Rotenburgs ehemaliger Bürgermeister Detlef Eichinger erinnert sich

Der Erste im Hauptamt seit 1195

Detlef Eichinger und Jutta
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Detlef Eichinger mit Ehefrau Jutta im heimischen Garten. Politisch hat sich Eichinger nach der verlorenen Wahl 2014 gegen Andreas Weber zurückgezogen.

Rotenburg – Wie denken Rotenburgs ehemalige Bürgermeister über ihre Amtszeit, was hat sie gefreut oder geärgert, worauf kommt es in diesem Amt an? In einer kleinen Serie lassen wir vier ehemalige Rotenburger Bürgermeister zu Wort kommen.

Dritter im Bunde der ehemaligen Bürgermeister ist Detlef Eichinger. Eichinger wurde 1955 in Stade geboren, war Berufssoldat und zuletzt als Standortältester in der Rotenburger Kaserne tätig. Seine Amtszeit als erster hauptamtlicher und parteiloser, aber von der CDU nominierter Bürgermeister erstreckt sich von 2001 bis 2014. Eichinger lebt heute noch in Rotenburg.

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf Ihre Jahre als Bürgermeister der Stadt Rotenburg zurück?

Ich habe meine Amtszeit geliebt und gelebt. Und es war mir wichtig, parteilos zu sein. Das macht offen in alle Richtungen und Ideen. Und wenn Ideen gut waren, galt möglichst mein Motto: „Geht nicht, gibt’s nicht!“

Was hat Sie damals motiviert, dieses Amt anzutreten?

Ich kam 1998 als Kommandeur des Fernmeldebataillons nach Rotenburg. In diesem Beruf war ich schon bald in Rotenburgs Wirtschaft und Bevölkerung vernetzt, und ich wurde Standortältester der damaligen Lent-Kaserne. Als 2001 die Wahl zum neuen Bürgermeister anstand, wurde ich direkt auf dieses Amt angesprochen. Es war dann eine ganz bewusste Entscheidung, die ich gemeinsam mit meiner Familie getroffen habe. Es muss einem klar sein, dass der Beruf des Bürgermeisters 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag wahrgenommen wird. Den machst Du ganz oder gar nicht. Ich war übrigens der erste hauptamtliche Bürgermeister in Rotenburg seit 1195 (lacht).

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Was waren die größten Herausforderungen Ihrer Amtszeit?

Spontan fällt mir da die große Überschwemmung 2002 ein. Ich war damals in Schwäbisch Hall im Urlaub und bekam früh morgens einen Anruf aus dem Rathaus von meinem Stellvertreter. Es hieß, die Stadt stehe unter Wasser. Ich wollte so schnell wie möglich in Rotenburg sein und hab mich auf halber Strecke mit dem Flugzeug abholen lassen. Es ging schließlich auch um existenzielle Not bei einigen Rotenburgern. Das Problem musste abgestellt werden, und ich war schnell vor Ort, um zu helfen. Dabei kam mir natürlich die Erfahrung aus meiner Bundeswehrzeit zugute.

„Mir war es wichtig, keine zu hohen Hierarchien zu sehen und allen auf Augenhöhe zu begegnen. Ich habe den Menschen zugehört und jeden einzelnen ernstgenommen“, sagt Eichinger. Sein Bild hängt auch in der „Ahnengalerie“ im Rathaus.

Worüber haben Sie sich besonders geärgert?

Wenn Menschen geglaubt haben, ich sei käuflich. Das kam für mich nicht in Frage, daher auch meine Parteilosigkeit. Ich wollte in meinen Entscheidungen unabhängig und nicht fremdgelenkt sein. Geärgert hat mich auch, wenn Menschen sich von ihren Ideologien nicht lösen konnten, um etwas Neues anzufangen.

Was waren schönste Momente?

Es gab so viele, aber natürlich ist mir die WM von 2006 sehr lebhaft in Erinnerung. Der Sommer war fantastisch, und wir hatten die Mannschaft von Trinidad und Tobago zu Gast in der Stadt. Das war ein unglaubliches Erlebnis von Völkerverständigung und Party in Rotenburg. 2007 wurde mir dann stellvertretend für alle Rotenburger und Rotenburgerinnen der Ehren-Schlüssel der Hauptstadt Port of Spain verliehen, weil man Rotenburg und seine Bürger als so gastfreundlich erlebt hat. Diese Idee, dass die Außenseiter-Mannschaft der WM nach Rotenburg kommen wollte, war einfach sympathisch. Und klar, die kann nur gemeinsam bewältigt werden, und wir haben ein großes Miteinander in Rathaus und Stadt erlebt. Das ging nur mit allen zusammen und vor allem parteiübergreifend.

Welche Eigenschaften muss ein geeigneter Kandidat für den Job des Bürgermeisters mitbringen?

Zunächst brauchst Du Lebenserfahrung und ein gesundes Selbstbewusstsein. Du musst bei Widerständen viel aushalten, geradlinig und ehrlich sein. Du brauchst natürlich Führungsqualität und solltest alle Mitstreiter mit einbeziehen. Mir war es wichtig, keine zu hohen Hierarchien zu sehen und allen auf Augenhöhe zu begegnen. Ich habe den Menschen zugehört und jeden einzelnen ernstgenommen. Und ganz klar, als Bürgermeister kannst und willst du es nicht jedem recht machen. Du stehst für manche immer in der Kritik. Mein persönlicher Schutzmechanismus war damals: Morgens den Neopren-Anzug anziehen und abends wieder ablegen, damit persönliche Verletzungen im Laufe des Tages an dir abperlen. Wichtig ist, das eigene Verhalten zu reflektieren und in der Lage zu sein, über sich selber auch mal zu lachen. Übrigens, wenn man das so wichtige Amt einer Stadt besetzen will, dann muss man wissen, dass mehr als eine Wahlperiode aufgebracht werden muss, um wesentliche Akzente nachhaltig einbringen zu können.

Lesen Sie auch die ersten beiden Teile dieser kleinen Serie: Die Geschichte mit Jürgen Jürgensen und die mit Heinz-Günter Bargfrede!

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