50 Demonstranten beteiligen sich an Aktion in der Fußgängerzone

Demonstration in Rotenburg: Klares Zeichen gegen Rassismus

Das Engagement soll sichtbar sein – was nicht schwierig war mit dem 100 Meter langen Banner.
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Das Engagement soll sichtbar sein – was nicht schwierig war mit dem 100 Meter langen Banner.

Rotenburg – Mit einem roten, rund 100 Meter langen Band quer durch die Fußgängerzone haben rund 50 Teilnehmer einer Demonstration am Samstag in Rotenburg ein deutlich sichtbares Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz gesetzt. Es war das zweite Mal binnen drei Jahren, dass der internationale Tag gegen Rassismus in Rotenburg gefeiert wurde.

Ins Leben gerufen wurde die Aktion von dem Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“. Stephan Klingbeil als Sprecher des Bündnisses: „Mit dem Aufruf wollten wir uns der internationalen Woche gegen Rassismus anschließen, welche derzeit in vielen Großstädten und der ganzen Welt Einzug hält.“

Das Thema sei überall allgegenwärtig, das habe man nicht zuletzt im vergangenen Jahr durch die Tötung George Floyds in den USA gesehen. Auch regional haben Leute alltäglich mit Rassismus zu kämpfen: von verachtenden Blicken über abwertende Bemerkungen und menschenfeindlichen Aufklebern im Stadtgebiet bis hin zu rassistischen Pöbeleien auf der Straße. „Mit der Aktion möchten wir darauf aufmerksam machen und für ein solidarisches Miteinander kämpfen“ so Klingbeil, der auch Kreisvorsitzender der Partei Die Linke ist.

Das Bündnis wurde vor knapp drei Jahren gegründet und hatte bereits im März 2019 zu einer Demonstration aufgerufen, an der rund 250 Menschen teilnahmen. In diesem Jahr sei der Teilnehmeranklang zwar nicht wieder so groß gewesen, aber aufgrund des kalten Wetters und der aktuellen Corona-Situation hatte sich das Bündnis schon im Vorfeld darauf eingestellt. „Wir sind froh, dass wir überhaupt eine Demo veranstalten durften und sich letztlich doch so viele Teilnehmer engagiert zeigten“. Es sei wichtig, gegen den Rechtsextremismus vorzugehen und vor allem rechtspopulistischen Parteien wie der AfD die Stirn zu bieten. „Wir wollen, dass Rotenburg eine Stadt der Vielen ist, in der alle gleich wichtig sind und in der wir aufeinander achtgeben.“

Um dieses Zeichen zu setzen, trugen die rund 50 Demonstranten ein rotes 100 Meter langes Banner vom Neuen Markt bis hin zum Rathaus. Damit sollte verdeutlicht werden, dass die Linie der gesellschaftlichen Akzeptanz neu gezogen werden muss und die rote Linie nicht überschritten werden darf. Daraus bildet sich auch eine der Kernaussagen des diesjährigen internationalen Tages gegen Rassismus: eine rote Linie gegen Rassismus und Hetze. Das Banner wurde durch Spenden finanziert. „Es ist doch einiges zusammengekommen“, freute sich Klingbeil. „Wir haben auch keine festen Strukturen wie im Verein, sondern jeder kann unterstützen wann, wie und auf welche Weise er möchte“.

Klingbeil selbst ist seit einigen Jahren recht rege politisch aktiv und möchte bei den Bewohnern ein allgemeines Bewusstsein über die Situation schaffen. „Ich sage gerne, ich bin ein kultureller Geflüchteter aus einer konservativen Hochburg“ lacht der Organisator. „Ich bin seit einigen Jahren in Rotenburg wohnhaft und fühle mich hier sehr wohl, vor allem, weil ich hier ein riesengroßes Umfeld habe, das eben liberal unterwegs ist und die vielfältige Gesellschaft lebt“. Dennoch falle dem Bündnis immer häufiger auf, dass es auch lokal immer wieder zu Fremdenhass und Ausgrenzung kommt. Im vergangenen Jahr gab es den Brandanschlag in Gnarrenburg, der bis heute nicht aufgeklärt sei, und auch in Syke sowie anderen Orten gab es Anschläge. Jedes Mal seien dabei insbesondere Restaurants von Geflüchteten aus Syrien angegriffen worden. Mittlerweile gebe es auch immer mehr Berichte über das sogenannte „Racial Profiling“. Unterstützer des Bündnisses hätten dies zum Beispiel häufiger bei Fahrkontrollen bemerkt. „Wenn zwei Menschen im Auto sitzen und ein Dunkelhäutiger fährt, wird nur dieser kontrolliert, wenn aber ein farbiger als Beifahrer mitfährt, werden beide im Auto kontrolliert mit der Begründung, es könne sich ja um einen illegalen Flüchtling handeln“. Deshalb sei es wichtig, die Polizei, aber auch andere Menschen zu sensibilisieren. Es gebe überall Sticheleien im Ort, und wenn jemandem so etwas auffällt, müsse man standhaft bleiben und den Angreifer zurückweisen. Klingbeil: „Niemals dürfen wir den Rassismus unwidersprochen stehen lassen! Weder im realen Leben noch virtuell im Netz“.

Mit der Aktion solle auch darauf aufmerksam gemacht werden, dass Menschen, welche von fremdenfeindlichen Äußerungen betroffen sind oder etwas in diese Richtung wahrgenommen haben, das Bündnis immer kontaktieren können – per Mail an agrrow@posteo.de.

Flagge zeigen gegen Rassismus: Organisator Stephan Klingbeil (v.l.), IGS-Schulleiter Sven Thiemer und Jenny Antons.

#LeaveNoOneBehind

Auf ein Anliegen wurde am Samstag besonders aufmerksam gemacht – und zwar auf die Kampagne „LeaveNoOneBehind“. Diese fordert die Auflösung des Flüchtlingslagers in Moria auf der griechischen Insel Lesbos, wo Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Zuständen leben müssen. Das Bündnis habe bereits zahlreiche Parteien und nicht zuletzt Rotenburgs Bürgermeister angesprochen, um die Stadt zu einem sicheren Hafen für Flüchtlinge zu machen. Allerdings ohne Erfolg. „Bis heute wird diese Initiative blockiert, da die Stadt angeblich nicht dafür nicht zuständig sei, aber jeder Ort kann etwas dazu beitragen. Immerhin ist die Stadt Symbolträger und hat auch Verantwortung gegenüber den Menschen“, so Stefan Klingbeil (Die Linke). Die Grünen seien im Rat die einzige Partei, welches das Anliegen nun aufgenommen haben.  

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