Regionale Banken lehnen Subventionierung kostenloser Konten ab

„Das ist nur Kundenfang“

Die Sparkasse Rotenburg-Bremervörde setzt auf ein großes Filialnetz und Tarifmodelle, die dem Nutzungsverhalten der Kunden angepasst sind. Kostenlose Grundmodelle für Konten gibt es nicht. -  Foto: Krüger

Rotenburg - Banken brauchen neue Einnahmequellen. Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins auf Null gesenkt, geparktes Geld wird für die Kreditunternehmen teuer. Eine Situation, in der Branchenvertreter das Ende kostenloser Girokonten ankündigen. Die Banken der Region haben diesen Weg längst begangen. Sie lehnen eine Quersubventionierung als Lockangebot ab – eingeforderte Leistung müsse entsprechend bezahlt werden, heißt es.

Die Kritik war im Mai vergangenen Jahres durchaus laut zu vernehmen, als die Sparkasse Rotenburg-Bremervörde ihr neues Tarifmodell eingeführt hat. Privatkunden zahlen seitdem wenigstens 3,90 für ihre Girokonten, sofern sie nur wenig Leistungen in Anspruch nehmen. Die Verantwortlichen begründeten diese Maßnahme damit, dass auch ein Online-Konto Kosten verursache. Und dafür müssten Gebühren erhoben werden. Dazu komme das große Filialnetz und die zahlreichen Geldautomaten. Alles Angebote, die Geld kosten. Viel Geld – das sich zum Beispiel Direktbanken sparen. Dort ist das Girokonto oftmals noch kostenlos. „Das ist nur Kundenfang“, sagt Rainer Bassen, Marketingleiter der Sparkasse Scheeßel. Natürlich zahle der Kunde am Ende doch, nur eben über andere Angebote, eine Quersubventionierung, um auf bunten Flyern gut auszusehen. „Das lehnen wir ab“, sagt Bassen. „Wer eine Leistung in Anspruch nimmt, soll sie auch bezahlen.“

Und dennoch haben auch die hiesigen Banken noch kostenlose Konten im Angebot: für Kinder, Auszubildende, Stunden, Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst, für Vereine, gemeinnützige Organisationen und auch für die eigenen Mitarbeiter. Allein bei der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde sind das rund 12 000 Girokonten, bestätigt Mathias Schröder vom Vorstandsreferat – bei einem Gesamtbestand von 60 500 Girokonten. Bei der Volksbank Wümme-Wieste liegt der Anteil der kostenlosen bei einer Gesamt-Kontenzahl von 17 200 bei 15 Prozent, bei der Sparkasse Scheeßel anteilig bei rund zehn Prozent. Diese Konten bleiben bei allen drei Kreditinstituten auch weiterhin ohne Gebühren, versichern die Chefetagen.

Nach den Anpassungen bei den regulären Tarifen seien aktuell keine weiteren Maßnahmen geplant, heißt es aus Sottrum, Rotenburg und Scheeßel. Aber der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, hat in diesen Tagen bereits angedeutet, wohin der Weg führen könnte. Alle Marktteilnehmer müssten angesichts der „falschen Zinspolitik“ der Europäischen Zentralbank (EZB) neue Ertragsquellen erschließen. Strafzinsen, die die EZB für geparkte Gelder von Banken verlangt, wird die Branche laut Fahrenschon zunehmend an gewerbliche Kunden mit hohen Einlagen weiterreichen. Dem könnten sich auch die Sparkassen nicht entziehen. „Entscheidend ist, dass wir alles in unserer Macht stehende tun werden, um diesen verheerenden Effekt der Niedrigzinspolitik nicht beim privaten Sparer ankommen zu lassen.“ Er betonte zudem: „Der DSGV-Präsident setzt keine Preise fest.“ Das obliege den jeweiligen Instituten. -  mk

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