Covid-19 im Landkreis Rotenburg

Anstieg der Corona-Zahlen ist zu erwarten – das Grundrauschen bleibt

Jens Hedicke, stellvertretender Leiter des Rotenburger Gesundheitsamtes.
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Jens Hedicke, stellvertretender Leiter des Rotenburger Gesundheitsamtes.

Rotenburg – Das Agaplesion Diakonieklinikum in Rotenburg versorgt momentan im Schnitt zehn Covid-19-Patienten zeitgleich. Jeder Fünfte von ihnen muss auf der Intensivstation behandelt werden. Das teilt Joachim Henßel als ärztlicher Leiter der Krankenhaushygiene auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Die Betroffenen seien im Schnitt deutlich jünger als in den vorherigen Wellen und zumeist nicht geimpft. „Ein deutlicher Anstieg der Fälle und Krankenhausaufnahmen sind zu befürchten. Ebenso ein verstärktes Auftreten anderer Atemwegsinfektionen dieses Jahr“, so Henßel. Deshalb sei auch der Grippeimpfschutz ausgesprochen wichtig, erklärt er.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der aktuellen Corona-Situation im Landkreis Rotenburg. Jens Hedicke, der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes, spricht von einem „Grundrauschen“. „Wir kriegen den Landkreis nicht völlig gesund, es kommt immer noch zu Infektionsketten.“ Und mit lokalen Ausbrüchen sei auch in den kommenden Wochen und Monaten zu rechnen. Das Grundrauschen sei auf einem zurzeit relativ niedrigen Niveau wahrzunehmen. Mit einer Welle in der bevorstehenden, kälteren Jahreszeit sei jedoch zu rechnen – wie hoch auch immer sie ausfallen mag. „Alarmismus“ sei aber nicht angebracht, unterstreicht er.

Gemessen an den Zahlen in den Nachbarländern, ließe sich nach Ansicht von Hedicke feststellen, dass das System in Deutschland durchaus funktioniert. „Die Bevölkerung stützt es und macht mit“, stellt er fest. „So schlecht, wie viele behaupten, ist es bei uns gar nicht.“ Doch auch er würde sich eine deutlich steigende Impfquote wünschen. Sie liegt zurzeit bei etwa 65 Prozent – und wächst nur noch langsam.

Das Impfzentrum in Zeven ist bekanntlich zum Ende dieses Monats dicht – von da an sollen drei mobile Impfteams versuchen, diese Quote weiter zu steigern. Das teilen Landrat Hermann Luttmann (CDU) und Jens Hedicke in einem Pressegespräch mit. Die Teams seien organisiert. Wie sie allerdings vom 1. Oktober an vorgehen werden, lasse sich noch nicht sagen.

„Wir arbeiten daran“, sagt die zuständige Landkreis-Dezernentin Heike von Ostrowski. Der Landrat sieht für diese Teams eigentlich kein besonders großes Betätigungsfeld. Anders als in den Großstädten ließen sich besondere soziale Brennpunkte nicht erkennen, die nun anzusteuern seien. Die Schulen allerdings habe man im Blick – „dafür könnten Termine gebündelt werden“, so von Ostrowski. Mit im Boot säßen auch die Bürgermeister. Sie seien aufgerufen, Örtlichkeiten zu benennen, an denen es sich lohnt, die mobilen Teams zu platzieren.

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Mit Blick auf die zurückliegenden Wochen stellt Hedicke fest, dass die Fallzahlen zum Ende der Ferien wieder angestiegen sind. Eine leichte Welle ist auf einer entsprechenden Grafik zu erkennen, die etwa zwei Wochen nach dem Start des neuen Schuljahres wieder abgeebbt ist. In der Spitze war es in dieser Zeit zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 55 gekommen – inzwischen liegt diese bei 24.

Corona ist also immer noch allgegenwärtig, nach wie vor sind Grundregeln zu beachten, seit Mittwoch greift eine neue Landesverordnung. Und doch: Die Situation im Gesundheitsamt sei zurzeit „okay“, meint Hedicke. Die Belastung der vergangenen 18 Monate habe aber Folgen: Eine Reihe von Kollegen sei zurzeit erkrankt. Gut also, dass fünf sogenannte Scouts bei der Nachverfolgung helfen. Viel Arbeit ergebe sich zurzeit aus den vielen Anrufen von Veranstaltern, die organisatorische Fragen haben und Hilfe bei der Planung benötigen. „Allein am Besuch von Kanzlerin Angela Merkel am Mittwoch in Seedorf haben wir zwei Wochen mit der Bundeswehr getüftelt, bis das Konzept stand“, berichtet Jens Hedicke.

Seit Mitte August: Jeder vierte Infizierte war bereits geimpft

Von weiteren neun Menschen ist seit Mittwoch bekannt, dass sie sich mit Covid-19 infiziert haben. Damit sind es laut Angaben des Gesundheitsamts des Landkreises derzeit 117 aktive Fälle, sechs von den Erkrankten müssen im Krankenhaus behandelt werden. Für 129 Kontaktpersonen wurde Quarantäne angeordnet. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt damit nach Angaben des Robert-Koch-Instituts am Donnerstag bei 24 Neuinfektionen gerechnet auf 100.000 Einwohner. Insgesamt wurden seit Ausbruch der Pandemie 4447 Fälle gezählt, 4231 der Erkrankten sind mittlerweile wieder genesen. Bei jedem vierten seit dem 15. August registrierten Fall übrigens handelt es sich nach Angaben des Landkreises um bereits geimpfte Personen. Bundesweit liegt dieser Wert bei etwa zehn Prozent. „Diese Betroffenen sind aber überwiegend nicht schwer erkrankt“, sagt der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes, Jens Hedicke. Die Allgemeinverfügung des Landkreises zur Anordnung häuslicher Quarantäne fällt heute weg. Grund: Das Land hat einen einheitlichen Rahmen zum Umgang mit Quarantäne- und Absonderungsanordnungen geschaffen.

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