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Großer Zulauf bei Reiseanbietern im Landkreis, aber Energiepreise bereiten Sorge

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Lange Radtouren sind seit der Pandemie mehr gefragt.
Lange Radtouren sind seit der Pandemie mehr gefragt. © Baucke

Rotenburg/Sottrum –- Vor rund einer Woche hat das Robert Koch-Institut (RKI) die letzten noch verbliebenen Länder von der Liste der Hochrisikogebiete gestrichen. Zudem werden die Corona-Auflagen bis Sonntag, 20. März, nach und nach aufgehoben. Diesen guten Nachrichten für die Tourismusbranche stehen steigende Energiepreise im Zuge des Krieges in der Ukraine gegenüber. Wir haben daher nachgefragt, wie sich die Reiseunternehmen im Kreis Rotenburg zwischen diesen Spannungsfeldern bewegen.

Beim Reise Team Kaiser galt noch vor wenigen Wochen das Prinzip „Sparflamme“, wie Inhaber Wilhelm Kaiser erzählt: „Wir haben die Anzahl der Busse während der Pandemie um die Hälfte reduziert.“ Doch nun sei das Reisefieber wieder ausgebrochen. „Die Kunden stehen in den Startlöchern“, freut sich der Unternehmer aus Rotenburg. Nach zwei Jahren Corona verspürt Kaiser eine Reisesehnsucht bei den Menschen.

Um diese stillen zu können, benötigt er eine ausreichende Anzahl an Reisebussen. Wann sich seine Flotte wieder auf Vor-Corona-Niveau bewegt, kann er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Der Erfüllung der aktuellen Kundenwünsche stehe jedoch nichts im Wege. Kaiser versichert, dass sich der Bedarf an Bussen für diesen Sommer problemlos decken lasse. Die Kämpfe in der Ukraine bereiten ihm indes Sorge. Es sei unvermeidbar, dass die Kriegsfolgen auch bei den Reisenden ankämen – und zwar beim Preis: „Wir werden einen Energiezuschlag verlangen müssen.“ Kaiser hat allerdings keine Zweifel an der Bereitschaft seiner Kunden, für gestiegene Spritkosten tiefer in die Tasche zu greifen – ob sie es finanziell auch können, steht auf einem anderen Blatt.

Im Zuge der Corona-Pandemie haben viele Menschen Ziele in Deutschland für sich entdeckt. Die Küstengebiete an Nord- und Ostsee erfreuten sich in den vergangenen beiden Jahren einer immer größeren Popularität. Auch im Reisesommer 2022 werden laut Kaiser zahlreiche Deutsche ihren Urlaub im eigenen Land verbringen.

In den letzten zwei, drei Wochen hatten wir zu tun ohne Ende.

Lutz Ilenborg über den Ansturm der Reisewilligen.

Insbesondere Aktivurlaub sei stark nachgefragt. Als Beispiel nennt er den Vennbahn-Radweg, der in Aachen beginnt. Weitere beliebte Reiseziele seien unter anderem der Spreewald, Oranienburg sowie die Gebiete an der Mosel. Nachbarländer wie Österreich oder die Niederlande kämen bei den Touristen ebenfalls gut an.

Beim Reisebüro Sottrum werden laut Inhaber Lutz Ilenborg innerhalb Deutschlands vor allem die Nord- und Ostsee sowie Bayern oft gebucht. Und bei den Destinationen im Ausland dominieren nach wie vor Klassiker wie die Türkei, Spanien oder die griechischen Inseln. Hinzu komme mit Sardinien ein neues Trendziel, so Ilenborg. Die Insel sei so attraktiv, da sie eine Mischung aus Tourismus und Ursprünglichkeit darstelle. „Das traumhaft schöne Wasser lässt sich mit dem in der Karibik vergleichen. Sardinien ist das Sehnsuchtsziel in Italien“, gerät er ins Schwärmen.

Ziele in Russland hätten währenddessen stark an Popularität eingebüßt. Im Zuge des Angriffskrieges gegen die Ukraine sei es zu Reiserücktritten und Absagen gekommen. Egal ob Flusskreuzfahrten oder Landgänge in St. Petersburg – Russland scheint bei den meisten Urlaubern erst einmal an Strahlkraft verloren zu haben.

Ansonsten zeigt sich die Reisebranche recht gut erholt. Ilenborg konstatiert einen regelrechten Boom. Die jüngsten Lockerungen der Corona-Maßnahmen hätten das Reisefieber bei den Menschen wieder geweckt: „In den letzten zwei, drei Wochen hatten wir zu tun ohne Ende.“ Die Umsätze erreichten sogar wieder das Niveau von 2019 – also wie vor der Pandemie.

Laut Ilenborg hätten die Menschen in den vergangenen zwei Jahren auf alles verzichtet. Nun sagten viele „Jetzt reicht es uns! Wir wollen in die Normalität zurück“. Und dazu gehöre nun einmal auch das Reisen. Das Bedürfnis nach Urlaub sei deshalb riesengroß, glaubt der Unternehmer.

Der Krieg in der Ukraine lässt sich jedoch nicht so einfach abschütteln. Auch Ilenborg hat dessen Folgen beim Blick auf die Energiekosten täglich vor Augen. Der Spritpreis sei zuletzt um 20 bis 25 Prozent gestiegen. Angesichts solch starker Erhöhungen geht der Sottrumer von Veränderungen beim Reiseverhalten aus: „Die Zeiten für kurzfristige Entscheidungen sind vorbei.“

Auf die Schnelle mit dem Billigflieger verreisen? Das sei in Zukunft nicht mehr so häufig möglich. Stattdessen werde es verstärkt darauf ankommen, den Urlaub langfristig zu planen. Lutz Ilenborg rät daher zu einer frühzeitigen Buchung, um weiteren Preissteigerungen vorzubeugen.

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