Rotenburger Kreiselternrat diskutiert

Das Schuljahr wiederholen?

Ein „normal“ gibt es im Bereich Schule noch lange nicht. Sollte deswegen das Schuljahr wiederholt werden? Der Kreiselternrat ist sich uneins.
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Ein „normal“ gibt es im Bereich Schule noch lange nicht. Sollte deswegen das Schuljahr wiederholt werden? Der Kreiselternrat ist sich uneins.

Die Pandemie erfordert im schulischen Bereich viel Eigenverantwortung auf allen Seiten – nicht immer mit Erfolg. Daher hat sich der Kreiselternrat mit der Frage auseinandergesetzt, wie sinnvoll eine Wiederholung des Schuljahrs wäre. Die Meinungen sind geteilt.

  • Homeschooling funktioniert nicht überall.
  • Ist das Schuljahr ein verlorenes?
  • Oder werden gute Schüler mit einer allgemeinen Wiederholung bestraft?

Rotenburg – Der Kreiselternrat lädt zur virtuellen Sitzung ein und das Interesse ist groß: Mehr als 50 Teilnehmer sind teilweise in der Konferenz, „so viele wie noch nie“, stellt Vorsitzender Werner Oerding eingangs erfreut fest. Von Visselhövede bis Bremervörde ist alles vertreten. Auf der Tagesordnung die Frage: Sollte das Schuljahr angesichts der Pandemie und daraus entstandenen Probleme wiederholt werden? Ein durchaus umstrittenes Thema, zu dem es sehr offene und sehr geteilte Meinungen an diesem Abend gibt. Mit Lob auf der einen Seite, aber auch deutlichen, härteren Worten auf der anderen Seite wird nicht gespart unter den Elternvertretern und Gästen. Am Ende enthält sich jedoch die Mehrheit oder ist dagegen bei der Frage, ob der Vorstand aufgefordert werden solle, sich für eine Wiederholung einzusetzen – der aber erhält auf jeden Fall das Stimmungsbild, das er sich gewünscht hat.

Die Diskussion kommt schnell in Gang. Viele Eltern berichten von ihren eigenen Erfahrungen, schildern das Erlebte, den Alltag. Die einen bemerken, dass ihren Kindern das Homeschooling sehr schwerfällt. Gerade die Jüngsten, die erst eingeschult worden sind, hätten teilweise noch nicht gelernt zu lernen, konzentriert zu sitzen und zu arbeiten – und das schafft Probleme. Doch seien gerade die Grundlagen, die in der Grundschule gelegt werden, wichtig für den weiteren Schulweg, sagt beispielsweise Martina von Ahsen, die der Idee der Wiederholung sehr positiv gegenübersteht. „Dann lieber ein Jahr länger, damit sie in nachfolgenden Schulen mitkommen.“

Dass die Schulen sich aber genau darauf einstellen würden und gerade die Schüler, die sich aktuell nicht in Abschlussklassen befinden, auch noch Zeit haben, merken andere an – der Stoff werde entsprechend auf andere Jahre ausgedehnt. „Und manches kann man auch ohne Probleme streichen“, sagt Cord Gerken, medienpädagogischer Berater für den Landkreis, der an diesem Abend als Gast eingeladen ist, seine Erfahrungen einzubringen. Birgit Gundlach wird ebenso deutlich: „Die Lehrpläne sind teils sehr umfangreich, vielleicht ist es allgemein auch mal gut, zu streichen. Unsere Kinder sind in der Pandemie auch gewachsen.“

Die Lehrpläne sind teils sehr umfangreich, vielleicht ist es allgemein auch mal gut, zu streichen.

Birgit Gundlach

In dem Zug kommt ein anderes Thema kurz auf: die Kinder nicht nur an Noten festzumachen, sondern auch an ihren Kompetenzen. Sicherlich würde es in einigen Punkten Rückstände geben, die Befürchtung, dass die Kinder es nicht schaffen, hege Gundlach jedoch nicht.

Viele Kinder hätten in den vergangenen Monaten erst recht Gas gegeben, waren aktiv, haben mitgearbeitet, sich gut entwickelt – und das sehr erfolgreich. Manche profitieren von den halben Klassenstärken. Ihnen würde man suggerieren, dass ihre Arbeit umsonst war, sie sich umsonst bemüht haben, finden andere. „Man bestraft sie“, so Christian Stanzel. „Die Schulen werden sich darauf einstellen, die Dellen über die Jahre aufzufangen.“

Und: Ein freiwilliges Wiederholen ist immer möglich, dafür braucht es Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern, die gut einschätzen können, wie die Leistungen ihrer Schützlinge sind. Weswegen der Vorschlag aufkommt, eben das den Lehrern zu überlassen, da manche Eltern ihre Kinder, auch, wenn sie noch nicht so weit sein sollten, einfach mitziehen könnten.

„Wir verlieren sonst die Kinder, die jetzt Gas geben“, merkt Christian Schulz an, dass eine verpflichtende Wiederholung ein falsches Signal senden würde. „Das wäre fatal.“ Natürlich gebe es auch die Schüler, die man vor allem durch das Distanzlernen verloren habe. Die Schüler, bei denen das Homeschooling nicht funktioniert. Die Schere ist da, sagt Oerdings Stellvertreter Mirko Wachsmuth, der den Weg der freiwilligen Wiederholung mit Skepsis betrachtet. „Wir dürfen uns nicht selber in die Tasche lügen, der Stoff muss vermittelt worden sein, es reicht nicht am Ende die Note. Und das sehe ich nicht überall.“

Die schwächeren Schüler dürfen jetzt nicht vergessen werden. Daher plädiert der Großteil der Anwesenden für individuelle Lösungen, nach Schule oder Schülern, vielleicht sogar nach Schulform. Vor allem für die, die sehr lange Zuhause waren, könnte eine Wiederholung durchaus eine Lösung darstellen. „Eine charmante“, wie Oerding anmerkt. „Wenn ich was zu sagen hätte, wäre ich für eine Wiederholung.“ Aber für alle, wie er dazu sagt.

Gerken merkt auch an, dass eine allgemeine Wiederholung schnell zu einer Raumnot führen könnte – die schon in Zeiten von halben Klassenstärken manche Schule in Not gebracht hat. Wenn das Schuljahr verpflichtend wiederholt würde, würde hinten kein Abschlussschüler die Schule verlassen – ergo würden Ausbildungs- und Studienplätze unbelegt bleiben. Gleichzeitig kommen neue Erstklässler nach. Auch müsste es genügend Personal geben – und Lehrermangel herrscht ohnehin.

Man dürfe nicht alle über einen Kamm scheren, merkt auch Eva Kamphausen an. Sie spricht von einer Schere, die nach einem Jahr weit aufgegangen ist, man müsse nun die „goldene Mitte“ finden – aber die sei nicht, auch die Eltern, Lehrer und Kinder zu „bestrafen, die mitziehen und kämpfen“ in dieser Zeit und engagiert alles geben.

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