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Rotenburg: Das Kubus – mehr als ein Café

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Von: Guido Menker

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Maren Bowe-Bömeke und Roland Wiese freuen sich, endlich den zehnten Geburtstag des Café Kubus an der Nordstraße in Rotenburg nachfeiern zu können.
Maren Bowe-Bömeke und Roland Wiese freuen sich, endlich den zehnten Geburtstag des Café Kubus an der Nordstraße in Rotenburg nachfeiern zu können. © Menker

Seit zwölf Jahren gibt es das Café Kubus an der Nordstraße in Rotenburg. Es ist mehr als ein Café. Es ist Treffpunkt und Anlaufstelle vor allem für Menschen mit psychischen Problemen. Doch das Haus ist offen für alle und hat viel zu bieten.

Rotenburg – Roland Wiese und Maren Bowe-Bömeke wundern sich selbst ein wenig: Es ist 10 Uhr, aber nicht ein Gast ist im Café Kubus an der Rotenburger Nordstraße zu sehen. Es herrscht Ruhe, die wie bestellt wirkt für dieses Pressegespräch mit dem fachlichen Leiter der Gesellschaft für soziale Hilfen (Geso) sowie der Leiterin der Beratungs- und Kontaktstelle Kubus. „Eigentlich ist hier immer jede Menge los“, sagt Bowe-Bömeke.

Vor allem jetzt, da die Corona-Maßnahmen nach und nach gelockert werden und viele Menschen erfreut darüber sind, wieder erste Schritte in Richtung Normalität wagen zu können, steigt die Besucherzahl deutlich an. Denn das Café Kubus hat sich in der Kreisstadt etabliert und ist für viele Menschen zu einer festen und vor allem wichtigen Anlaufstelle geworden. Vor zwei Jahren hat das Team der Geso auf das zehnjährige Bestehen eben dieser Anlaufstelle zurückgeblickt – gefeiert wird dieser runde Geburtstag aber erst jetzt mit zweijähriger Verspätung.

Für Mittwoch um 15 Uhr ist zunächst eine Ausstellungseröffnung mit Bildern im Rathaus geplant, die im offenen Atelier des Kubus‘entstanden sind. Und am Freitag nächster Woche gibt es ein Geburtstagstreffen im Café Kubus – mit Musik und allem, was dazu gehört. Von 15 bis 19 Uhr sind alle Interessierten dazu eingeladen, unter anderem den Auftritt der Formation CajunX zu erleben und bei Kaffee und Kuchen darüber hinaus den Kontakt mit vielen anderen Menschen zu genießen.

Die Gesellschaft für soziale Hilfen im Landkreis Rotenburg ist eine 1994 gegründete, gemeinnützige GmbH. Ihr Ziel ist es, Menschen vor allem mit psychischen Beeinträchtigungen oder gar Erkrankungen in der eigenständigen Lebensführung zu unterstützen. „Wir unterstützen sie dort, wo sie leben“, betont Roland Wiese den ambulanten Ansatz der Arbeit. Mit 24 ambulant zu betreuenden Frauen und Männern hatte die Geso 1994 begonnen – aktuell sind es landkreisweit 124 Menschen, die Hilfen in ihrer schwierigen, persönlichen Lebenssituation zu schätzen wissen.

Im Laufe der ersten Jahre hat sich die Geso enorm entwickelt – und irgendwann war klar, dass es einen Raum der Begegnung braucht. Für manche Angebote stand zwar ein Raum im Clüver-Haus zur Verfügung – doch irgendwann reichte dieser nicht mehr aus. Die Geso kaufte daraufhin das Haus an der Nordstraße 3, in dem ursprünglich mal ein Schuster seine Dienste angeboten und später auch die Rotenburger SPD ihr Büro eingerichtet hatte. „Wir haben das Haus kernsaniert – und sind sehr froh darüber, dieses Zentrum für soziale Hilfen geschaffen zu haben“, betont Roland Wiese.

Eine ganze Reihe von Büros, kleine Appartements und Wohnungen, der Hospizverein als Mieter – und im Erdgeschoss natürlich das Café Kubus. Woher aber kommt eigentlich dieser Name? „Der setzt sich aus Kultur, Begegnung und Soziales“, klärt Maren Bowe-Bömeke auf. Das sind die drei Schwerpunkte, die allerdings nicht nur das Café an sich, sondern das ganze Haus passend beschreiben.

Einerseits bietet die Geso Beratungen im geschützten Rahmen, andererseits ist das Café offen für alle. Vielleicht kann auch das ein Schritt sein, um der Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen zu begegnen. Doch es ist eben nicht nur die angesprochene Klientel, die das Café aufsucht. „Es kommen auch viele andere Gäste zu uns, aber wir haben natürlich nicht die üblichen, gastronomischen Öffnungszeiten“, erklärt Bowe-Bömeke den Unterschied zu klassischen Lokalen in der Stadt. „Im Wesentlichen leben wir von unseren Kernbesuchern.“

Und die wissen diese Möglichkeit de Begegnung zu schätzen. Nicht nur, um gemeinsam Kaffee zu trinken, sondern um einen Austausch zu haben, den sie allein in ihrer Wohnung in der Regel nicht haben. Dazu unterbreitet die Geso weitere Angebote – Kochen und Malen etwa. Hinzu kommen Veranstaltungen, die die Menschen zusammenbringen. Lesungen, kleine Konzerte, Vorträge. „Uns ist es ein Anliegen, dass die Menschen miteinander etwas machen“, erklärt die Leiterin der Beratungs- und Kontaktstelle. Das kann dann auch die inzwischen sehr bekannte „Stoffwechsel-Party“ sein. Darüber hinaus ist das Café Kubus inzwischen Heimat von sechs verschiedenen Selbsthilfegruppen. Das Haus und die Geso öffnen sich – in viele Richtungen. Kooperationen pflegt man auch mit der Lebenshilfe sowie mit den Rotenburger Werken. Das Kubus ist am Ende genau das geworden, was aus Sicht der Macher noch gefehlt hat: ein Treffpunkt.

Alles, was die Geso den Menschen mit psychischen Problemen anbietet, ist niedrigschwellig: Wer keinen Therapieplatz bekommt, aber dennoch Beratung und einen Austausch braucht, ist hier genau richtig. Auch ohne Termin und entsprechende Wartezeit. „Das ist ganz wichtig für Menschen, die in Not sind.“ Diese Not geht über den psychischen Belastungsrahmen hinaus, oft fehlt es in Folge von Arbeitslosigkeit an Geld, an passendem Wohnraum und eben an menschlichen Kontakten.

Das Café Kubus wäre allerdings ohne die fünf Ehrenamtlichen nicht das, was es ist. Bowe-Bömeke und Wiese unterstreichen die Bedeutung dieser Hilfe. Daran beteiligt sind hin und wieder auch psychisch Erkrankte, die an einem Zuverdienst-projekt teilnehmen – ebenfalls niedrigschwellig. Und das alles sorgt für Netzwerke. Freizeiten, Ausflüge, kleine Urlaube – auch das ist machbar. Doch nun wollen alle erst einmal ein wenig feiern. Mit Verspätung zwar, aber ganz sicher so, dass die Gäste ihren Spaß haben werden. Auch das kann helfen.

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