar vertrocknen. Nicht nur Gartenfans sieht man quer durch die Region mit Schläuchen und Regnern hantieren, sondern auf Sportplätzen sind unzählige Anlagen aktiv und auf den Feldern mussten die Bauern tiefe Löcher bohren, um Grundwasser zu fördern, das mit modernen Maschinen auf Kartoffeln und Co. niederregnet. Aber allzu oft werden nicht nur kleine Gärten, sondern auch riesige Flächen in der prallen Sonne mit dem kostbaren Nass benetzt. Das kann doch irgendwie nicht richtig sein? Wir haben nachgefragt bei Manfred Radtke, Vorsitzender des BUND Rotenburg, was und vor allem wie gegossen werden sollte.

Mittags brennt die Sonne vom Himmel und trotzdem sieht man Menschen in ihren Gärten stehen, die die Blumen oder auch den Rasen wässern. Ist das die richtige Zeit?

Wenn man zuviel Geld hat, kann man bei Sonnenschein wässern. Das geht nämlich ordentlich ins Wassergeld, weil ein Großteil der Feuchtigkeit verdunstet. Im Ernst: Auch Pflanzen können einen Sonnenbrand bekommen. Die Tropfen auf den Blättern wirken dann wie Brenngläser und können die Pflanze sogar schädigen. Die Blätter verfärben sich weiß oder braun, es entstehen sogenannte Brandflecken. Daher niemals bei Sonnenschein wässern, das ist für die Pflanzen ein richtiger Temperaturschock.

Wann ist es denn der geeignete Zeitpunkt?

Die beste Zeit ist nachts zwischen drei und vier Uhr, dann ist der Boden am kühlsten. Das macht aber natürlich niemand. Daher möglichst früh am Morgen gießen, das ist ideal. Bei einer ausreichenden Menge sickert das Wasser durch den Boden bis zu den Wurzeln der Pflanzen. Wer abends gießt und das eventuell überaus reichlich, riskiert, dass die Pflanzen nachts in nasser Erde stehen und die Wurzeln anfangen zu faulen.

Können Stauden und Co. auch mal ohne Wasser auskommen?

Das hängt davon ab, wie lange die Trockenperiode dauert und um welche Pflanzen es sich handelt. Wenn sie trockene Standorte lieben wie Thymian, Oregano, Lavendel, Salbei, Natternkopf, Edeldisteln oder Sedum-Arten wie Fetthenne, können sie mehrere Wochen ohne Wasser auskommen. Vielen anderen Stauden hilft außerdem eine gute Humusversorgung, dadurch wird die Speicherfähigkeit des Bodens nämlich erheblich verbessert. Bei Gemüsepflanzen ist eine Mulchschicht sinnvoll, zum Beispiel mit Rasenschnitt. Das fördert das Bodenlebewesen und verhindert große Temperaturschwankungen. Rindenmulch oder Holzhackschnitzel sollte man nicht nehmen, weil beim Verrotten Stickstoff aus dem Boden gezogen wird. Hat man nackten Boden und es hat heftig geregnet, sollte man die oberen Zentimeter auflockern. Das vermindert das Verdunsten des Wassers.

Ist jeden Tag ein bisschen gießen wichtig oder besser alle drei Tage das Beet fluten?

Wie oft man gießen sollte, hängt außer von den Ansprüchen der Pflanzen von der Bodenbeschaffenheit ab. Bei wasserdurchlässigen Böden und Pflanzen mit normalen Ansprüchen ist sicher öfter zu gießen als bei Böden, die Wasser besser speichern können. Entscheidend ist, dass beim Gießen so viel Wasser verwendet wird, dass es die Wurzeln erreicht. Das Fluten eines Beetes ist natürlich nicht zu empfehlen.

Wie viel Wasser pro Baum, Quadratmeter Rasen oder pro Blume?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Das hängt von der Bodenbeschaffenheit und natürlich von den Pflanzen ab. Entscheidend ist wie bereits erwähnt immer: So viel wässern, dass das Wasser die Wurzeln der Pflanzen erreicht.

Besser in einem Zug oder langsam und stetig gießen?

Ist der Boden komplett trocken, nimmt er Wasser nur schlecht an. Das gilt vor allem dann, wenn er mit sogenannter Blumenerde verbessert wurde. Die enthält in vielen Fällen immer noch einen großen Anteil Torf. Der macht aber den Boden saurer. Für die meisten Pflanzen ist genau das aber gar nicht gut. In solchen Fällen lieber zwei oder drei Mal kurz anwässern und zwischendurch den Boden etwas auflockern. Wenn man dann stärker gießt, nimmt der Boden das Wasser besser an.

Was ist besser geeignet: Gießkanne oder Regner?

Das hängt von der Größe der Fläche ab. Eine große Rasenfläche kann man natürlich schlecht mit der Gießkanne wässern, das geht nur mit einem Regner. Bei Blumenbeeten reicht eine Gießkanne.

Besser das Wasser aus dem Hahn oder aus der Regenwasser-Sammeltonne?

Wenn man die Möglichkeit hat, Regenwasser in einer Tonne zu sammeln, sollte man das unbedingt machen. Das spart Geld und vor allem auch kostbares Trinkwasser.

Wie sollten die Hobbygärtner gießen: Direkt von oben oder eher von der Seite?

Um die Pflanzen generell vor einem Temperaturschock zu schützen, sollte man immer direkt an die Wurzeln gießen. Also besser von der Seite.

Gelten die genannten Empfehlungen auch für Sportplätze, oder was ist für die weitläufige Rasenflächen gut?

Es ist immer so viel zu wässern, dass das Wasser die Wurzeln erreicht. Das kann mit einem Spaten schnell mal testen. Für große Flächen ist immer ein Beregner erforderlich.

Und die Landwirte? Wie sollten die ihre Ackerflächen beregnen?

Das ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Beregnung macht zum Beispiel bei Kartoffeln Sinn, bei anderen Pflanzen bringt es manchmal nicht viel. Problematisch wird die Beregnung in Zeiten des Klimawandels. Die vergangenen trockenen Jahre haben gezeigt, dass es zu einem Verteilungskampf zwischen Landwirtschaft, Wasserversorgern und Naturschutz kommen kann. In der Vergangenheit ging es immer nur darum, das Wasser schnell abzuführen. Zu diesem Zweck wurden Gewässer ausgebaut und auch kanalisiert. Auch bei der heutigen Form der Gewässerunterhaltung hat der Wasserabfluss immer noch Priorität. Wegen des Klimawandels, der die Landwirtschaft stark belastet, wird jetzt verstärkt darüber nachgedacht, wie man das Wasser in der Fläche halten kann.  jw

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