Streit um Nebenkosten in Rotenburger Geothermie-Park dauert an

„Das ist heftig“

Keine Sorgen vor zu hohen Nebenkosten? Das sehen viele Mieter anders. - Fotos: Menker

Rotenburg - Von Michael Krüger. Im Streit um zu hohe Nebenkosten-Abrechnungen für die 142 Wohnungen rund um den Rotenburger Ellernweg sind die Fronten verhärtet. Unternehmer Christoph F. Trautsch hatte dort vor zwei Jahren begonnen, zweistellige Millionensummen in das nach seinen Angaben größte Erdwärme-Projekt Europas zu investieren. Eine „Energie-Flatrate“ sollte die Nebenkosten gering halten. Das scheint gründlich misslungen. „Was hier abläuft, ist heftig“, sagt Frank Stork, Vorsitzender des Rotenburger Mietervereins.

Mitte April hatte Anwohner Rüdiger Schult die Debatte um die Mieten in dem „Vorzeige-Projekt“, das in ähnlicher, aber noch deutlich größerer Form auch in Celle umgesetzt wurde, ins Rollen gebracht. Er hatte Unterschriften gesammelt, sich an die Öffentlichkeit gewandt und Unternehmer Trautsch wegen Betrugs angezeigt. Trautsch und seine Deutsche Geothermische Immobilien GmbH (DGI) reagierten, überarbeiteten die Nebenkosten-Abrechnungen und kündigten den Vertrag mit der bisherigen Hausverwaltung. Ausreichend? Für Mieter Schult nicht. Er hat sich, wie andere Betroffene, einen Anwalt genommen. Und der teilt mit: „Beide Nebenkostenabrechnungen weisen gravierende Abrechnungsfehler auf, sodass derzeit kein Nachzahlungsbetrag fällig ist.“

Oliver Hartjen von der Rotenburger Kanzlei „Winkel, Buhrfeind & Partner“ kritisiert vor allem die „recht kühnen Werbeaussagen“ des Vermieters zur „Energie-Flatrate“. Tatsächlich kamen mit der ersten Nebenkosten-Abrechnung für die Mieter noch hohe Stromkosten für die Geothermie-Anlage hinzu. Allein im Fall Schult sind es für elf Monate im Jahr 2015 mehr als 600 Euro. Für die 32 Quadratmeter Dachgeschoss sollte die Nachzahlung bei Schult 1 009 Euro betragen, der „Betriebskostenabschlag“ sollte künftig 147 statt 55 Euro betragen. „Das ist die völlige Verarschung“, so der Mieter. Sein Anwalt Hartjen bestätigt: „Es werden erhebliche Nachzahlungen gefordert von Leuten, die es sich einfach nicht leisten können.“ Darüber hinaus hat die DGI Mieterhöhungen angekündigt.

Der Rotenburger Mieterverein ist deshalb alarmiert. 25 Mitglieder vertritt der Verein mittlerweile in der Sache „Trautsch“. Der Vorsitzende Frank Stork sagt, „bis jetzt haben wir immer noch keine Zahlen und Fakten“. Konkrete Nachweise für die abgerechneten Leistungen fehlten. Die Mieterverein, der die Ankündigungen des Münchener Unternehmers stets abwartend kommentiert hatte, sagt jetzt: „Alle schlimmen Befürchtungen haben sich bewahrheitet.“ Die Betriebs- und Nebenkosten-Abrechnungen seien „faktisch falsch“. In die Größenordnung habe es sowas in der Region noch nie gegeben.

Da ein Großteil der Wohnungen von Menschen bewohnt werden, die Sozialleistungen beziehen, ist auch das Jobcenter des Landkreises involviert. Dessen Leiter Harald Glüsing will sich aber noch nicht festlegen, ob die Objekte mit den nun höheren Mieten für Hartz-IV-Bezieher noch angemessen sind. Derzeit stehe das Jobcenter mit dem Inhaber in Verbindung und warte auf „entsprechend korrigierte Daten“. Erst wenn diese vorliegen, könne man Genaueres sagen. Fakt sei aber, dass das Jobcenter „einen großen Teil der Mieter in den Objekten“ am Ellernweg betreue.

Und der Betroffene selbst? Christoph F. Trautsch hat in einem Schreiben an die Mieter unterstrichen, dass er sich gegenüber der Presse nicht mehr in dem Maße äußern will wie zuletzt. „Denn aus Sicht des Vermieters ist es jedes Mal unerfreulich, wenn er erst aus der lokalen Presse erfährt, was die Mieter tatsächlich bewegt“, heißt es im Rundbrief. Auf Nachfrage sagt Trautsch trotzdem, dass in direkten Gesprächen viele Unklarheiten nach der ersten, fehlerhaften Abrechnung beseitigt worden seien. Auf die korrigierte Abrechnung seien in Celle und Rotenburg zusammen lediglich 14 Widerrufe erfolgt. „Selbstverständlich“ habe er nunmehr bereits viele Zahlungen erhalten. Insgesamt habe nur ein kleiner Teil der Mieter seinen Unmut geäußert. Dass aus den Vorfällen für die an der Düsseldorfer Börse notierte DGI ein Schaden entstanden ist, verneint er. Allerdings ist der Kurs seit Anfang des Jahres von 17,5 auf aktuell acht Euro gefallen.

Anwalt Hartjen betont, dass es „für beide Seiten sinnvoll ist, dass sie zueinander finden“. Und das bedeute vor allem eine Annäherung in der Kernfrage: Deckt eine „Energie-Flatrate“ auch die Stromkosten ab? Trautsch hat bereits angekündigt, dass es Überlegungen gibt, den Wärmepumpenstrom für alle Mieter entfallen zu lassen – allerdings bei entsprechender Anpassung des „Basistarifs Geothermie“. Mieter Schult akzeptiert das nicht. In einem Brief an seinen Vermieter schreibt er: „Meines Erachtens ist Ihr gesamtes ,bewährtes’ Trautsch-Modell doch eher auf Täuschung ausgelegt.“ Das Verfahren wegen Betrugs hat die Staatsanwaltschaft Verden zwar eingestellt. Doch Schult gibt sich nicht geschlagen: „Es geht in die nächste Instanz.“

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