Dauerlauf im Wahlkampf

Kathrin Rösel (CDU) plaudert über ihr Leben neben der Politik

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Die Direktkandidatin der CDU, Kathrin Rösel läuft wöchentlich mindestens zweimal in der freien Natur.

Rotenburg - In ihrem ersten Wahlkampf als CDU-Kandidatin muss Kathrin Rösel von Termin zu Termin hetzten. Zeit zum Laufen bleibt der Neu-Rotenburgerin dennoch. Die Direktkandidatin der CDU für die Bundestagswahl ist wöchentlich mindestens zweimal eine Stunde im Wald Richtung Galgenberg zwischen Wiedau und Rodau unterwegs, um zu laufen.

Um 10 Uhr hat sie sich auf dem Rückweg zu ihrer Wohnung an der Großen Straße zu einem kleinen Plausch etwas abseits der Politik verabredet. Noch etwas außer Atem, gesellt sie sich zu den Wartenden auf der Parkbank gleich hinter dem Kantor-Helmke-Haus.

„Laufen ist meine Leidenschaft. Es ist seit mehreren Jahren Bestandteil meines Lebens“, beginnt sie die Unterhaltung, noch nach etwas Luft ringend. Schnell fällt aber ihre Pulsfrequenz und auch der Atem wird ruhiger – sie sei gut durchtrainiert, bemerkt die Grindel-Nachfolgerin im Bundestag. 

„Beim Joggen gehen mir viele Dinge durch den Kopf, und ich habe dabei schon so manches Problem gelöst oder mir kommen dabei die tollsten Ideen“, erklärt die 46-Jährige, warum sie neben der körperlichen Fitness so gerne in der freien Natur allein unterwegs ist. „Damit die Natur erhalten bleibt, dürfen die wirtschaftlichen Interessen nicht über die Interessen der Gesundheit der Bevölkerung gestellt werden. Bei allem Bewusstsein, dass da auch Arbeitsplätze dranhängen“, spielt Rösel auf das Fracking in der Region an.

Ledig mit 20-jährigem Sohn

Die Christdemokratin ist ledig und hat einen 20-jährigen Sohn. Ihre Konfession ist evangelisch-lutherisch. Zur erweiterten Familie gehört der Mischlingshund Lissy, den sie sich zwischendurch gerne nach Hause holt, erzählt Rösel kurz und knapp, bevor sie aus ihrer Kindheit in der DDR berichtet.

Sie sei in Stendal geboren und ganz in der Nähe in Nahrstedt (Altmark) aufgewachsen. Dort habe sie zehn Jahre die Schule besucht und danach eine Ausbildung als Maschinenbauerin in Magdeburg gemacht. Erst 1990, nach der Wende, folgte das Abitur. „Ich durfte meine Reifeprüfung vorher nicht machen, weil ich nach Ansicht des DDR-Systems politisch nicht gefestigt war. Ich habe weder bei der Freien Deutschen Jugend noch beim Jugendweihe-Kram mitgemacht“, erklärt sie.

Die Rotenburger Direktkandidatin der CDU war das Nesthäkchen unter vier Geschwistern. „Obwohl wir in der DDR lebten, haben wir eine christliche Erziehung erfahren. So ist mein politisches Interesse bereits als Kind vorprogrammiert gewesen“, betont Rösel. „Wir haben uns an der Friedens- und Kirchenbewegung beteiligt.“ 

Ganzes Leben politisch geprägt

Wer als Schüler die Schlagworte „Schwerter zu Pflugscharen“ als Symbol auf der Jacke getragen hatte, durfte die Schule nicht betreten, erinnert sie sich. So gesehen sei ihr ganzes Leben politisch geprägt gewesen. „Selbstverständlich nicht in der Intensität wie heute. Aber ich hatte eine klare politische Haltung.“ In den frühen 80er-Jahren seien zwei ihrer Geschwister per Ausreiseantrag in den Westen gegangen. „Das machte für uns, die zurückgeblieben waren, die Situation nicht leichter. Wir waren im Fokus der Stasi.“

Die Familie hat sich trotz des Kontaktverbotes mit den Ausgereisten heimlich in der Tschechoslowakei getroffen. Bei der Durchsicht der Stasi-Akten habe sie später erfahren, dass zwei Schulkameraden, mit denen sie eng befreundet gewesen sei, auf sie angesetzt waren. „Das war menschlich sehr enttäuschend für mich.“ 1989 habe ihr Vater Willi gesagt: „Kathrin, ich bin zu alt, aber sorge Du dafür, dass so etwas nicht wieder passiert.“ Er meinte damit die Unterdrückung der Bürger durch den Staat.

Die Eltern hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb. Sie sind nach der Wende in Stendal geblieben. „Ich hingegen bin gleich nach dem Abitur zum Studieren nach Berlin gegangen.“ Dort hat sie an der Freien Uni bis 1997 Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie studiert. Während des Studiums wurde 1996 ihr Sohn Jonathan geboren.

Kindeserziehung gut gemeistert

„Mit Hilfe meiner Familie habe ich die Zeit des Studiums und gleichzeitige Kindeserziehung gut meistern können“, erinnert sich die Alleinerziehende. Anfang der 2000er-Jahre habe ihr politisches Interesse immer mehr zugenommen. Sie sei 2008 Mitglied bei den Christdemokraten geworden, weil die Partei ihren politischen Idealen am nächsten komme. Schnell habe sie sich aktiv im Parteigeschehen mit eingebunden – unter anderem bei der Frauen-Union

Nach dem Studium habe sie in Gifhorn beim dortigen Landkreis in führenden Positionen gearbeitet. 2015 wurde sie zur Ersten Gemeinderätin in der Samtgemeinde Wesendorf (Kreis Gifhorn) gewählt. Seit Juni 2016 ist sie als Nachrückerin Mitglied des Deutschen Bundestages geworden, nachdem der CDU-Abgeordnete Reinhard Grindel als DFB-Präsidenten sein Mandat abgegeben hat. 

Sie fungiert seitdem als Abgeordnete für den Wahlkreis Rotenburg I / Heidekreis. Rösel verfügt als Wahlkampfhelferin über etwas Wahlkampferfahrung. „Es ist eine Sondersituation. Man ist schon drin im Bundestag, und es ist trotzdem der erste Wahlkampf.“ Während dieser Zeit habe sie viele Kontakte geknüpft.

In der Stadtmitte Rotenburg

Zurück zu Rösel als Privatperson. „Ich wohne seit Februar als Single in der Stadtmitte von Rotenburg“, erzählt sie. „Der wichtigste Mann in meinem Leben ist mein Sohn Jonathan“, weicht sie zunächst der Frage aus, ob sie eine feste Beziehung habe. „Ja, es gibt einen Freund.“ Wer es ist, will sie aber nicht verraten. „Ich fühle mich in Rotenburg gut aufgenommen. Dabei meine ich nicht nur die Parteifreunde. Ich habe bereits viele private Kontakte, auch aus dem Kreis meines Freundes, geknüpft.“ Mit anderen Worten, sie sei „als unsere Kathrin“ hier in der Kreisstadt angekommen.

Der Mensch lebt nicht von Luft allein – und wie sieht das mit der Ernährung einer Bundestagskandidatin aus, die fast täglich unterwegs ist? Kann sie überhaupt kochen? „Mein Lieblingsessen war Hühnerfrikassee, aber nur das von meiner Mutter “, sagt sie. „Nach ihrem Tod kam eine Zeit lange nichts, bis ich dann Heidschnucken-Knipp mit Bratkartoffeln kennengelernt habe“, so Rösel. Das sei sicherlich ihr Lieblingsessen geworden.

Kochen ist ihre Schwäche

Selbst etwas am Herd zubereiten kann sie nicht. Es ist ihre größte Schwäche, gibt sie unumwunden zu. „Allein wenn mein Sohn zu Besuch ist, helfe ich gerne in der Küche mit. Im Gegensatz zu mir ist Jonathan ein hervorragender Koch.“ Mit ihr als Küchenhilfe gibt er vor, was und wie es zubereitet wird. Seit sie als Kandidatin im Wahlkampf unterwegs ist, sei ihr Sohn oft in Rotenburg, um sie dabei zu unterstützen. 

„Irgendwie hat sich meine Rolle gedreht. Früher war ich diejenige, die für einen vollen Kühlschrank gesorgt hat, heute macht Jonathan das“, verrät sie. Ansonsten isst sie viel Joghurt, Müsli und Obst. „Da brauche ich nicht an den Herd“, sagt sie lächelnd. Wenn sie unterwegs ist, besucht die Politikerin auch schon mal ein Restaurant.

Männer beklagen oft, dass ihre Frauen vor dem Verlassen des Hauses „stundenlang“ im Badezimmer verbringen. Gehört die Bundestagsabgeordnete auch dazu? Oder ist sie eher von der schnellen Truppe? „Ich brauche morgens ziemlich lange, um fit für den Tag zu sein. Ich nehme mir dann etwas mehr Zeit, als in Hektik aufzubrechen. Mein Tag soll in Ruhe beginnen“, so Rösel – und fügt lächelnd hinzu: „Was Schminken und Haar-Styling betrifft, unterscheide ich mich nicht von anderen Frauen.“

So auch der Friseurbesuch, der bei Frauen eine wichtige Rolle spiele. „Es ist schwer, genau den richtigen Haar-Stylisten zu finden.“ Noch habe sie ihren Friseur in Berlin, in Rotenburg sei sie auf der Suche. Der Friseurbesuch spiele bei ihrer Terminkoordination trotz Wahlkampf eine wichtige Rolle. „Dieser Termin ist für jede Frau heilig.“

Von Heinz Goldstein

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