Zahlreiche Herausforderungen, darunter ein „dickes Brett“

Neues Leitungsduo in den BBS

Martina Niebuhr und Lars Meier bilden das neue Führungsduo an den BBS.
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Martina Niebuhr und Lars Meier bilden das neue Führungsduo an den BBS.

Rotenburg – Wir schreiben das Jahr 2021. Und immer noch müssen Martina Niebuhr als neue Leiterin der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rotenburg und ihr Stellvertreter Lars Meier betonen, dass die Digitalisierung eine der ganz großen Herausforderungen für diese Schule darstellt. „Ein dickes Brett“, sagt Niebuhr, die in diesem Herbst die Nachfolge von Wolf Hertz-Kleptow angetreten hat. Meier ergänzt: „Das geht alles leider nicht schnell genug.“ Nach wie vor scheitere es an Dingen, die viele Menschen inzwischen als normal, als gegeben voraussetzen: In vielen Bereichen der BBS aber steht weder Schülern noch Lehrern ein Wlan-Netz zur Verfügung.

„Das Kollegium ist extrem bereit, das digitale Lernen in den Unterricht einzubauen“, berichtet Meier in einem Gespräch mit der Kreiszeitung. Nicht zuletzt deshalb hofft er zusammen mit der neuen Schulleiterin, dass die Ausstattung bis zum Sommer des kommenden Jahres abgeschlossen ist. Das Wlan, aber auch die noch fehlenden Endgeräte für die Kolleginnen und Kollegen. „Sie scharren schon mit den Hufen“, weiß Niebuhr zu berichten.

Es gibt weitere Herausforderungen für das Führungsduo in den BBS an der Verdener Straße. „Zum Beispiel die Inklusion“, sagt Niebuhr. Denn immer mehr Schüler kämen mit „diversen Problemen“ und entsprechendem Bedarf. Darüber hinaus sorgt sie sich um die weiter sinkenden Ausbildungszahlen im gewerblichen Bereich. Folge: „Die Klassen werden immer kleiner, und das macht Kooperationen mit den Nachbarn erforderlich.“ Ziel sei es schließlich, den schulischen Teil der Ausbildungsberufe hier im Landkreis zu halten.

Aufgrund von schulischen Kooperationen kannten sich Niebuhr und Meier schon, bevor die neue Chefin an den Rotenburger BBS angefangen hat. Die 52-Jährige ist gebürtige Rheinländerin und 1999 nach Oldenburg gezogen, um dort zu studieren. Die gelernte Industriekauffrau absolvierte ihr Referendariat an den BBS in Zeven, wo sie zehn Jahre lang gearbeitet hat, ehe sie an die BBS in Verden wechselte, um danach aber als Abteilungsleiterin „Wirtschaft und Verwaltung“ wieder nach Zeven zurückzukehren. Jetzt in Rotenburg sehe sie eine gute Möglichkeit der Weiterentwicklung.

In Zeven war Martina Niebuhr auch Teil des Kooperationsprozesses von IGS und BBS. Mit diesem Schuljahr hat die IGS dort einen ersten eigenen Oberstufenjahrgang – in enger Verzahnung mit der Oberstufe der dortigen BBS. Nicht zuletzt deshalb kann sie sich sehr gut in den erneuten Vorstoß der IGS in Rotenburg hineindenken, die eine eigene Oberstufe an den Start bringen möchte.

Dieses Thema, so ihr Eindruck, sorge in der Kreisstadt für politische Verwerfungen. Man sei nicht mehr empfänglich für vernünftige Argumente. „Deshalb fand ich auch den Ansatz des Bürgermeisters gut.“ Dieser hatte dem Schulausschuss vorgeschlagen, erst einmal einen Arbeitskreis unabhängig von Politik und Verwaltung zu bilden, um einerseits faktenbasiert zu diskutieren, aber auch aufbauend auf Erfahrungen, zum Beispiel in Zeven, zu einem Ergebnis zu kommen. Die Folge dieses Weges: Ein Start der IGS-Oberstufe in Rotenburg wäre frühestens 2023 möglich. Die Mehrheitsfraktion hat dem Rat hingegen empfohlen, erst einmal den Antrag zu stellen.

Meier und Niebuhr halten es für sehr schwer, innerhalb von nur einem halben Jahr eine Oberstufe für den Start vorzubereiten. Zugleich betonen sie, dass die BBS Rotenburg der bessere Partner wären. Das allerdings müsse nicht bedeuten, dass das Ratsgymnasium damit raus sei. Zudem sei im Fall eines Oberstufenstarts im nächsten Jahr mit einen nur reduzierten Angebot für die Schüler zu rechnen. „Die Meinungen sind festgefahren“, findet Niebuhr. Auch sie spricht die von Bürgermeister Torsten Oestmann angeführten Kosten für die Umsetzung an. Sie halte es nicht für sinnvoll, es „mit aller Macht durchzudrücken“. Zudem betont sie, dass es sehr wohl Gesprächsangebote gegeben habe – vor Kurzem erst, als das Projekt zur Berufsorientierung der IGS in den BBS wieder einmal stattgefunden hat.

Die BBS haben es zurzeit mit etwa 2 200 Schülern zu tun „Wir waren mal deutlich größer“, sagt Meier. 2 700 seien es vor zehn Jahren gewesen. Die Schule ist geprägt von sechs verschiedenen Abteilungen: das berufliche Gymnasium mit dem Jahrgang 11, das berufliche Gymnasium mit den Jahrgängen 12 und 13, „Wirtschaft und Verwaltung“, Agrarwirtschaft und Berufseinstieg, Gewerbe und Technik sowie Sozialpädagogik, Hauswirtschaft, Pflege und Gesundheit. Dass die Zahlen zurückgehen, macht ein Regionalmanagement erforderlich. In diesem Zusammenhang betont Martina Niebuhr: „Eine Berufsausbildung ist etwas ganz Tolles.“ Und gerade die erfolgreiche, duale Ausbildung halte sie für „großartig“. Deshalb sagt sie auch: „Ich glaube ganz fest an eine gute Zukunft für diese Form der Ausbildung.“ Sie wolle auch weiterhin alles dafür tun, dass es so bleibt.

160 Schüler habe man zuletzt verloren – „in allen Bereichen“, erklärt Lars Meier. So richtig gesund sei eigentlich nur noch die kaufmännische Ausbildung. Auch in dieser Entwicklung steckt also eine zusätzliche Herausforderung für das Leitungsteam der Berufsbildenden Schulen. Dabei habe man allerdings auch die Kooperation mit den Rotenburger Werken im Blick, die bereits seit vielen Jahren erfolgreich verlaufe. „Das ist ganz wichtig, es ist großartig.“ Deshalb bekräftigt Niebuhr, diese Zusammenarbeit auf jeden Fall beibehalten zu wollen. Mehr noch: „Wir würden es gerne intensivieren.“

Letzteres gilt auch für einen Aspekt, der die BBS besonders auszeichnet: Es handelt sich bei ihr um eine Europaschule. „Es ist wirklich schade, dass die internationalen Kontakte in den vergangenen anderthalb Jahren weggebrochen sind. Online lässt sich das nicht auffangen.“ Mit Blick auf die Pandemie setzte die Schule in diesem Punkt auf das Prinzip Hoffnung.

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