Diakonie-Mitarbeiter appellieren an Politik

Demo für mehr Klinik-Personal

+
Die Mitarbeiter des Agaplesion machten Lärm.

Rotenburg - Von Joris Ujen. „Es ist Zeit, dass wir gehört werden, also macht Lärm!“ Rund 50 Mitarbeiter des Agaplesion Diakonieklinikums Rotenburg folgten dem Aufruf ihres Kollegen am Freitagmittag vor dem Haupteingang des Krankenhauses. Mit Bannern, Fahnen und einer Menge Wut im Bauch protestierte die Belegschaft zum „internationalen Tag der Pflege“ gegen den Personalmangel in deutschen Krankenhäusern.

Ihr Motto lautete „Auf der Strecke geblieben“. „Wir wollen dadurch die Politik aufmerksam machen und kämpfen für eine gesetzliche Personalbemessung“, erklärte einer der Demonstranten die Beweggründe des Protests. Überall herrsche Personalmangel, Überbelastung sei an der Tagesordnung.

Ein Krankenpfleger machte die Situation anhand eines Beispiels deutlich: „Wenn ein Patient nachts zur Toilette gebracht werden möchte, wartet er oft sehr lange auf einen freien Pfleger. Nach dem Stuhlgang muss er zudem auch wieder zurück in sein Zimmer gebracht werden und muss erneut warten.“

Aktion nicht gegen die Klinikspitze

Die Aktion sei nicht gegen die Geschäftsführung des Diakonieklinikums gerichtet, stellten einige Protestler klar. Die habe sich, laut einer Stellungnahme des Geschäftsführers Detlef Brünger, schon mehrfach an den Aktionen beteiligt. „Wir erwarten eine faire Bezahlung für gute Arbeit“, heißt es in dem Schreiben. Sowie „von den politischen Entscheidern, dass eine vollständige Finanzierung der Personal- und Sachkosten der Krankenhäuser sowie eine zukunftsorientierte, vernünftige Finanzierung der Investitionen ermöglich werden“, so Brünger weiter.

Ein erster Lichtblick sei der im April beschlossene Gesetzesentwurf des Bundeskabinetts, der für eine Personaluntergrenze in pflegesensitiven Bereichen ab 2019 sorgen soll. Die Gewerkschaft Verdi fordert von der Bundesregierung ein Sofortprogramm für mehr Pflegebeschäftigte. Laut der Dienstleistungsgewerkschaft fehlen allein in Niedersachsen 16 000 Pflegekräfte, wodurch die Betreuung immer schlechter werde. Ein Demonstrant bezeichnete sie als „gefährliche Pflege“, machte im gleichen Atemzug aber klar: „Wir machen unsere Arbeit gerne, aber wir können sie nicht so durchführen, wie wir es gelernt haben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Thomas Delaney: Seine Karriere in Bildern

Thomas Delaney: Seine Karriere in Bildern

Erdbeben auf Ischia: Hier wird der kleine Mattias gerettet

Erdbeben auf Ischia: Hier wird der kleine Mattias gerettet

Erinnerung an den Krieg: Sarajevos "Tunnel des Lebens"

Erinnerung an den Krieg: Sarajevos "Tunnel des Lebens"

Pebble Beach: Autoneuheiten beim Oldtimergipfel

Pebble Beach: Autoneuheiten beim Oldtimergipfel

Meistgelesene Artikel

Tausende Besucher bei neunter Auflage von „La Strada unterwegs“ in Rotenburg

Tausende Besucher bei neunter Auflage von „La Strada unterwegs“ in Rotenburg

Nach dem Starkregen: Auto durch Gullydeckel beschädigt

Nach dem Starkregen: Auto durch Gullydeckel beschädigt

Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel und Lars Klingbeil stellen sich Fragen der Schüler

Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel und Lars Klingbeil stellen sich Fragen der Schüler

„La Strada“-Eröffnung: Regionale und internationale Künstler begeistern

„La Strada“-Eröffnung: Regionale und internationale Künstler begeistern

Kommentare